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Falsches Verständnis von Fahrradförderung

Datum: 05. April 2017  //  Kategorie: Verkehr und Recht

Radfahren in der Stadt - Enge

Unter dem Motto „200 Jahre Fahrrad – auf in die Zukunft“ diskutierten Radverkehrsexperten am 3. und 4. April 2017 beim 5. Nationalen Radverkehrskongress über die Zukunftsthemen des Radverkehrs – ohne den Bundesverkehrsminister. Der ADFC sieht schon die Gegenwart des Radverkehrs in Gefahr und kritisiert den Bund.

Zeitgleich zum Nationalen Radverkehrskongress in Mannheim startete die zweite Laufzeit-Hälfte des Nationalen Radverkehrsplans 2020 (NRVP), in dem das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur Leitlinien für die Radverkehrsförderung festgelegt hat, um den Radverkehr attraktiver und sicherer zu machen.

Der ADFC sieht die zentralen Ziele des NRVP in Gefahr. Fünfzehn Prozent Radverkehrsanteil hat sich die Bundesregierung bis 2020 vorgenommen, derzeit stagniert er bei unter zwölf Prozent, obwohl die Menschen in Deutschland Radfahren wollen. „Beim aktuellen Entwicklungstempo erreicht Deutschland das anvisierte Ziel frühestens 2043“, sagt ADFC-Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork.

Als Grund sieht der ADFC ein falsches Verständnis von Fahrradförderung und politische Mutlosigkeit. „Praxis der ‚Fahrradförderung‘ in Deutschland ist immer noch, schmale Streifen und Piktogramme auf die Kfz-Fahrbahn zu pinseln – und dann zu hoffen, die Menschen würden darauf gerne und massenhaft Radfahren. Es geht um echte Umverteilung des Straßenraums zugunsten der Auto-Alternativen, nicht um kosmetische Lösungen“, sagt Stork.

Der ADFC kritisiert konkret:

  • Fehlendes politisches Engagement pro Fahrrad des Bundesverkehrsministers – Verantwortung für die Steigerung des Radverkehrsanteils wird allein Ländern und Kommunen überlassen
  • Fehlendes Monitoring über Radwege sowohl in Bundesverantwortung als auch auf Länder- und Kommunalebene – Netzlücken und unzumutbare Wege-Qualität bleiben unentdeckt
  • Keine Verbesserung der Verkehrssicherheit: Das Ziel, die Verkehrstoten von 2011 bis 2020 um 40 Prozent zu reduzieren, wird verfehlt werden, besonders beim Radverkehr (2016 wird fast wieder das Ausgangsniveau von 2011 mit 399 getöteten Radfahrern erreicht)
  • Keine Verbesserung beim Fahrradparken – es fehlt ein Bundesprogramm für Radabstellanlagen an Bahnhöfen
  • Keine Unterstützung für Kommunen: Angekündigtes „Einsteiger-Paket“ mit Handreichungen für Kommunen fehlt
  • Unzureichende Kommunikation: Angekündigte Dachmarke und bundesweite Kampagne zur Förderung des Radverkehrs nicht umgesetzt
  • Forschungsdefizit: Fehlende Grundlagenuntersuchung zum Radverkehr, fehlende sozialwissenschaftliche Forschung z. B. zu „Motivation und Hemmnissen bei der Fahrradnutzung“

Im Vorfeld des Nationalen Radverkehrskongresses kritisierte der ADFC auch die Abwesenheit des Bundesverkehrsministers: „Die fahrradfreundlichste Persönlichkeit in Deutschland sollte der Bundesverkehrsminister selbst sein! Unser Verkehrsminister besucht noch nicht mal seinen eigenen Fahrradkongress, und verpasst damit den Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 200. Jubiläum des Fahrrads - enttäuschend!“, so Stork.

Fahrradland Deutschland. Jetzt!
Damit der Radverkehr zukünftig mehr politische Berücksichtigung findet, hat der ADFC zur Bundestagswahl 2017 politische Forderungen erarbeitet, die er in seinem Leitantrag „Fahrradland Deutschland. Jetzt!“ festgehalten und auf der Bundeshauptversammlung im November 2016 einstimmig beschlossen hat. Den Leitantrag und die Forderungen finden sich hier.

Foto: ADFC/Gerhard Westrich

 


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