Hier bitte die letzten 8 Stellen Ihrer Mitgliedsnummer eingeben.

Newsbereich wählen:  

ADFC-Bundeshauptversammlung 2017 in Berlin

Datum: 13. November 2017  //  Kategorie: Über Uns

BHV 2017

Am 11. und 12. November 2017 trafen sich die knapp 150 Delegierten in der Hauptstadt, um die Weichen für die kommenden Jahre zu stellen. Im Zentrum der ADFC-Bundeshauptversammlung (BHV) standen Anträge zum Verbandsentwicklungsprozess und die politische Positionierung.

„In Berlin ticken die Uhren anders“, sagte der ADFC-Bundesvorsitzende Ulrich Syberg zu Beginn der 38. Bundeshauptversammlung und spielte damit auf die positiven Entwicklungen im Verkehrs- und vor allem Radverkehrsbereich an. Das vom Berliner Senat mit dem ADFC Berlin und der Initiative Volksentscheid Fahrrad ausgearbeitete Mobilitätsgesetz mit einem Abschnitt zum Radverkehr soll noch in diesem Jahr verabschiedet werden und Berlin zum Vorreiter in Sachen Radverkehr machen.

Das sagte auch Regine Günther, Berliner Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, die zu Beginn der BHV einige Worte an die ADFC-Delegierten richtete. „Berlin hat sich viel vorgenommen. Wir wollen Bundeshauptstadt für den Radverkehr werden, und wir wollen, dass in fünf Jahren alle zu uns kommen und gucken, wie wir es machen und nicht woanders hinfahren“, sagte die Berliner Verkehrssenatorin. Sie sprach auch über zentrale Herausforderungen und dankte dem ADFC für seine Arbeit.

Bundesweite Unterstützung für das Mobilitätsgesetz
Das Berliner Mobilitätsgesetz kann nach Auffassung der ADFC-Delegierten wichtige Impulse für ganz Deutschland geben. Deshalb unterstützten die Regionalvertreter einstimmig den Antrag des ADFC Berlin, das Mobilitätsgesetz ohne weitere Verzögerungen auf den Weg zu bringen. Es sieht unter anderem vor, dass alle Hauptstraßen mit breiten Radverkehrsanlagen ausgestattet werden müssen. Diese müssen so gestaltet werden, dass das Halten und Parken darauf unterbleibt. Konkret bedeutet das eine physische Trennung der Radspur von der Kfz-Spur.

BHV 2017 Regine Günther

Als neue Infrastrukturlösung hatte der ADFC dem Senat das Modell der „Protected Bikelanes“ vorgeschlagen. Bei dieser in den USA erprobten Lösung wird eine Fahrradspur mit Pollern, Betonelementen oder Blumenkübeln von der Fahrbahn abgetrennt und mit auffälligem Grün hervorgehoben. Solche geschützten Radfahrstreifen sollen nun erstmals in Berlin errichtet werden.

Ulrich Syberg überreichte Senatorin Günther dafür symbolisch einen ersten Poller.

Forderungen an die nächste Regierung
Einstimmig angenommen wurde auch der politische Leitantrag zur Radverkehrspolitik, mit dem die BHV-Delegierten ihrem Ärger über die Jamaika-Sondierungsgespräche Luft machten. Die bislang bekannten Sondierungsergebnisse machen deutlich, dass die Verhandlungspartner die Notwendigkeit einer echten Verkehrswende nicht sehen wollen. Der ADFC fordert eine klare Abkehr von der autozentrierten Verkehrspolitik und die kräftige Förderung von Fahrrad, Fußverkehr und ÖPNV.

„Die Sondierungspartner wirken beim Thema Verkehr wie ferngesteuert von Autoindustrie und Gewerkschaften. E-Autos sollen das Klima und die Städte retten, aber das werden sie nicht, wenn immer mehr Wege im Auto zurückgelegt werden. Das Leben in den Städten wird jetzt schon erdrückt vom Autoverkehr", sagte ADFC-Verkehrsvorstand Ludger Koopmann. „Zukunftsstädte brauchen attraktive Alternativen, die Menschen motivieren, möglichst oft auf das Rad, die Bahn oder die eigenen Füße umzusteigen. Diese Weitsicht lassen bisher alle potenziellen Regierungsparteien vermissen!“  

Konkret fordert der ADFC von der nächsten Bundesregierung, die Bundesmittel für den Ausbau der Radinfrastruktur auf mindestens 800 Millionen Euro jährlich anzuheben. Außerdem sollen Radschnellwege umfassend gefördert und ihnen in Ballungsräumen Vorrang vor dem Autobahnausbau geben werden. Den Kommunen soll der Bund zweckgebundene Finanzmittel zum Ausbau des Radverkehrs zur Verfügung stellen. In Punkto Verkehrssicherheit soll „Vision Zero“, keine Toten und Schwerverletzten im Straßenverkehr, als oberstes Ziel in die Straßenverkehrsordnung aufgenommen werden. Aus aktuellem Anlass fordert der ADFC zudem, das Pariser Klimaschutzabkommen auch im Verkehrsbereich ohne Wenn und Aber umzusetzen.

Zukunft des Verbands
Neben der Zukunft des Radverkehrs ging es bei der Bundeshauptversammlung auch um die Zukunft des Verbands. Der ADFC wächst jedes Jahr um etwa fünf Prozent. Um den Verband für die Zukunft fit zu machen, hat der Bundeshauptausschuss vor zwei Jahren den ADFC-Verbandsentwicklungsprozess beschlossen. Im Rahmen der Bundeshauptversammlung 2015 wurde die Arbeit aufgenommen. Mittlerweile ist die erste Phase des Projekts abgeschlossen, bei dem ehren- und hauptamtliche Teilnehmer gemeinsam Vorschläge zur Weiterentwicklung des ADFC erarbeitet haben. Die Ergebnisse umfassen sieben Zielformulierungen, die ein Bild vom gesamten ADFC im Jahr 2025 ergeben. Auf der BHV beschlossen die Delegierten mit großer Mehrheit diese Ziele.

Die 38. BHV des ADFC endete für die Delegierten mit einer Radtour durch Berlin, auf der sie neben Sehenswürdigkeiten auch die Radinfrastruktur der Hauptstadt kennenlernten. Die nächste BHV wird 2018 in Darmstadt stattfinden.

Fotos: ADFC/Michael Handelmann


© 2017 - Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club e. V. (ADFC)