30 Jahre ADFC - 30 Erfolge
Langer Weg und erste Ziele
Am Abend des 18. April 1979 geht es am Esszimmertisch der Familie Tebbe lebhaft und kontrovers zwischen den Gastgebern und ihren Gästen zu. Doch egal, wie hitzig die Debatte geführt wird, der Entschluss steht fest: Die Anwesenden werden einen Verein für Radfahrer gründen. Verkehrsberater Jan Tebbe war einer der Gründer. Er wollte einen bundesweiten Verein gründen, der auf allen politischen Ebenen eine gewichtige Rolle spielen sollte. 30 Jahre später, im Jahr 2009, zeigt sich: Er hat sein Ziel erreicht – der ADFC spielt eine gewichtige Rolle.
Hier sind 30 Beweise:
Politik
1) Auf der internationalen VeloCity-Konferenz des europäischen Radfahrerverbands ECF präsentiert sich der ADFC im April 1980 in Bremen erstmals einem breiten Forum von Verkehrsfachleuten, Politikern und der Öffentlichkeit. Alle zwei Jahre findet die Konferenzreihe seitdem in einer der Metropolen Europas statt. 2007 war München Gastgeberstadt, und mit 958 Teilnehmern aus 50 Ländern wird hier ein Teilnehmerrekord erzielt.
2) Aus 131 Bewerberstädten werden im Jahr 1981 erstmals Rosenheim und Detmold für das Modellvorhaben Fahrradfreundliche Stadt ausgewählt. Weitere Städte, Bundes- und Landesbehörden, Fahrradindustrie und ADFC begleiten dieses Projekt des Umweltbundesamtes.
3) Am 24. April 2002 beschließt die Bundesregierung den Nationalen Radverkehrsplan (NRVP). Ziel des Programms: Bis 2012 soll der Anteil des Radverkehrs deutlich steigen. Vorbild sind die Niederlande mit einem Radverkehrsanteil von 27 Prozent.
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Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig (SPD) und ADFC-Bundesvorsitzender Wolfgang Große 2002 mit dem Nationalen Radverkehrsplan (Foto: ADFC) |
4) Politische Kontakte: 23 Bundestagsabgeordnete sind Mitglieder im ADFC. Für sie und andere interessierte Politiker veranstaltet der ADFC seit den 1990er Jahren Parlamentarische Abende. Abgeordnete holen sich Rat beim ADFC für Initiativen im Parlament. Auf der anderen Seite nutzt die Bundesregierung den Sachverstand des ADFC für ihre Reaktion auf solche Anfragen und Anträge.
5) Im Europäischen Radfahrerverband ECF organisieren sich im Jahr 1983 in Kopenhagen zunächst 16 Radfahrerorganisationen aus zwölf westeuropäischen Ländern. Unter ADFC-Einfluss wächst die Organisation auf 56 Verbände in 37 Ländern, engagiert sich stark in Osteuropa und gründet ein neues Büro in Brüssel.
6) Im Sommer 2009 befragen ADFC, Bundesverkehrsministerium und das Sinus Institut 2.000 Bundesbürger zu ihrer Einstellung zum Radfahren in Deutschland. Der ADFC-Monitor zeigt: 38 Prozent der deutschen Bevölkerung möchten das Fahrrad zukünftig häufiger nutzen. Es gilt als das Verkehrsmittel mit dem höchsten Spaßfaktor und einer positiven Kosten- und Umweltbilanz.
Verkehr
7) 1997 trat die erste Fahrrad-Novelle der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) in Kraft. Sie ebnete den Weg für sicheres und komfortables Radfahren. Überzeugungsarbeit des ADFC vor Ort war nötig, damit die Städte die Neuerungen ausprobierten und für gut befinden. Kommunen öffneten Einbahnstraßen für Radfahrer in Gegenrichtung, sie richteten bevorrechtigte Fahrradstraßen ein und ließen seitdem Radfahrer auf Busspuren mitfahren.
Seit dem 1. September 2009 gilt nun die zweite Novelle der StVO. Eine wesentliche Neuerung ist, dass nicht mehr bevorzugt Radwege angelegt werden. Das bedeutet, dass in Zukunft mehr Radfahrer auf der Fahrbahn unterwegs sein werden. Auch neu: Zukünftig gelten Ampeln für die Fahrbahn auch für Radfahrer.
8) Bundesweit gibt es beinahe 80 Fahrradstationen mit fast 29.000 Stellplätzen. Radstationen nach dem ADFC-Konzept gibt es mittlerweile über 60 Mal in NRW, aber auch in Augsburg, Braunschweig, Bremen, Osnabrück und Rostock.
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| Radstation in Bremen (Foto: ADFC) |
9) 1989 gibt die Deutsche Bahn auf Vorschlag des ADFC die Fahrradmitnahme in Nahverkehrszügen wieder frei – zunächst versuchsweise, dann dauerhaft. Einige Bundesländer bieten die Fahrradmitnahme auf ADFC-Initiative kostenlos an. Der ADFC Baden-Württemberg erhielt dafür 2003 den Best-for-Bike-Preis. Für InterRegio- und InterCity-Züge hat der ADFC ebenfalls die Fahrradmitnahme durchgesetzt. Jetzt kämpft er um den ICE.
10) Der ADFC schafft unbenutzbare Radwege ab – bis zum Gang vors Gericht: Seit der ersten Novelle der StVO gelten Mindestkriterien für Radwege. Dort, wo Radwege zu schmal, zu holprig, oder die Wegführung nicht klar ist, sorgt der ADFC dafür, dass die Radwegschilder abmontiert werden.
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| Seit 1997 ist das blaue Radwegeschild an vielen Stellen überflüssig (Foto: ADFC/Jörg Brinkmann). |
Organisation
11) Über 125.000 Mitglieder hat der ADFC heute. Sie sind in 16 Landesverbänden mit rund 450 Kreisverbänden und Ortsgruppen organisiert. In der Bundesgeschäftsstelle koordinieren mehr als 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Arbeit.
12) ADFC-Aktive: Mehr als 3.500 aktive Mitglieder setzen sich bundesweit für bessere Radverkehrsbedingungen ein, sie führen Radtouren und beraten Menschen rund ums Fahrrad. Dafür haben sie rund 80 Geschäftsstellen oder Infoläden eingerichtet.
13) Seit Ende der 1990er Jahre bietet der ADFC die Aktivenfortbildung an. Auf Workshops lernen die ehrenamtlich tätigen Mitglieder Kommunikations- und Verhandlungstechniken.
14) Seit September 2009 zeigt sich der ADFC mit neuem Logo und einem neuen Internetauftritt.
Tourismus
15) ADFC-Radtouren: Über 205.000 Menschen sind im Jahr 2008 mit dem ADFC auf Radtour gegangen. Er wird zum größten „Radtourenveranstalter“ Europas.
16) „Bett & Bike“ ist mit mehr als 4.800 fahrradfreundlichen Beherbergungsbetrieben (Stand: 2009) die erfolgreichste Qualitätsmarke im Übernachtungsgewerbe in Deutschland.
17) Die Broschüre „Deutschland per Rad entdecken“ bietet seit zehn Jahren die beste Übersicht über radtouristische Angebote. 2009 ist die Broschüre in der siebten Auflage mit einer Gesamtauflage von 500.000 Exemplaren erschienen. Sie stellt über 150 Radrouten vor.
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| Die Broschüre "Deutschland per Rad entdecken" erscheint 2009 zum zehnten Mal. |
18) Das „D-Netz“, das nationale Radroutensystem, macht Deutschland auch international für Radtouristen noch interessanter. Es umfasst zwölf überregionale Radfernwege mit einer Gesamtlänge von etwa 11.700 Kilometern. Der ADFC hat die Vision des Radfernwegenetzes und die Qualitätsstandards entwickelt.
19) Anhand seiner Radreiseanalyse zeigt der ADFC, wie sich der Fahrradtourismus seit 1999 entwickelt. Die Ergebnisse präsentiert er jährlich auf der Internationalen Tourismusbörse Berlin (ITB).
20) Die ADFC Radtourenkarte ist das weltweit meistverkaufte Kartenwerk für Radfahrer mit insgesamt 2,1 Millionen verkauften Exemplaren.
21) Im „Radreisekatalog 2009“ präsentiert der ADFC inzwischen 69 Radreiseveranstalter mit 97 ausgewählten Radreisen in Deutschland, Europa und der Welt.
22) Im ADFC-Tourenportal finden Radreisende ein knapp 200.000 Kilometer langes Netz aus digital gerouteten Radwegen. Radfahrer können hier ihre eigenen Touren individuell zusammenstellen oder auf bereits vorhandene Radstrecken zurückgreifen.
Kampagnen
23) ADFC-Fahrrad-Klimatests: 1991 bewerteten Radfahrer erstmals die Bedingungen in ihren Städten und Gemeinden. 2003 folgte Fahrrad-Klimatest Nummer zwei. Die Ergebnisse zeigen Veränderungen, aber auch Stillstand in der Radverkehrsförderung der vergangenen zwölf Jahre auf. Fahrradfreundlichste Städte wurden Münster, Erlangen und Bocholt. Genauso 2005, dem Jahr des dritten Tests. Über 26.000 Fragebögen wurden ausgefüllt, 18.000 Bögen mehr als 2003. Das zeigt das steigende Interesse der Bürger am Radverkehr in ihrer Stadt.
24) Der ADFC macht Menschen mobil. Eines der besten Beispiele ist die 2001 ins Leben gerufene Aktion „Mit dem Rad zur Arbeit“: 830 Arbeitnehmer haben daran teilgenommen, damals noch nur regional in Bayern. Dass die Menschen sich mit dem Fahrrad fit halten wollen, zeigen die Erfolge der Kampagne von AOK und ADFC: Etwa 168.000 Arbeitnehmer waren 2008 in ganz Deutschland bei der Aktion dabei. 2009 waren es etwa 170.000.
25) „Sei helle – schalt ein“, „(L)ICH(T) und DU(NKEL)“ oder „Licht? Ich hab’s gecheckt“ – die Beleuchtungskampagnen des ADFC hießen immer wieder anders. Gemeinsam war ihnen jedoch durchgängig eines: ihr Ziel, ein neues Bewusstsein für die eigene Verantwortung im Straßenverkehr zu wecken – und „lichtlose“ Radfahrer zu überzeugen, und nicht zu belehren.
26) Der ADFC hat dem 32. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Bremen zu noch einem Attribut verholfen: „fahrradfreundlich“. Dafür hat die Hansestadt einen Preis gewonnen, den Fahrradpreis „Best for Bike 2009“. 1000 Kirchentagsräder wurden extra her- und bereitgestellt, 600 gebrauchte und aufgearbeitete Leihräder standen zur Verfügung, es gab 2.000 zusätzliche Fahrradparkplätze in der Bremer Innenstadt und einen fahrradfreundlichen Stadtplan.
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| "Best for Bike" für Fahrradfreundlichen Kirchentag in Bremen (Foto: ADFC) |
27) „Mobil mit Kind und Rad“ nimmt der ADFC beim Wort. Mit dieser Kampagne bekommen Eltern alle wichtigen Informationen über die Radtour mit dem Nachwuchs: vom Transport über die Verkehrssicherheit bis hin zu Pausenaktivitäten. Die beliebten „Familienrallyes“ sind ein Bestandteil der Kampagne.
Service
28) ADFC-Magazin Radwelt: Nachdem 1980 zusammen mit der Bielefelder Verlagsanstalt das Magazin „Radfahren“ entstand, gründet der ADFC 1997 das eigene Mitgliedermagazin „Radwelt“. Sechs Mal im Jahr erscheint das Magazin mit vielem Wissenswertem zum Thema Fahrrad, die Auflage steigt beständig - derzeit sind es pro Ausgabe fast 75.000 Exemplare.
29) 1997 richtet der ADFC seine Homepage www.adfc.de ein und wird mit seinen Gliederungen bald eine der meistbesuchten Plattformen zum Thema Fahrrad etabliert haben. Pro Jahr schauen durchschnittlich etwa eine Million Besucher beim ADFC herein.
30) Fahrradversicherungen: Mitte der 1980er Jahre führt der ADFC mit Partnern erste Versicherungen ein, die speziell auf Radfahrer abgestimmt und teilweise schon im Mitgliedsbeitrag enthalten sind.










