Velo-city Global 2010: Ideenaustausch mit globalem Anspruch
Datum: 23. Juni 2010 // Kategorie: Verkehr und Recht
„Verschiedene Gangarten – dasselbe Ziel", lautet das Motto der internationalen Velo-city-Konferenz, die am Dienstag in Kopenhagen eröffnet wurde. Vier Tage lang diskutieren dort Experten und Aktivisten aus aller Welt Strategien und Lösungen für den Radverkehr. Und schon am Eröffnungs-Dienstag wurde deutlich: Im 30. Jahr ihres Bestehens wird die Velo-city-Konferenz ihrem neuen, globalen Anspruch durchaus gerecht. Aus Kopenhagen berichtet Christoph Rasch.
Auf seinen Lorbeeren will sich Kopenhagens Oberbürgermeister Frank Jensen nicht ausruhen. Die dänische Hauptstadt gilt für viele Metropolen als Vorbild in Sachen Fahrradfreundlichkeit. Und dennoch, heißt es aus dem Kopenhagener „Radhuset", dem Rathaus: Es gibt noch viel zu tun in der dänischen Hauptstadt, die Ampelschaltungen, das Angebot an Radparkplätzen oder die Verkehrssituation vor vielen Schulen. Doch schon jetzt nutzen mehr als ein Drittel der Einwohner Kopenhagens das Fahrrad für die täglichen Wege.
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| ECF-Präsident Manfred Neun unterzeichnet als Erster die Erklärung „Scientists for Cycling" |
Oberbürgermeister Frank Jensen hängt die Messlatte noch höher: „Die Großstädte mit ihren weltweit 350 Millionen Einwohnern spielen eine Schlüsselrolle für den Klimawandel.", sagte der Gastgeber in seiner Eröffnungsrede der Velo-city 2010, die nicht umsonst das Wort „global" im Titel trägt. Und, fügte Jensen an: Weil der motorisierte Verkehr in den Städten immer öfter an seine Grenzen stoße, habe das Fahrrad gerade dort enorme Potentiale: „Denn der moderne Mensch will keine Zeit im Stau verlieren", so Jensen. Zu seinen ambitionierten Zielen gehört es nun, dass schon ab 2015 jeder zweite Kopenhagener zum Radnutzer werden soll.
Das Fahrrad erobert selbst den „Big Apple"
Und, auch das ist eine Erkenntnis dieser Velo-city-Konferenz: Die Leuchttürme progressiver Radverkehrspolitik stehen längst nicht nur in Europa. Jeanette Sadik-Khan, Verkehrsbeauftragte aus New York, präsentierte die jüngsten Fortschritte ihrer Metropole: Dort, in Manhattan und Brooklyn entstehen pro Jahr rund 80 Kilometer neue Radwege auf bisherigen Auto-Spuren – farblich markiert und baulich vom sonstigen Verkehr abgetrennt : „Wir sind zwar noch nicht Kopenhagen", so Sadik-Khan, „aber auf dem besten Weg dorthin."
Es waren Impressionen und Praxis-Beispiele wie diese, aus New York oder Peking, Minsk oder dem Nahen Osten, die schon am ersten Tag den „globalen" Anspruch dieser Velo-city unterstrichen. Der Eindruck: Immer mehr Metropolen und Regionen weltweit entdecken das Fahrrad für sich – nicht zuletzt auch aus wirtschaftlichen Gründen, denn Autobahnen und -parkplätze sind teuer.
„Städte versinken in Kosten für Pkw-Verkehr"
„Die politisch Verantwortlichen erkennen, dass sie beim motorisierten Individualverkehr in den Kosten versinken", so der renommierte britische Verkehrsexperte John Whitelegg zur Radwelt. Und, glaubt er: „Die derzeitige Finanzkrise, die auch den Haushalt vieler Städte und Kommunen schwer belastet, wird den Druck erhöhen, hier zu einem Umdenken zu kommen – und mehr in nachhaltige Verkehrssysteme zu investieren."
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| Mit den „Round Table"-Diskussionen – hier zum Thema Elektromobilität – sorgt Velo-city für den direkten Erfahrungsaustausch (Foto: ADFC/K. Klama) |
Während die großen Themen das Podium beherrschten, fand der Austausch zwischen den mehr als 1.000 Teilnehmer aus 60 Ländern auch im Kleinen statt. Die Velo-city ist wie in jedem Jahr auch eine unkomplizierte Kontaktbörse: Australische und englische Experten diskutierten beim Lunch über das Für und Wider einer Fahhradhelmpflicht, deutsche und türkische Teilnehmer erkundeten auf einer abendlichen Radtour gemeinsam das fahrradfreundliche Wegenetz der Gastgeberstadt.
Abgerundet wurde der Eröffnungstag der Jubiläums-Velo-city mit einer Geburtsstunde: Der Europäische Radfahrer-Verband ECF hob das neue Netzwerk „Scientists for Cycling" aus der Taufe. Fachleute aus vielen Disziplinen – von Stadt- und Mobilitätsplanern bis hin zu Soziologen und Kulturtheoretikern – sollen sich darin austauschen, gegenseitig inspirieren und ihre Erkenntnisse bündeln. Und zwar kontinuierlich, „statt wie bisher nur einmal jährlich auf gemeinsamen Konferenzen", so ECF-Präsident Manfred Neun zum Start des Experten-Netzwerks, das künftig auch die Forschung im Bereich Radverkehr voranbringen soll.
Weiterführende Links
» Alle Artikel zur Velo-City Global 2010» Offizielle Website zur Velo-city Global 2010




