Nachgefragt bei Horst Hahn-Klöckner
Geschäftsführerwechsel im ADFC Bundesverband nach 25 Jahren
Am 1. Dezember 2011 ging eine Ära im ADFC zu Ende: Horst Hahn-Klöckner übergab nach fast 25 Jahren das Zepter des Bundesgeschäftsführers an Maren Mattner und Burkhard Stork. Im Interview mit der Radwelt blickt er auf 25 Jahre Geschäftsführen zurück.
Wie war Ihr erster Arbeitstag damals?
Mein erster Arbeitstag war am 1. April 1987. Die Bundesgeschäftsstelle in Bremen bestand aus zwei Räumen, die sich vier Mitarbeiter teilten, und einer Abstellkammer. Ich hatte meine Reiseschreibmaschine mitgebracht, eine Monica von Olympia. Damit gab es zwei Schreibmaschinen. Weil sich der Boden in den Räumen zur Straße hin neigte, hatte ich mir erst einmal ein Podest gebaut, um gerade sitzen zu können.
Als der Schreibtisch stand, wie war die inhaltliche Ausrichtung?
Mein Schwerpunkt bestand darin, Kontakte zu knüpfen und auszubauen – mit Politik, Verwaltungen, Verbänden und Medien. Es ging um das Vermitteln der Sinnhaftigkeit, in das Verkehrsmittel Fahrrad zu investieren und es als vollwertiges Verkehrsmittel zu akzeptieren.
Wie nahm die Politik den Verband mit seinen 20.000 Mitgliedern damals wahr?
Der Kontakt zur Bundespolitik war damals sehr erfreulich. Dabei half der Bonner Journalist Karl-Ludwig Kelber, der damals der Bundesvorsitzende war. Der ADFC veranstaltete schon früh parlamentarische Abende und Hintergrundpressegespräche. Der Kontakt zwischen den Interessengruppen und der Politik war in Bonn noch stärker, es wurde offenbar anders entschieden. Ein „Reden Sie doch mal mit dem ADFC“ von Karl-Ludwig Kelber hatte Gewicht: So kam auch ein Frühstück mit dem Bundesumweltminister Dr. Klaus Töpfer zustande.
Bei einem Treffen mit dem Bahnvorstand Hemjö Klein 1989 hatten wir gefordert, die Fahrradmitnahme in allen Zügen freizugeben. Zwei Wochen später war es dann auf einmal in allen Regionalzügen erlaubt. Das ging sogar ohne Mehrzweckabteile, wie es sie heute gibt. Diese hatte die Bahn auch eingerichtet, weil die Fahrradmitnahme schnell erfolgreich war.
Und wie nahm die Presse das vielfach unbekannte Thema Fahrrad auf?
Es gab damals schon die gleichen grundsätzlichen Fragen wie heute: Im Frühjahr lieferten wir die Tipps zum Fahrrad-Check und informierten später zum richtigen Verhalten im Straßenverkehr und zur Ausstattung von Fahrrädern. Die Fahrräder hatten tatsächlich kein funktionierendes Licht – heute sieht das zum Glück ganz anders aus. Und jedes Jahr neu: die Rüpel-Radler-Thematik mit der sich jährlich wiederholenden Behauptung, die Radler fahren immer schlimmer.
Was hat der ADFC zu Licht und dem Rüpel-Radler-Vorwurf gesagt?
Wir argumentierten schon damals, dass fehlendes Licht am Fahrrad nicht die Hauptunfallursache ist, sondern rechtsabbiegende Autos. Und dass die vermeintlichen Rüpelradler – also die selbstbewusst, aber korrekt fahrenden Radfahrer – sicherer durch den Verkehr kämen als die ängstlichen. Darauf gab es manchmal Reaktionen wie einmal mit der Überschrift „Die seltsamen Thesen des Radlerchefs Horst Hahn“.
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