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Fahrrad und Bahn

Bahn-Erfahrungen: Radreisende berichten

Fahrrad und Bahn - Leserpost

Sie verreisen gerne per Fahrrad und nutzen dafür auch die Bahn? Sie fahren als Pendler viel Zug und nehmen ihr eigenes Fahrrad mit? Oder würden Sie gerne das Fahrrad öfter mit auf die Zugreise nehmen, vermissen aber die "richtige Verbindung" für Ihre Reise?

Dann interessieren uns Ihre Erfahrungen: Was haben Sie während der Reise, bei der Buchung oder am Bahnsteig erlebt? Wie empfinden Sie den Service der Bahn für Reisende mit eigenem Fahrrad? Was ist in puncto Fahrradmitnahme verbesserungswürdig? Senden Sie uns Ihre Erfahrungen, ihre Kritik, ihr Lob oder Ihre Anregungen an folgende E-Mail-Adresse:

bahn@adfc.de


Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften, die wir auf dieser Seite veröffentlichen – auf Wunsch natürlich auch anonymisiert. Der ADFC behält sich vor, Zuschriften zu kürzen und übernimmt für deren sachliche Richtigkeit keine Verantwortung.


Bahnfahren extrem

Hamburg Hbf bis München Hbf per Deutsche Bahn und Mitnahme eines Fahrrades – so war der Plan. Laut Zugverbindung sollte ich um 11:55 Uhr losfahren, eine Stunde später in Uelzen umsteigen, um dann nach zwei weiteren Umstiegen in Magdeburg Hbf und Leipzig Hbf um 22:44 Uhr in München anzukommen.

10 Minuten vor Abfahrt des Metronoms nach Uelzen stand ich am Bahnsteig. Aber nach einer Lautsprecherdurchsage, die eher ein Hauchen als eine Informationsweitergabe und somit auch nicht zu verstehen war, vergewisserte ich mich lieber nochmals, ob ich auch wirklich am richtigen Bahnsteig stand.

Der Blick auf der Anzeige brachte mich aber nicht wirklich weiter, da zum Einen der Metronom nicht mehr angezeigt wurde, zum Anderen mir aber auch keine weiteren Informationen zu Verfügung gestellt wurden. Ich lief daraufhin zur Information und wollte eine neue Verbindung haben. Die Dame an der Info war zwar sehr nett, musste aber mühevoll von mir davon überzeugt werden, dass meine Zugbindungspflicht aufgehoben wird.

Ich bekam den Rat, ich solle um 12:46 Uhr die Zugbegleitung des IC 2311 ansprechen und fragen, ob sie noch einen Platz für ein Fahrrad frei haben, weil es ja sein kann, dass jemand die Fahrt nicht angetreten hat und somit die Beförderung für mich möglich sei. Angeblich seien alle Fahrradstellplätze für alle Züge an diesem Tag schon vergeben.

Das tat ich auch. Die dementsprechende Zugbegleiterin hatte aber keine Zeit für mich und gab mir dieses auch auf eine nicht sehr nette Art zu verstehen. Sie schlug mir die Tür vor meiner Nase zu. Bei der Abfahrt dieses Zuges konnte ich aber in das Fahrradabteil einsehen und musste feststellen, dass keiner dieser doch angeblich voll ausgebuchten Stellplätze belegt war.

Nach einer weiteren Stunde des Wartens kam dann der IC 2329 in Hamburg an, der mir auch von der Information empfohlen wurde. Hier habe ich nicht einmal eine Zugbegleitung entdecken können und entschied mich, einfach einzusteigen. Ich hatte Glück – von den 16 Fahrradstellplatzen, die ja alle ausgebucht sein sollten, waren gerade einmal 5 reserviert und davon auch nur 2 besetzt.

Bei der Kontrolle meiner Fahrkarte gab es auch keinerlei Probleme. Im Gegenteil; die Zugbegleitung hat gleich ohne Aufforderung versucht, mir eine Anschlussverbindung ab Nürnberg zu verschaffen. Als das nicht ging, versuchte sie Selbiges ab Würzburg und Frankfurt. Unser Zug sollte planmäßig um 22:26 Uhr in Nürnberg ankommen. Dennoch gab es nach Auskunft der Zugbegleitung keine Anschlussverbindung für mich nach München. Unglaublich!

Sie versprach mir aber, sich mit dem Zugchef diesbezüglich in Verbindung zu setzen. Einige Stunden später – wir hatten bereits Bonn passiert und ich noch nichts Weiteres gehört – habe ich den Zugchef auf dem Weg zum Kaffeeholen dann angesprochen. Er wusste gleich, um was es ging, und fackelte auch nicht lange, griff zum Handy und rief einige Leute in der Zentrale an.

Ihm wurde mitgeteilt, dass ich einen Anspruch auf ein Hotelzimmer hätte und ich mich in Nürnberg an der Information melden solle, sobald ich dort ankomme. Der Zugchef bat seinen Gesprächspartner auch gleich, die dementsprechenden Mitarbeiter in Nürnberg vorab zu informieren, damit diese die nötigen Schritt schon vorbereiten können.

Kurz vor Nürnberg gab es dann noch einen weiteren Zwischenfall. Angeblich seien aufgrund einer Demonstration einige Menschen auf den Gleisen und unser Zug könne die Fahrt auf unbestimmte Zeit nicht fortführen. Somit hielt der Zug in Kitzingen am Bahnhof. Eine Demonstration irgendwo im Nirgendwo um 21:50 Uhr mitten in der Woche? Das erschien mir sehr unglaubwürdig, sollte sich aber dann doch als nicht so schlimm herausstellen, da die Strecke schon nach ca. 15 Minuten wieder freigegeben wurde.

In Nürnberg angekommen stellte sich dann heraus, dass die Information der Deutschen Bahn keinerlei Kenntnis darüber hatte, dass ich kommen würde und die Zusage für ein Hotelzimmer hatte. Nach einigen Telefonaten seitens des Mitarbeiters gab man mir zu verstehen, dass ich kein Hotelzimmer bekommen würde und wohl einige Stunden auf dem Bahnhof verbringen müsste.

Ich solle den Zug EN 491 um 3:24 Uhr nehmen. Dieser würde nach Regensburg fahren, wo ich in den ALX 84101 Richtung München umsteigen sollte. So würde ich um 6:15 Uhr in München ankommen. Ich stand also um besagte Uhrzeit am Gleis 14 und fragte die dort stehende Zugbegleiterin, ob das Fahrradabteil vorne am Zug oder hinten am Zug zu finden sei.

Mir wurde diese Frage mit einer Gegenfrage beantwortet: „Haben sie reserviert? Wenn nicht, kostet das noch mal für die Fahrradreservierung 25 Euro.“ Obschon ich noch einmal nachgefragt habe und ihr den Sachverhalt erklärte, blieb sie bei der Gebühr von 25 Euro nur für die Reservierung eines Fahrradstellplatzes. Darauf habe ich mich natürlich nicht eingelassen.

Mit dem Gedanken daran, dass man der Information der Deutschen Bahn nicht wirklich trauen sollte, musste ich also noch eine weitere Stunde auf dem Bahnhof zwischen allerlei unangenehmen Gestalten verbringen. Um 4:37 Uhr, also nach 6 Stunden des Wartens auf dem Nürnberger Bahnhof, kam dann der RE 59113 an. Dieser fuhr bis Treuchtingen, wo ich nach 5 Minuten Aufenthalt in den RB 59143 umgestiegen bin, um dann um 7:40 Uhr, also nach ca. 20 Stunden, in München anzukommen.

In beiden Bummelzügen wurde ich kontrolliert und in beiden Zügen machten die Zugbegleiter sehr große Augen, als sie meine Fahrkarten sahen. Einer der Zugbegleiter empfand das Verhalten der Deutschen Bahn sogar als Frechheit und gab mir gleich ein „Fahrgastrechte-Formular“. Laut seiner Meinung hätte ich auf jeden Fall das Anrecht auf ein Hotelzimmer gehabt.

Fazit: Wo Information drauf steht, muss noch lange keine Information drin sein – zumindest gilt das wohl für die Deutsche Bahn.

Heiner Pyhel, München


Neulich um Mitternacht in Basel

Am Dienstag, den 13.5.2008 traten wir um 17 Uhr nach einer wunderschönen 4-tägigen Radtour im französischen Jura in Baume Les Dames die Heimreise nach Freiburg an. Leider mit sehr viel Pech, wie sich dann bis Mitternacht herausstellen sollte. Eine Störung der Stromversorgung im französischen Bahnnetz führte zu diversen Ausfällen und Verspätungen bei den Regionalzügen, und da wir sowohl in Berfort, Mulhouse, als auch Basel umsteigen mussten, hatten wir äußerst schlechte Karten, obwohl man uns sogar die Velomitnahme im TGV gestattete. Die Fahrgäste ohne Rad wurden von SNCF sehr großzügig immerhin mit Taxis weiterbefördert.

Als wir schließlich gegen 23 Uhr in Basel SBB ankamen, hatten wir den letzten Regionalzug nach Freiburg verpasst und es kam, was kommen musste – der hartnäckige Widerstand der ICE-Zugbegleiter, uns mit den Fahrrädern in einem völlig leeren Zug um 23:26 Uhr für eine Station mitzunehmen. Da half kein Flehen und Bitten, keine Schilderung des Bahnverkehrschaos hinter der nahen Grenze, kein Hinweis auf die nun auf uns zu kommende teure Übernachtung in Basel, etc. ... Vorschrift ist Vorschrift und bleibt Vorschrift.

In der Hoffnung auf etwas günstigere deutsche Hotelpreise sind wir dann noch nach Weil geradelt, wo uns das ICE-Rad-Verbot schliesslich 95 Euro gekostet hat.

Iris Papke und Patrick Stackelberg, Freiburg


Aus einer Beschwerde über das Kontaktformular der DB im Internet vom 28.04.2008:

Auf der Rückkehr meiner Geschäftsreise stieg ich am 25.04.2008 in Frankfurt Hbf in den ICE 122 ein. Leider befand sich mein reservierter Platz am entgegengesetzten Ende des Waggons. Es waren viele Reisende im Gang unterwegs, welche ihre Plätze aufsuchten. Deshalb stellte ich erstmal mein gefaltetes Faltrad an einer Stelle ab, wo es keinem im Weg stand und man ohne Mühe auch mit Gepäck daran vorbeigehen konnte.

Dann suchte ich meinen reservierten Platz am anderen Ende des Waggons auf. In diesem Moment hörte ich eine Durchsage, dass der Besitzer des Fahrrads in Waggon 22 zu seinem Fahrrad kommen sollte. Ich fühlte mich angesprochen und ging dorthin.

Ein Zugbegleiter sagte, dass das Fahrrad so nicht transportiert werden dürfe. Ich sagte ihm, dass Falträder seit Mitte 2007 auch unverpackt mitgenommen werden dürfen. Der Zugbegleiter bestritt dies. Ich bot an, das gefaltete Rad an anderer (der Regelung entspr.) Stelle zu deponieren. Diese Möglichkeit wurde mir verwehrt. Stattdessen forderte der Zugbegleiter mich auf, den Zug zu verlassen. Ich fragte nach seinem Namen, worauf er antwortete: 'Die Zugnummer genügt'.

Ich musste nun zurück zu meinem Rucksack an meinem reservierten Platz am anderen Ende des Waggons. Ich nahm den Rucksack und wollte den ICE an der dortigen Tür verlassen und außen herum zur Tür, wo mein gefaltetes Faltrad als Gepäckstück stand, gehen, um es dort herauszuholen. Die Tür war abgeschlossen, was mich zwang, ein drittes Mal durch den Waggon zu gehen.

Für diese 3 Wege habe ich geschätzte 5 bis 10 Minuten benötigt, da ständig viele Reisende mit Gepäck auf dem Weg zu ihren Sitzen waren. Der Zugbegleiter rief mir zu, ich solle mich beeilen. Weitere Hilfe bot er mir nicht an. Als ich am Ort, wo ich mein gefaltetes Faltrad abgestellt hatte, ankam, musste ich feststellen, dass es nicht mehr dort stand. Jemand, ich vermute der Zugbegleiter, hatte es auf den Bahnsteig gestellt. Ich stieg aus.

Weil mein gefaltetes Faltrad nicht mehr Raum in Anspruch nimmt als ein Koffer, fühle ich mich diskriminiert und schikaniert.

Die Mitarbeiter vom Servicepoint in Frankfurt Fernbahnhof sagten mir, dass mir solch eine Verweigerung auch im nächsten ICE passieren könne. Man empfahl mir, mit dem Regionalverkehr nach Hause zu fahren. Meine Ankunft in Wuppertal würde sich hierdurch um 3 Stunden und 22 Minuten verzögern. Sie können sich vorstellen, daß mich diese Erfahrungen mit der Deutschen Bahn und die zu erwartende Verlängerung meiner Heimfahrt sehr deprimierte und enttäuschte.

Im Juni findet in Berlin ein großes Faltradtreffen statt. Ich werde im Faltrad-Forum den übrigen Faltradfahrern empfehlen, besser nicht mit der DB anzureisen. Meine Frau kündigte aufgrund meines Erlebnisses kurzentschlossen ihre vorhandene Bahncard. Ich hoffe auf eine schnelle und kundenfreundliche Antwort.

Wolfgang Schröpfer, Wuppertal


Schnelles Reiseende wegen Überbelegung 

Im Juli 2007 wollten meine Freundin und ich mit dem Rad von Stuttgart nach Berlin fahren. Uns war klar, dass die Reise lange dauern würde.  ICE und IC kamen ja nicht in Frage weil der ICE ja keine Räder mitnimmt und für den IC zu spät (4 Wochen vorher) gebucht wurde. Plätze waren noch frei, aber nicht für die Fahrräder! Daher also Regionalzüge mit 5-mal umsteigen, 12 Stunden Fahrt und Engelsgeduld. Gesagt getan: In Stuttgart losgefahren, um bei der ersten Etappe in Nürnberg den Zug nach Hof zu nehmen. Leider war die Reise hier schon zu Ende.  Der Zug bestand aus 4 Wagen von denen auf der halben Strecke die hintersten 2 Abgetrennt wurden. Daher blieben 2 Wagen mit insgesamt 12 Stellplätzen übrig.

Doch da auch diese schon komplett besetzt waren, war kein Zustieg für uns und 8 andere Radler möglich. Der Schaffner hatte sogar noch 4 Radler herauskomplimentiert  wegen Überbelegung. Der nächste Zug in 2 Stunden war laut Aussage des Schaffners auch schon voll. Wir haben gelernt, dass man sich auf die Bahn nicht verlassen kann. Übrigens, unsere Bahncard 25 haben wir gekündigt, da die Bahncard sich nicht lohnt wenn man sowieso nur Regionalzüge fahren darf. Da ist dann das schöne Wochenende Ticket günstiger.

Holger Rasper, per E-Mail


Mehr Einsatz von Zugbegleitern gefordert

Es ist oft weniger die ausreichende Platzkapazität, welche die Fahrradmitnahme unattraktiv macht, sondern auch das Verhalten mancher Reisender untereinander. Oft sind die für Fahrräder vorgesehenen Mehrzweckabteile mit Fussgängern besetzt, die dort "einfach nur aus Bock" sitzen und natürlich nicht bereit sind, ihre Plätze zu räumen, wenn ein Radfahrer zusteigt. Dann gibt es Radler, die ihr Gefährt für dermaßen wertvoll halten, dass kein anderer sein Rad dagegenlehnen darf. Bei einer solchen Einstellung ist ein eigentlich recht grosses Mehrzweckabteil natürlich mit drei Fahrrädern voll belegt. Ich habe selbst schon beobachtet, wie es im RE Hamburg-Rostock aus einem solchen Anlass zu Handgreiflichkeiten zwischen Fahrgästen gekommen ist. Und das DB AG-Personal? Schweigt entweder ganz oder stellt sich demonstrativ auf Seiten derer, die ohne Fahrrad unterwegs sind.

Ein positives Beispiel dagegen von der Nord-West-Bahn: Dort ist die Fahrradmitnahme laut Internet reservierungspflichtig. Ich rief also an, erhielt eine Reservierungsnummer, die ich beim Einstieg in den (eigentlich total überfüllten ) Zug in Oldenburg angab. Die Zugbegleiterin scheuchte daraufhin die Fussgänger von den Klappsitzen hoch, damit ich mein Fahrrad dort platzieren konnte. Auf die Art kamen auch zwei weitere, zufällig anwesende Personen samt Rädern mit, die nicht reserviert hatten. So etwas wäre bei der Mehdorn-Truppe wohl ziemlich unrealistisch.

Ganz generell: Die Zugbegleiter sollten verpflichtet werden, den Fahrradreisenden ggf. einen Stellplatz zuzuweisen, auch, wenn irgendwelche sonstigen Reisenden dafür aufstehen müssen !

Jörg Hartmann, Hamburg


© 2012 - Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club e. V. (ADFC)

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