Velo-city Global 2010: „Speed-Dating" mit Fahrrad-Themen
Datum: 24. Juni 2010 // Kategorie: Verkehr und Recht
Ein festlicher Dinner-Empfang am Abend rundete den zweiten Tag der Velo-city Global in Kopenhagen ab. Sich am gemeinsamen Tisch über Projekte aus anderen Ländern zu informieren – dazu hatten die Konferenz-Teilnehmer bereits zuvor Gelegenheit, in kompakten Mini-Workshops. Auf dem Programm standen außerdem zwei recht unterschiedliche Vorträge prominenter Rednerinnen. Aus Kopenhagen berichtet Christoph Rasch.
Hohe politische Funktionsträger finden sich nur wenige im Programm der diesjährigen Velo-city. Umso höher waren die Erwartungen der Konferenz-Teilnehmer an den Auftritt von Connie Hedegaard, EU-Klimabeauftragte und ehemalige dänische Umweltministerin. Sie schloss ihren Vortrag allerdings auch nur mit der Erkenntnis: „Eine fahrradfreundliche Infrastruktur ist eher eine Frage des politischen Willens als der eingefahrenen Gewohnheiten". Dabei verwies sie auf die bekannten EU-Förderprogramme.
Für viele Velo-city-Teilnehmer war das am zweiten Konferenztag allerdings weder neu noch konkret genug. Auch auf der anschließenden Pressekonferenz blieb Hedegaard bei Nachfragen – etwa nach möglichen Sanktionen gegen EU-Länder, die zwar Fördergelder erhalten, aber zu wenig davon tatsächlich in die Rad-Infrastruktur investieren – eher im Ungefähren: Man müsse, sagte sie, dann eben stärker auf die Wissensvermittlung setzen.
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| Erfahrungsaustausch: Nach den „Round Tables" setzten die Konferenzteilnehmer ihre Gespräche auch im vom ADFC organisierten „Deutschen Pavilion" fort (Foto: ADFC/K. Klama) |
„Runde Tische" statt Frontal-Unterricht
Das taten die Velo-city-Teilnehmer ohnehin ganz von selbst. Kompakte Mini-Workshops prägten am Mittwoch das Konferenz-Programm, und zwar an „Runden Tischen": In 20 „Roundtable"-Gesprächskreisen mit je zehn bis 15 Teilnehmern hatten die eingeladenen Referenten Zeit, ihr Thema in einer knappen Dreiviertelstunde zu präsentieren: Von der fehlenden Fahrrad-Sicherheit in Bogota über den Velo-Tourismus in Taiwan bis hin zu neuen Park-Richtlinien in Straßburg.
Das war alles andere als trockener Frontal-Vortrag und hatte eher was von thematischem „Speed-Dating": Die Redner mussten dabei schnell auf den Punkt kommen und Nachfragen spontan in ihre Präsentationen einbauen. Oft entwickelten sich dadurch lebhafte Diskussionen – und dort, wo die Teilnehmer gemeinsame Interessen erkannten, wanderten bald die Visitenkarten über die „Runden Tische". „So lassen sich die hier begonnenen Debatten später vertiefen", sagt Hans Voerknecht vom niederländischen Beratungs-Zentrum Fietsberaad. Das System „Roundtable", das er auf dieser Velo-city mit ins Leben gerufen hat, habe sich gut bewährt, so Voerknecht – der an seinem Tisch eine neue Methode zur Darstellung von Fahrtzeiten in digitalen Stadtplänen vorstellte (siehe Foto oben).
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| Die indische Umweltaktivistin Vandana Shiva nannte das Fahrrad ein „demokratisches Verkehrsmittel" (Foto: ADFC/K. Klama) |
Warnung vor der „Gier des Automobils"
Doch auch wer nicht nur Fakten und Kontakte suchte, sondern auch ein bisschen ideelles Rüstzeug fürs eigene Fahrrad-Engagement, der kam am Mittwoch auf seine Kosten – etwa beim kämpferischen Vortrag der indischen Umweltaktivistin Vandana Shiva. Die Gewinnerin des Alternativen Nobelpreises kam unverblümt auf den Punkt: „Während Kopenhagen in den letzten Jahren zur Fahrradstadt geworden ist, haben Schwellenländer wie Indien oder China in ihren Großstädten das Fahrrad beinahe ausgelöscht."
Vandana Shiva warnte: Die „Ressourcen-Gier" des Automobils ziehe gerade für Menschen in diesen rasant wachsenden Gesellschaften immense Probleme nach sich: Wo massenhaft Highways, Auto-Fabriken und Rohstoff-Minen entstehen, fehlten am Ende Wohnquartiere, Ackerland und natürliche Wasservorkommen. In der Rückkehr zum Fahrrad hingegen sieht Shiva auch eine „Grundlage für selbstbestimmte, demokratische Mobilität".
Weiterführende Links
» Alle Artikel zur Velo-City Global 2010» Offizielle Website zur Velo-city Global 2010




