Statistik
Ein Überblick über die Frage, wer wann wie viel wo und warum klaut
Im Jahr 2009 belief sich die Zahl der als gestohlen gemeldeten Fahrräder laut polizeilicher Kriminalstatistik auf 345.347. Zwar stellt die Statistik auch einen deutlichen Rückgang der Diebstahldelikte fest (1994 führte sie noch 529.763 Fälle auf), die Dunkelziffer liegt schätzungsweise jedoch weitaus höher.
Der Schaden, der daraus resultiert, ist – neben der verlorenen Mobilität – auch mit insgesamt ca. 124 Mio. Euro nicht unerheblich. Auch hier ist ein höherer Wert realistischer, da nur Delikte mit Schadenserfassung auftauchen und bei unbekanntem Schaden ein symbolischer Schaden von 1 Euro erfasst wird. Ein gestohlenes Fahrrad hatte 2009 im Schnitt einen Wert von 358,86 Euro. Kurios: 2009 wurden 22 Fahrräder mit einem Wert von über 25.000 Euro gestohlen. 2008 waren es in diesem Wertsegment sogar 30.
Im Jahre 2009 konnten 30,1 Prozent aller polizeilich registrierten Diebstähle aufgeklärt werden. Demgegenüber ist die Aufklärungsquote bei Fahrraddiebstählen konstant gering: Im selben Jahr wurde nur bei 10,3 Prozent der Fälle Licht ins Dunkel gebracht und Fahrrad und Dieb gefunden.
Bayern konnte bei der Aufklärungsquote seine 2008 erlangte Spitzenposition der Länder nicht verteidigen, rutschte gar auf Platz 5 und hat sie erstmals an das Land Sachsen-Anhalt abgegeben, das mit 16,0 Prozent die höchste Aufklärungsquote im Ländervergleich verzeichnen konnte. Das Land Bremen konnte 2009 das langjährig bewahrte Schlusslicht erstmals an das Land Hamburg weiterreichen, das mit nur 3,9 Prozent nun die rote Laterne hat.
Interessant ist auch die Häufigkeit von Diebstählen: Im Saarland wurden im Jahr 2009 pro 100.000 Einwohner „nur" 101 Fahrräder gestohlen, in Bremen dagegen 1.274. Der bundesweite Durchschnitt beläuft sich auf 421 gestohlene Räder pro 100.000 Einwohner.
Die Motive der Fahrraddiebe sind sehr unterschiedlich und vielfältig: Sowohl Beschaffungskriminalität, bei der der Verkauf gestohlener Fahrräder einer Finanzierung (zum Beispiel von Drogen) dient, als auch organisierter Diebstahl können Beweggrund für die Tat sein. Oftmals wird ein Fahrrad auch spontan gestohlen, beispielsweise zum schnellen Heimkommen nach dem Kneipenbesuch. Dies zeigt sich auch dadurch, dass der Wohnort der Täter zu 70 Prozent in der Tatortgemeinde liegt. 36 Prozent der Fahrraddiebstähle werden in Städten zwischen 20.000 und 100.000 Einwohner verzeichnet.
Die meisten Tatverdächtigen sind deutscher Herkunft (82 Prozent) und Erwachsene ab 21 Jahren (40,9 Prozent), gefolgt von Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren mit einem Anteil von 31,4 Prozent. 17,8 Prozent der Tatverdächtigen sind Heranwachsende zwischen 18 und 21 Jahren. Und 9,9 Prozent sind unter 14 Jahre alt.
In nur jedem zwölften Fall stehen Frauen oder Mädchen unter Verdacht, mit 91,9 Prozent stellen Männer und Jungen den weitaus größten Anteil der Tatverdächtigen.
Jedes vierte gestohlene Fahrrad war 2009 ungesichert abgestellt. Des Weiteren zeigt sich, dass ein Diebstahl oft an freiliegenden Stellen stattfindet – in umschlossene Räume wie Garagen, Keller und Verkaufsräume wagen sich Diebe eher selten.
Sind die Fahrräder gar nicht oder schlecht gesichert, haben Langfinger leichtes Spiel. Nicht abgeschlossene Räder sind leichte Beute, und Billigschlösser bieten nur unzureichend Schutz. Auch sind lediglich ab-, aber nicht angeschlossene Fahrräder eine Einladung für jeden Dieb, das Fahrrad einfach wegzutragen.
Fahrraddiebstahl wird vor allem in Ballungsgebieten als Massendelikt angesehen und als Kavaliersdelikt abgetan. Diese Einstellung setzt die Hemmschwelle herab, zum Täter zu werden.











