Leser-Tourentipps
Auf den Spuren der Spreewaldgurke
Eine Woche radelten 27 Teilnehmer der ADFC-Ortsgruppe Wedemark bei strahlendem Sonnenschein durch den Spreewald und die Niederlausitz.
Angeführt von Reiseleiter Klaus Haufe gingen die täglichen Touren von Burg im östlichen Teil des Oberspreewaldes durch die schönste Fluss- und Auenlandschaft Mitteleuropas, die 1991 von der UNESCO zum Biosphärenreservat erklärt wurde.
Kulturelles, Geschichtliches – und immer mal wieder historische Anekdoten bekamen die Teilnehmer zu sehen und zu hören. Entstanden ist das schmale Erosionstal des Spreewaldes in der Eiszeit durch das Schmelzen der Gletscher, als sich gewaltige Wassermassen in das Gebiet wälzten.
Es bildeten sich Moore und Sümpfe, und danach ein weit verzweigtes Wassernetz mit mehr als 450 Fließen, die heutzutage den besonderen Reiz des Spreewaldes ausmachen. Von fast jedem Ort kann man mit dem typischen Spreewald-Kahn fahren, der wie eine Gondel „gestakt" wird, und dabei vom Kahnfahrer viel über die Gewohnheiten und das tägliche Leben der Anwohner erfahren.
Man findet gut ausgebaute und beschilderte Radwege, die sich wie ein Spinnennetz durch die Landschaft ziehen. Das Logo, eine radelnde Gurke, begleitet den Radwanderer auf dem 250 Kilometer langen „Gurkenrundweg" quer durch den Spreewald. Ein Mekka für Radfahrer mit Teichlandschaften, Seen und Wäldern, Gurken- und Gemüsefeldern, dazwischen geschichtlich interessante Dörfer und Städte, die viel zu bieten haben.
In Lübben zum Beispiel mit seiner über 850-jährigen wechselvollen Geschichte, im Krieg zu 80 % zerstört, ist Erstaunliches entstanden. Der Marktplatz, das Zentrum der Stadt, die Paul-Gerhard-Kirche, das Schloss mit dem Wappensaal im Schlossturm, die alten Häuser und einiges mehr wurden originalgetreu restauriert und die Schlossinsel zu einem Kleinod im Stadtbild umgebaut.
Ebenso sehenswert ist Cottbus mit seinen wunderschönen Barockhäusern am Markt und der Altstadt, Schloss Branitz und der Fürst-Pückler-Museum-Park. Sehenswert war auch die Festungs- und Fischerstadt Peitz mit Deutschlands größter Teichlandschaft und Karpfenzucht sowie dem Eisenhütten- und Hammerwerk mit einer der ältesten deutschen Hochofenanlage.
Von dort ging es weiter zu dem Aussichtspunkt eines ehemaligen gewaltigen Braunkohle-Tagebaus, wo die Teilnehmer alles über die Kohle und die vorgesehene Renaturierung der Lausitz erfuhren.
Beeindruckend war auch die Besichtigung der bei Raddusch stehenden, riesigen Slawenburg. Sie wurde der ursprünglichen Burganlage nachgebaut, die vor ca. 1.000 Jahren an gleicher Stelle stand. Es war das ehemalige Siedlungsgebiet des slawischen Stammes der Lusizi, denen die Lausitz ihren Namen verdankt. Die heute noch als ethnische Minderheit in der Lausitz lebenden 60.000 Sorben/Wenden gelten als ihre Nachfahren.
Ein Highlight war auch die denkmalgeschützte Holländer Dreifachwindmühle zu Straupitz. Der Mühlenrundgang mit Erklärungen und Leinölverkostung war sehr interessant. Das Spreewälder „Nationalgericht" – Pellkartoffeln mit Quark und Leinöl – wurde selbstverständlich auch probiert.. Heute noch wird die Mühle als Mahl-, Öl - und Sägemühle genutzt, eine Rarität in Europa.
Der romantischste Ort inmitten des Spreewaldes war aber Lehde mit seinem bekannten Freiland-, Bauernhaus- und Gurkenmuseum. Bis zur Landverbindung nach Lübbenau im Jahre 1929 war das Dorf nur mit einem Kahn zu erreichen, was auch heute noch bei einzelnen Gehöften der Fall ist.
Als der Tourismus den Spreewald entdeckte, war Theodor Fontane 1858 einer der ersten Besucher. Er schrieb über Lehde: „ Es ist eine Lagunenstadt im Taschenformat, ein Venedig, wie es vor 1.500 Jahren gewesen sein mag, als die ersten Fischerfamilien auf seinen Sumpfeilanden Schutz suchten."
Der Spreewald ist eine Region mit vielen Gesichtern. Orte der Ruhe und Stille sind ebenso zu finden wie laute touristische Ausflugziele. Wer aber Erholung sucht und aktiv sein will, ist hier genau richtig. Unzählige Möglichkeiten bieten sich an, und das in der sonnenreichsten Region des Landes Brandenburg.
Brigitte Halberstadt








