Leser-Tourentipps
Eine Radtour an Saale und Elbe
Anreise und 1. Etappe: Jena – Camburg, 17 km
Es macht immer wieder Spaß (im negativen Sinne), mit der Bahn und mit Fahrrädern zu fahren. In Riesa fährt der Chemnitzer Zug auf dem Bahnsteig 4 ein. Dort befindet sich zwar ein Aufzug, aber der ist stillgelegt, weil er von innen und nach Bahnvorschrift durch 2 Personen zu bedienen ist. Da in Riesa auf dem Bahnhof kein Servicepersonal mehr eingesetzt wird, ist die Bedienung des Aufzuges nicht mehr möglich.
Wenigstens werden fahrradfreundliche Doppelstockzüge nach Chemnitz eingesetzt. Im Chemnitzer Hauptbahnhof wird tüchtig gebaut, so dass die Ankunft auf Gleis 14 und die Abfahrt auf dem äußersten Gleis 15 sind. Also wieder Gepäck und Fahrräder hoch schleppen.
Nach Göttingen werden fahrradunfreundliche Triebwagen (schmale Türen mit 3 Stufen, kleine Fahrradabteile) eingesetzt. In Gera stiegen noch 4 Radfahrer zu, 2 stiegen in Jena aus, 2 wollten nach Göttingen, wir mussten die Fahrräder also auf engstem Raum umschichten.
Beim Aussteigen in Jena befanden sich viele Leute auf dem Bahnsteig, vernünftige und unvernünftige, die ungeduldig warten mussten, bis wir unsere Räder einschließlich Gepäck ausgeladen hatten. Dann durften wir aufatmen, denn wir konnten uns auf unsere Räder schwingen.
Die Wegweisung ist in Jena einigermaßen zufriedenstellend. Zuerst landeten wir links der Saale am Ende einer Gartenanlage, also machten wir kehrt und fuhren auf die andere Seite der Saale, dort geschah das Gleiche. Ein freundlicher Gärtner zeigte uns einen Weg durch die Anlage, so dass wir nicht zurückfahren mussten. Trotzdem war eine Treppe zu bewältigen und endlich waren wir auf dem richtigen Radweg rechts der Saale nach Kunitz.
Dort gibt es 2 Möglichkeiten: einmal nach links zur Saale oder geradeaus auf eine bergige Straße nach Golmsdorf. Wir wählten die Straße. Bei dem anderen Weg muss man in Golmsdorf auch einen steilen Anstieg meistern. Weiter ging es den Berg hinauf bis Dorndorf.
Durch Baumaßnahmen verfehlten wir den Radweg, fanden ihn aber dann mit sachkundiger Auskunft Einheimischer auf der linken Seite der Saale. Weiter ging die Fahrt über Würchhausen, Döbritschen (bergig) bis Camburg, wo wir in einer Pension übernachteten.
2. Etappe: Camburg – Weißenfels, 53 km
Wir starteten um 9:15 Uhr und fuhren über Stöben, Weichau, Kaatschen nach Kleinheringen. Zwischen Kleinheringen und Saaleck ist die Straßenbrücke wegen Einsturzgefahr gesperrt. Als Alternative muss man einen beschwerlichen Weg über den Berg zur Rudelsburg nehmen. Also mussten wir das Rad den Berg hinauf bis Rödigen und Tultewitz schieben (stellenweise kann man je nach Kondition ein wenig fahren).
Von Tultewitz geht es nach Kreipitzsch zum Aussichtspunkt. Von da geht ein als „Radweg" ausgeschilderter Wanderweg (4,6 km) nach Bad Kösen hinunter, der am Anfang beim Denkmal sehr holprig ist. Diese Route zu nehmen, war uns zu riskant, und wir fuhren die Straße nach Saaleck hinunter. Später erfuhren wir von anderen Radwanderern, die dort hinuntergefahren waren, dass es gar nicht so schlimm war. Auf jeden Fall hätten wir uns den Umweg über das Himmelreich gespart.
Unten in Saaleck angekommen, ahnten wir nicht, dass die Weiterfahrt nach Bad Kösen durch den Neubau einer weiteren Saalebrücke zur Zeit unmöglich ist und wir mussten wieder eine Umleitung zum Himmelreich über den Berg nehmen. Es gibt nur diese schmale, stark befahrene Behelfsstraße. Endlich in Bad Kösen angekommen, trafen wir einen freundlichen, älteren Mann, der uns einen schönen Radweg auf dem Damm der kleinen Saale zeigte.
So gelangten wir schnell nach Naumburg. Durch Naumburg hindurch hatten wir Probleme, den Radweg wieder in Grochlitz zu finden. Dort wird am Ufer der Saale gebaut und man muss wiederum eine Umleitung fahren. Dann führte uns aber ein schöner Radweg über Schönburg, Leißling, Weißenfels West bis Weißenfels. Wir schliefen in einem Hotel ein.
3. Etappe: Weißenfels – Wettin, 70 km
Punkt 9.00 Uhr ging es über die Saale auf die linke Seite an Burgwerben vorbei, nach Kriechau, Schkortleben und auf der anderen Seite nach Kleinkorbetha, Vesta und Bad Dürrenberg. In Bad Dürrenberg wechselt man wieder die Saaleseite und es geht über Daspig, Rössen nach Merseburg. In Merseburg verfranzten wir uns wieder, fanden aber dann den linkssaalischen Radweg nach Schkopau.
Am Ortsausgang von Merseburg ist wieder der Radweg wegen Abrissarbeiten gesperrt und man muss eine Umleitung nehmen. In Schkopau geht es am Bunawerk vorbei durch eine trostlose Gegend nach Planena. Von dort gelangt man durch Rattmannsdorf, Hohenweiden nach Halle zur Silberhöhe. Der Radweg führt dann weiter durch die Stadtteile von Halle, Wörmlitz, Böllberg nach Lettin und Brachwitz, wo es mit der Motorfähre für 1Euro mit 2 Personen und Fahrrad über die Saale geht.
Über Döblitz endete dann unsere Fahrt an diesem Tage in Wettin. Übernachtet wurde in einer Pension. Vor Jahren sind wir von Halle aus zu einer Saale-Elbe-Elster-Fahrt gestartet. Damals waren noch die Wege schlecht (teilweise Wiesenpfade).
Beispielsweise befand sich vor Wettin neben der Pflasterstraße noch kein asphaltierter Radweg, wodurch damals mein Gepäckträger beschädigt wurde. Jetzt kann man lobend feststellen, dass die Wegweisung ab Naumburg vorbildlich ist und auch die Wegebeschaffenheit deutlich verbessert wurde!
4. Etappe: Wettin – Aken, 80 km
Abfahrt war wieder um 9.00 Uhr zunächst nach Dobis, Rothenburg, Georgsburg,Trebnitz, Mukrena nach Alsleben. In Alsleben geht es auf die linke Saaleseite. Weiter ging die Fahrt über Groß Wirschleben, östlich an Plötzkau vorbei zur neuen Saalebrücke nach Grönau. Dort hat man die Wahl, entweder über Aderstedt nach Bernburg zu fahren oder über die Brücke von Grönau nach Bernburg.
Das letztere erwies sich als Volltreffer, denn von Grönau führt ein schöner asphaltierter Radweg bis Bernburg. Von Bernburg aus ging es nach Grimschleben, Wedlitz, Wispitz und auf einem Feldweg nach Schwarz, Buschbreite und Trabitz. Von Trabitz aus führte uns eine Betonstraße nach Groß Rosenburg. Von dort aus benutzten wir die nicht stark befahrenen Landstraßen bei kräftigem Rückenwind über Lödderitz, Kühren bis Aken.
5. Etappe: Aken – Bad Schmiedeberg, 64 km
Abfahrt war wieder um 9.00 Uhr bei starkem Rückenwind (Westwind) von Aken auf dem Radweg neben der Landstraße nach Dessau (Europaradweg R 1). Vor Dessau benutzen wir nicht den ausgeschilderten Radweg über den Fürst-Franz-Weg, sondern fuhren quer durch Dessau nach Auskünften Einheimischer zum Radweg an der B 185 nach Oranienbaum. Dann fuhren wir auf der deutschen Alleenstraße über Goltewitz, Schleesen nach Radis. Von Radis aus ging es auf ruhigen Straßen über den Ochsenkopf nach Oppin. In Oppin fuhren wir ein kleines Stück auf der B 2 bis Köplitz, wo ein sandiger Waldweg nach Sackwitz abgeht.
Von diesem zweigt dann ein ebenfalls sandiger Waldweg nach Reinharz ab. Das war zwar etwas beschwerlich, weil man teils laufen musste, aber ab Reinharz ging es wieder auf der Straße bis Schmiedeberg, wo wir nach längerem Suchen eine schöne Pension entdeckten.
6. Etappe, Bad Schmiedeberg – Riesa, 84 km:
Eigentlich wollten wir noch eine Übernachtung in Bennewitz einlegen, aber da das Wetter günstig für uns war, nahmen wir uns als Tagesziel unser Zuhause vor. Von Bad Schmiedeberg ging es über Patzschwig zu den Lausiger Teichen, wo man auf den Elberadweg trifft. Dieser führte uns über Dommitzsch, Drebligar, Elsnig, Mockritz, Döbern, Repitz nach Torgau.
Von Torgau aus ging es über Loßwig und auf dem neuen Radweg neben der B 182 nach Weßnig. Bennewitz ließen wir rechts liegen. Über Kranichau, Döbeltitz, Belgern, Ammelgoßwitz, Plotha (Abkürzung unter der Brücke hindurch genutzt), Seydewitz, Außig, Paußnitz, Strehla ging es dann nach Riesa. In Strehla wurde vorher noch mit anderen Radlern ein Kaffee getrunken.
Zusammenfassung:
Gesamtkilometer: 368 km (Tagesdurchschnitt: 61,3 km)
Gesamtkosten: 440 Euro (Tagesdurchschnitt: 73,3 Euro)
Diese Radtour war im Abschnitt bis Weißenfels sehr beschwerlich, besonders von Kleinheringen bis Bad Kösen. Im Vergleich zu unserer letzten Radtour 2002 ist die Wegweisung und -beschaffenheit deutlich verbessert worden. Eine besondere Empfehlung für andere Radler!
Gerhard Frank













