Leser-Tourentipps
Mit dem ADFC Cuxhaven durch Spreewald und Oberlausitz
Durch den ADFC-Tourenplaner erfuhr ich von dieser interessanten Radtour. Wobei mich in erster Linie das Ziel Spreewald ansprach. Die Tour war als nicht schwierig angekündigt. Die Etappen klangen vielversprechend. Also meldete ich mich an.
Als der Abreisetermin näher rückte, war ich doch ein wenig aufgeregt. Was würde mich erwarten? Wird das Wetter gut? Lerne ich nette gleichgesinnte Radler kennen? Die Tourenleiter Sigrid und Jürgen kannte ich von anderen Touren, also konnte eigentlich nichts schief gehen.
Samstag, 25.07.2009
Die Spannung steigt. Die Räder werden auf dem Trailer verladen. Gemeinsames Kaffeetrinken. Letzte Informationen. 26 Radler, für wahr eine starke Gruppe. Bekannte Gesichter sind auch darunter. Packen wir's also an.
Sonntag, 26.07.2009
Es heißt früh aufstehen. Das kleine Artistengepäck steht bereit. Um 07.50 Uhr sitzen wir im Metronom und streben unserer ersten Bleibe entgegen. Auf der Schiene, bei super Wetter, rattern wir über Hamburg, Schwerin und Berlin dem Zielbahnhof Vetschau entgegen. Zwischendurch genießen wir noch ein wenig Schienenersatzverkehr, da am Schienennetz in den neuen Bundesländern tüchtig gewerkelt wird.
In Vetschau warten zwei Großraumtaxen auf uns, die uns an das endgültige Ziel in Werben in das Spreewälder Hotel „Zum Stern" bringen. Unsere Räder sind bereits angekommen und untergebracht. Freundliche Zimmer, ein eigener Essenraum und ein netter Biergarten in einem verträumten Dorf mit vielen Störchen erwarten uns.
Mit einem Spreewälder Schnäpschen werden wir begrüßt und mit guter Kost verwöhnt. Ein Spaziergang durch den Ort und die Besichtigung des ersten Storchennestes schließt sich an. Im Biergarten sitzen wir noch ein wenig zusammen, bis schließlich die Stundenglocke des nahen Kirchturms uns in den Schlaf sinken lässt.
Montag, 27.07.2009
Storchengeklapper und der erste Schlag der Stundenglocke am frühen Morgen wecken und mahnen uns aufzustehen, denn das leckere Frühstück steht bereit. Früh geht es erstmals aufs Rad zur 70-Kilometer-Eingewöhnungstour. Der Spreewaldrundkurs auf dem „Storchenweg" steht auf dem Programm. Eine wunderschöne Landschaft empfängt uns. Auf tollen Radwegen radeln wir bei Traumwetter dahin.
Was mich stutzig macht, ist die Zweisprachigkeit der Ortstafeln. Zunächst nehme ich an es sei polnisch, da wir uns ja nahe der polnischen Grenze bewegen. Doch bald werde ich aufgeklärt. Es ist sorbisch. Die Regionen Spreewald und Lausitz sind nämlich das Land der Sorben, die oft auch als Wenden bezeichnet werden. Es ist ein slawischer Stamm, der schon um 500 das Land zwischen Ostsee, Elbe, Erz- und Fichtelgebirge, Saale und Oder/Neiße besiedelte.
Gegen 10.00 Uhr erleben wir den ersten Höhepunkt, die Slawenburg Raddusch kommt in Sicht. Es handelt sich hierbei um einen Nachbau einer ringwallförmigen Burganlage aus Holz, Erde, Sand und Lehm, wie sie im 9. und 10. Jahrhundert von dem slawischen Stamm der Lusizi in der Gegend um den Spreewald erbaut wurden. Genügend Zeit zur Besichtigung und zur Inspektion des Lunchpaketes steht zur Verfügung.
Gestärkt und um eine Erfahrung reicher radeln wir dem nächsten Ziel entgegen. Nicht ahnend, welche fantastische Landschaft wir in Kürze durchstreifen werden.
Nachdem wir die Orte Boblitz und Lübbenau-Hafen hinter uns gelassen haben, biegen wir in einen zunächst unscheinbaren Weg ein, der von Kilometer zu Kilometer das Radlerherz jubeln lässt. Wir befinden uns auf dem Leiper Weggraben in Richtung Leipe. Es ist dies ein Damm, für Radler und Fußgänger gleichermaßen nutzbar, der durch den Spreewald führt.
Hohe Kiefern und Laubbäume sowie die vielen Verästelungen der Spree säumen den Weg. Die Sonne scheint durch die Baumkronen und lässt diese wunderbare Natur zu einem besonderen Erlebnis werden. Überall kreuzen unter kleinen Brücken Paddelboote unseren Weg, bis wir nach einigen Kilometern den „Spreewaldhof", einen idyllischen Gasthof mit kleinem Spreewaldhafen (für Paddelboote und Kähne), in Leipe erreichen.
Hier können wir uns erneut bei einem kleinen Mahl für die Weiterfahrt stärken. Behrend und ich kühlen nach dem Essen unsere Füße in der Spree und hängen, auf dem Steg sitzend, unseren Gedanken nach, lassen in dieser Idylle die Seele baumeln. „Gehen wir schwimmen?", fragt nach einiger Zeit Behrend und ... schwups tun wir es den vielen Booten gleich und kreuzen mit ihnen durch die Kanäle der Spree.
„Habt ihr auch was an?", will Erika wissen, die Gaudi ist perfekt, zumal inzwischen fast alle Radler ihre Füße in der Spree kühlen. Wir können uns kaum von diesem Ort losreißen, aber Jürgen hat seinen Helm aufgesetzt und mahnt zur Weiterfahrt.
Circa 30 km liegen noch vor uns auf dem Storchenweg die Spree entlang zur Aussichtsplattform des Bismarckturms in Richtung Striesow, Briesen, Guhrow und schließlich nach Werben, unserem ersten Stützpunkt.
Nach ausgezeichneter Beköstigung in unserem Hotel und noch ein paar gemütlichen Stunden im Biergarten sinken wir ein wenig erschöpft, aber überglücklich angesichts der Erlebnisse, in unsere Betten und träumen vom wunderschönen Spreewald.
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