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Bremer Thesen 1989

Dafür arbeiten wir

Lebenswerte Lösung Fahrrad
Das Fahrrad gehört zu den intelligentesten Erfindungen, macht beweglicher als andere Verkehrsmittel, ist umweltfreundlich, denn es benötigt weniger Platz, spart Energien und andere Ressourcen und ist leise. Und es dient der Gesundheit. Das Fahrrad erweitert den Aktionsradius seiner Benutzer, ohne andere dabei einzuschränken. Im Vergleich zum Auto ist das Fahrrad eher ein Hilfsmittel für den Menschen als eine entfremdende technische Maschine. Radfahren bringt Menschen zueinander. Auf dem Fahrrad erleben sie ihre Umgebung mit allen Sinnen. Radfahren macht Spaß. Und Radfahren vermittelt wirklich freie Fahrt.

Die Zukunft steht auf dem Spiel
Die Natur wird von vielen immer noch als freies Gut betrachtet. Obwohl die natürlichen Ressourcen zur Neige gehen und unsere Umwelt zerstört wird. Menschen und Umwelt, Städte und Landschaften leiden unter einem vom Auto beherrschten Verkehrssystem. Rund 500.000 Unfalltote in der Bundesrepublik Deutschland seit 1950 und fast fünf Millionen Schwerverletzte waren bisher die unmenschliche Folge. Waldsterben und zerstörter Boden, verseuchte Meere und vergiftete Luft, Lärm und die Zerstörung der Ozonschicht drohen Vorboten einer globalen Umweltkatastrophe zu sein. Das Verkehrssystem muss, wie andere Lebensbereiche auch, grundlegend geändert werden, um uns die Überlebensfähigkeit in unserer Welt sichern zu helfen.
Das ist die wichtigste Aufgabe der Verkehrspolitik von heute und morgen. Sie muss zugleich Gesundheits- und Umweltpolitik sein. Dafür arbeiten wir im ADFC.

Menschenwürdiger Verkehr
Um das Verkehrssystem umgestalten zu können, bedarf es eines grundlegenden gesellschaftlichen Wandels. Wichtig ist vor allem: die Bewohnbarkeit unserer nahen Umgebung darf nicht der Erreichbarkeit der Ferne geopfert werden. Es geht nicht darum, weit zu fahren, sondern viel unternehmen zu können. Das wollen auch Kinder und Ältere, Behinderte und Menschen ohne Führerschein. Vorfahrt für das Fahrrad ist gerecht und sozial. Das Maß aller verkehrspolitischen Entscheidungen muss der Mensch sein, nicht der Verkehrsfluss oder der wirtschaftliche Nutzen. Das Verkehrsklima muss es allen Menschen ermöglichen, sich auf den Straßen zu bewegen. Verkehrsmittel müssen ungefährlich, leicht benutzbar und umweltschonend sein.

Lebendige Städte
Lebendige Städte sind Städte der kurzen Wege, nicht Städte der Durchgangsstraßen. Die Straßen laden wieder zum Spielen, Verweilen und miteinander Reden ein. In lebendigen Städten verbringt man gern auch seine Freizeit und das Wochenende. Ein wichtiges Verkehrsmittel ist das Fahrrad, mit dem die Menschen gesund, leise, umweltschonend und schnell ihre Ziele erreichen.

Intakte Landschaften
Intakte Landschaften werden nicht durch Zersiedelung und Straßen zerschnitten. Funktionsfähige Gemeinden mit Wohnungen, Arbeitsplätzen, Schulen, Einkaufsmöglichkeiten und einer dezentralen Verwaltung machen weite Wege entbehrlich.

Weniger Autoverkehr
Der Personenverkehr wird vorrangig durch den Verbund zwischen öffentlichen Verkehrsmitteln und Fahrrad bewältigt. In einem menschengerechten Verkehrssystem spielt das Auto keine Hauptrolle. Auch schon heute könnten viele Autofahrer problemlos umsteigen. Aber viele werden es erst tun, wenn das Radfahren, das Zufußgehen und die öffentlichen Verkehrsmittel Vorrang erhalten. Für den Güterverkehr eignen sich Bahn, Schiff und der stadtverträgliche Lieferwagen sehr viel besser als das heutige System.
Die Übermacht des Autoverkehrs mit ihren negativen Folgen bildet das Hauptproblem für den Fahrradverkehr. Deshalb muss der Autoverkehr verringert und müssen möglichst viele Straßen ganz von ihm befreit werden.
Der ADFC versteht sich nicht nur als Organisation zur Förderung des Fahrradverkehrs, sondern auch als Gesundheits-, Natur- und Umweltschutz- und als Verbraucherverband.

Das fordern wir

Wir brauchen ein fahrradfreundliches Bewusstsein und entsprechendes Handeln. Das heißt:
  • Verantwortungsbewusste Persönlichkeiten nutzen das Fahrrad konsequent.
  • Aggressive Autowerbung wird unterbunden.
  • Verkehrspädagogik befähigt zu vernünftiger Verkehrsmittelwahl.

Wir brauchen sinnvolle Verkehrsregeln. Das heißt:

  • Die bisherige Straßenverkehrs-Ordnung wird durch eine Straßennutzungsordnung ersetzt, die Leben, Gesundheit und Wohlbefinden der Menschen in den Mittelpunkt stellt.
  • Konsequente Verkehrsberuhigung innerorts muss verbunden werden mit einer deutlichen Geschwindigkeitsdämpfung auf Landstraßen und Autobahnen.
  • Die Radwegebenutzungspflicht wird aufgehoben. Einbahnstraßen werden für Radfahrer in Gegenrichtung geöffnet.

Wir brauchen eine zweckmäßigere Verwendung öffentlicher Mittel. Das heißt:

  • Förderung des Umweltverbundes aus Fahrrad, öffentlichen Verkehrsmitteln und dem Zufußgehen.
  • Deutliche Verringerung der Mittel für den Straßenbau.

Wir brauchen eine strikte Überwachung des motorisierten Verkehrs. Das heißt:

  • Geschwindigkeitsbegrenzungen müssen wirklich eingehalten werden.
  • Falschparken wird wirksam verfolgt.
  • Schwere Unfälle und riskante Gefährdungen ziehen langfristige Fahrverbote nach sich.
  • Die Rechtsprechung darf Straftaten und Ordnungswidrigkeiten im Verkehr gegenüber solchen in anderen Lebensbereichen nicht mehr als vergleichsweise belanglos einstufen.

Wir brauchen eine Neuorientierung der Stadtplanung. Das heißt:

  • Kleine Gemeinden, Stadtteile und Vororte werden durch eine bürgernahe Infrastruktur wieder aufgewertet.
  • Das Kfz-Parkraumangebot wird verringert und verteuert.
  • Industrie- und Mischgebiete erhalten Gleisanschlüsse.

Wir brauchen ein neues Steuerrecht. Das heißt:

  • Die Umwelt- und Unfallkosten des Autoverkehrs müssen auf die Kraftfahrzeug- und Mineralölsteuer umgelegt werden.
  • Die Kilometergeldpauschale im Einkommensteuerrecht wird ersatzlos gestrichen.
  • In- und ausländische Lastkraftwagen werden mit einer Schwerverkehrsabgabe belegt.

Wir brauchen eine technische Aufwertung der Fahrräder. Das heißt:

  • Bessere technische Standards sorgen für wirkungsvollere Beleuchtungsanlagen und Bremsen.
  • Hochwertige und wartungsarme Fahrräder müssen zu günstigen Preisen erhältlich sein.

So arbeiten wir - Beispiele für das Vorgehen des ADFC

Wir fordern die Politiker
Als Interessenvertretung drängen wir die Politiker zu einer umweltfreundlichen Verkehrspolitik. Der ADFC will bei allen verkehrspolitischen Entscheidungen auf Orts-, Landes- und Bundesebene mitwirken können.

Wir gehen auf die Straße
Mit örtlichen oder bundesweiten Aktionstagen oder Kampagnen wollen wir die Öffentlichkeit informieren und mobilisieren und unseren Forderungen Nachdruck verleihen.
Wir nutzen die Medien
Bewusstseinswandel wollen wir auch durch eine intensive Medienarbeit vor Ort und überregional bewirken.

Wir suchen Partner mit gleichen Zielen
Wir arbeiten mit Partnern aus dem Natur- und Umweltschutz, mit Senioren- und Kinderschutzverbänden, mit Institutionen aus dem Gesundheits-, Sicherheits- und Verkehrsbereich und mit Umwelt- und Radfahrerorganisationen aus 20 europäischen Ländern zusammen.

Wir setzen uns für Verbraucher ein
Bei Politikern und bei der Industrie arbeiten wir darauf hin, dass Fahrradkäufer und -benutzer gut informiert und versorgt werden. Wir prüfen Fahrräder und Zubehör.

Wir fördern den Fahrradtourismus
Wir fördern den Urlaub mit dem Fahrrad. Der ADFC vermittelt Radreisen und veranstaltet eigene Touren und leistet so einen Beitrag zum sanften Tourismus.

Wir helfen bei Problemen rund ums Rad!

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© 2012 - Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club e. V. (ADFC)

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