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Fahrradhelme

Die Position des ADFC

Mit dem Rad zur Arbeit - ob mit oder ohne Helm (Foto: W. Hörmann).

Zum Thema Helme für Radfahrer erreichen den ADFC immer wieder Anfragen. Manche möchten wissen, ob es in Deutschland eine Verpflichtung zum Tragen von Fahrradhelmen gibt – wenn nicht allgemein, so doch vielleicht in bestimmten Gegenden, für bestimmte Altersgruppen oder bei Fahrten im geschlossenen Verband.
Andere möchten sich einen Fahrradhelm kaufen und fragen nach, welches Modell der ADFC empfiehlt. Und wieder andere weisen auf Untersuchungen hin, denen zufolge Fahrradhelme keinen Zugewinn an Sicherheit bringen, und wenden sich gegen jede Beratung in Sachen „Fahrradhelm" durch den ADFC.

Die Rechtslage

In Deutschland besteht generell keine Helmpflicht für Radfahrende, weder im allgemeinen noch für bestimmte Altersgruppen, in bestimmten Regionen oder bei Gruppenfahrten. Da es keine Helmpflicht gibt, gilt nach gängiger Rechtsprechung bei Alltagsradfahrern das Fehlen eines Fahrradhelmes bei einem Unfall auch nicht als Mitverschulden.

Davon abweichend hat das Schleswig-Holsteinische Oberlandesgericht entschieden, dass eine Radfahrerin ohne Helm beim Zusammenstoß mit einer geöffneten Autotür eine 20-prozentige Mitschuld trägt (Urteil vom 5. Juni 2013; Az. 7 U 11/12). Da das Urteil von anderen Oberlandesgerichten abweicht, wurde Revision zum Bundesgerichtshof zugelassen. Die verletzte Radfahrerin hat gegen das Urteil Revision eingelegt.

Am 17. Juni 2014 hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden, dass einem Radfahrer ohne Helm nicht automatisch eine Mitschuld an den Folgen eines Unfalls angelastet werden kann. Damit hebt der BGH das umstrittene Urteil des Oberlandesgerichts Schleswig vom Juni 2013 auf. Der ADFC hatte die Klägerin auf ihrem Rechtsweg unterstützt – und begrüßt die Entscheidung der Karlsruher Richter als Wiederherstellung der Rechtssicherheit.

Nach Ansicht des Gerichts bestand zum Zeitpunkt des Unfalls keine allgemeine Verkehrsauffassung und kein Verkehrsbewusstsein, dass es zum Eigenschutz erforderlich und zumutbar sei, einen Helm zu tragen. Weitere Infos finden Sie hier.

Wer ein schnelles Pedelecs fährt, auch Schweizer Klasse, S-Klasse oder S-Pedelec genannt, nutzt kein Fahrrad, sondern ein Kleinkraftrad. Daraus folgt neben weiteren Besonderheiten auch, dass Fahrer einen geeigneten Schutzhelm tragen müssen. Unklar ist, welche Art Helm als geeignet anzusehen ist.

Die Position des ADFC

Der ADFC weist Forderungen nach einer Helmpflicht als untauglich zurück. Es ist seit Langem übereinstimmende Meinung aller Experten und der Bundesregierung, dass eine Helmpflicht weder durchzusetzen. noch zu kontrollieren sei. Sie würde aber die Fahrradnutzung drastisch senken und damit den Autoverkehr zunehmen lassen. Dies ist weder umwelt-, noch gesundheitspolitisch zu verantworten.

Selbstverständlich spricht nichts dagegen, wenn sich Radfahrende individuell mit einem Helm schützen. Der ADFC vertritt allerdings die Auffassung, dass eine generelle Senkung des Unfallrisikos für Radfahrer vorrangig durch eine radfahrerfreundliche Verkehrsplanung erfolgen sollte. Eine Durchsetzung niedrigerer Autogeschwindigkeiten in bewohnten Gebieten kann darüber hinaus die Schwere von Unfallfolgen deutlich verringern.

Die Bundeshauptversammlung des ADFC hat sich mehrfach gegen jegliche Tendenzen ausgesprochen, eine Helmpflicht für Radfahrer einzuführen. Im Beschluss der Bundeshauptversammlung vom 23./24.05.98 in Berlin heißt es:

„Der ADFC geht gegen jegliche Bemühungen vor, eine Helmpflicht herbeizuführen. Speziell spürbaren Tendenzen, das Fahrradfahren ohne Helm als unverantwortbar gefährlich darzustellen und so eine mögliche Helmpflicht heraufzubeschwören, wird der ADFC künftig mit den ihm zu Gebote stehenden Mitteln aktiv entgegentreten, um ernsthafte Forderungen nach einer Helmpflicht gar nicht aufkommen zu lassen.

Dazu gehört insbesondere:

Er bemüht sich darum, die Helmdiskussion auf wissenschaftlich fundierte Grundlagen bezüglich Nutzen und Grenzen der Schutzwirkung von Helmen zu stellen und insbesondere auch kritische wissenschaftliche Veröffentlichungen als Gegenargumente zu einer möglichen Helmpflicht zu sammeln und bekannt zu machen.

Auf Grundlage dieser wissenschaftlich fundierten Argumentation bemüht er sich darum, bei Institutionen – Versicherungen, Ministerien, Verbänden, Multiplikatoren, Medien – Tendenzen entgegenzutreten, die einen sozialen oder juristischen Druck zum Helmtragen erzeugen.

Bei Helmberatungen und Helminfos des ADFC wird grundsätzlich auch über wissenschaftlich fundierte Zweifel an der Schutzwirkung und Notwendigkeit von Helmen berichtet, so sie bekannt sind."


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