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Pop-up Bike Lane in Braunschweig

Nachgefragt bei Katrin Kaminski, Vorstandsvorsitzende des ADFC-Braunschweig

RW5.17 Pop-up Bike Lane Braunschweig

Im September 2017 gab es in Braunschweig die erste Pop-up Bike Lane, einen vorübergehenden geschützten Radfahrstreifen, auf dem Radfahrer auf der Fahrbahn, aber physisch getrennt vom Autoverkehr sicherer unterwegs sind. Für die vierstündige Aktion wurde ein Autofahrstreifen abgesperrt und eine Spur für Radfahrer mit Pylonen und Blumenkübeln abgetrennt. Der Weg zur geschützten Radspur war allerdings steinig: Aufgrund nicht hinnehmbarer Auflagen der Stadt hatte der ADFC Braunschweig die Aktion wenige Tage vor dem geplanten Termin zunächst abgesagt.

RW5.17 Katrin KaminskiDer ADFC Braunschweig hatte seine Pop-up-Bike-Lane aufgrund bestimmter Auflagen der Stadt zunächst abgesagt. Wo lagen die Bedenken?
Die Stadt hat viele Stellen mit einbezogen, vom Stadtmarketing bis zu Polizei und Feuerwehr. Die Bedenken waren vielseitig: Vor allem die Sicherheit der Teilnehmer war ein Thema, aber auch das befürchtete Verkehrschaos mit den damit vorhergesagten Verlusten für die Geschäfte in der Innenstadt und der Behinderung des öffentlichen Nahverkehrs. Auch die Feuerwehr befürchtete mit ihren Löschzügen nicht an unseren Blumentöpfen vorbeizukommen. Es wurde auch gemahnt, dass wir hohe Kosten verursachen würden. Insgesamt hatten wir den Eindruck, dass man die Aktion auf jeden Fall verhindern wollte. Unter anderem wurde als nicht verhandelbar angekündigt, dass die Stadt eine Vollsperrung vornehmen wolle, um die Sicherheit zu gewährleisten und wir sollten zur Auflage bekommen, dass die Radfahrenden an einer Ampel absteigen und über die Fußgängerfurt schieben. Das war für uns nicht akzeptabel und damit haben wir die Aktion zunächst abgesagt.

Wie kam es dann doch noch zur Einigung?
Wir haben uns in einem offenen Brief an den Oberbürgermeister gewandt und das entsprechend in den Medien und gegenüber den eingeladenen Bundestagskandidaten kommuniziert. Daraufhin hat die Stadt uns sehr schnell ein neues Angebot gemacht, so dass wir die Aktion wenigstens auf einem Teil der geplanten Strecke ohne Vollsperrung und ohne Schieben gut umsetzen konnten. Die Eröffnung habe ich dann gemeinsam mit unserem Stadtbaurat Herrn Leuer durchgeführt und auch die zum Absperren genutzten Pylonen wurden letztlich von der Stadt gestellt.

Wie viel Vorbereitung steckte in der Aktion?
Wir haben viel davon profitiert, dass die Aktion in Köln bereits durchgeführt wurde. Trotzdem gab es einiges zu bedenken und zu organisieren. Zum einen waren es ganz praktische Dinge wie die Organisation des Ablaufes und der Helfer sowie des erforderlichen Materials. Dazu kam die Anmeldung der Aktion als Versammlung und die damit verbundenen Verhandlungen mit der Stadt sowie die Einladung von Vertretern aus der Politik zur Eröffnung. Und ohne intensive Öffentlichkeitsarbeit auf allen möglichen Kanälen läuft so eine Aktion auch nicht.

Wie kam die Pop-up Bike Lane bei den Braunschweigern an?
Die Reaktionen waren vorwiegend ausgesprochen positiv. An dem sonnigen Aktionssamstag gab es fast nur lächelnde Gesichter. Es war den Radfahrenden anzumerken, dass sie sich auf dem geschützten Radstreifen richtig wohlfühlen. Viele kamen an unseren Stand, wollten für die Sache unterschreiben und wünschten sich, dass es so einen Radstreifen häufiger bzw. auf Dauer geben solle.

Auch die meisten Fußgänger begrüßten die Aktion, denn es gibt an dem von uns ausgewählten Bohlweg häufig Konflikte zwischen Fußgängern und Radfahrern. Mit einem geschützten Radfahrstreifen hätten auch die Fußgänger mehr Platz und man könnte entspannter im Straßencafé sitzen. Insgesamt war es eine ruhige Atmosphäre. Die Autofahrer wirkten größtenteils geduldig und waren diszipliniert. An den Ampeln versorgten wir einige mit Infomaterial. Natürlich gab es auch hin und wieder Unverständnis und Kopfschütteln.

Mittlerweile ist die Pop-up Bike Lane wieder abgebaut. Wie geht es jetzt weiter?
So eine positive Aktion wirkt nicht nur nach außen, sondern auch nach innen. Ich denke, alle Beteiligten vom ADFC sind sehr motiviert. Wir haben die Saat für den Gedanken gelegt, dass bei uns am Bohlweg manches besser laufen könnte und man das mit ganz einfachen Mitteln erreichen kann. Das wird bestimmt nicht die letzte Aktion gewesen sein, hier auf Verbesserungen zu drängen.

INFO: www.adfc-braunschweig.de/aktionen/fahrradland-deutschland-jetzt.html, www.radlandjetzt.de

Fotos: Jan Gäbler/ADFC Braunschweig, privat


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