ADFC-Symposium „Darmstadt goes Dutch“

Der ADFC hat am 9. November 2018 im Vorfeld seiner jährlichen Bundeshauptversammlung im Rahmen eines Verbandssymposiums in Darmstadt den Entwurf für eine neue ADFC-Satzung, die Verkehrswende aus Sicht des ADFC und mehr diskutiert.

Podium ADFC-Symposium Darmstadt goes Dutch
Moderator Stephan Köhnlein, David Grünewald, Initiative Radentscheid Darmstadt, Stefan Bendiks, Geschäftsführer des Planungsbüros Artgineering (Brüssel), Dr. Barbara Boczek, Leiterin Dezernat III, Ludger Koopmann, stellvertretender ADFC-Bundesvorsitzender (v.l.n.r.) © Sebastian Reimold

„Als Gesellschaft haben wir den Wandel die letzten 40 Jahre verschlafen. Wir müssen jetzt endlich Ideen entwickeln, wie die postfossile Stadt aussehen soll“, donnerte Ludger Koopmann, stellvertretender ADFC-Bundesvorsitzender, in der Debatte nach dem inspirierenden Vortrag „Darmstadt goes Dutch“ von Architekt und Stadtplaner Stefan Bendiks.

Das Symposium war gegliedert in einen verbandsinternen Teil, in dem die Idee einer ADFC-Kampagne für 2019 vorgestellt, Erfahrungen ausgetauscht und Fragen zum Satzungsentwurf beantwortet wurden. Für den anschließenden öffentlichen Teil hatte der ADFC Darmstädter Bürgerinnen und Bürger zum Vortrag vom Architekten Bendiks und zu einer anschließenden Debatte mit der Initiative zum Radentscheid Darmstadt, vertreten durch David Grünewald, Stadträtin Dr. Barbara Boczek, Stefan Bendiks und Ludger Koopmann, eingeladen.

Widerstände lassen sich auflösen

Bendiks stellte innovative stadtplanerische Lösungen aus den Niederlanden vor, die dem Radverkehr in Darmstadt als Inspiration dienen könnten. Er zeigte stadtplanerische Projekte wie Radschnellwege, die teils gegen den Widerstand der Anwohnenden durchgesetzt wurden und nach ihrer Umsetzung dennoch eine hohe Akzeptanz erfahren haben, weil sie Verbesserungen auf unterschiedlichen Ebenen brachten und den Verlust von Platz fürs Auto vielfach kompensiert haben. Sei es, weil die Straßen ruhiger geworden sind, weil Parkplätze für Anwohnende entstanden oder weil es plötzlich möglich war, direkt mit dem Rad unter den Bahngleisen zu parken.

Investitionen in den Radverkehr nutzen mehr als sie kosten, so Bendiks, es geht darum zu schauen, wo investiert wird und welche Effekte möglich sind. Statt viele Millionen in eine Autobahn zu stecken, kann es viel effektiver sein, in einen Radschnellweg zu investieren, der die Autobahn entlastet. Entsprechend zitierte er eine Umfrage, die eine besonders hohe Zufriedenheit unter niederländischen Autofahrenden zeigte.

Innovationen und Experimentierfreude sind gefragt

Es können aber auch kleinere Innovationen sein, die Radfahrenden zu Gute kommen, wie Ampeln mit Sensoren, die bei Regen Radfahrenden mehr und längere Grünphasen einräumen. Aber es braucht auch Mut und Experimentierfreude in Politik und Verwaltung, beispielsweise um ein Rund-um-Grün für Radfahrende an Kreuzungen einzurichten. Nach einem tödlichen Lkw-Abbiegeunfall hatte die Stadtverwaltung Groningens die Konsequenzen gezogen, und die Kreuzung umgestaltet – auch auf die Gefahr hin, damit gegen die Vorschriften zu verstoßen. Genau dieser Mut ist auch in Deutschland gefordert.

Die Debatte zeigte, dass noch viele Widerstände zu überwinden sind. Lösungen nach Vorbild der Niederlande einfach mal auszuprobieren, scheitert an Verwaltungsbestimmungen und am weiterhin autozentrierten Denken. Der Radentscheid Darmstadt hat mehr als 11.000 Unterschriften gesammelt – deutlich mehr als benötigt, wurde aber von der Stadt aus formalen Gründen abgelehnt. Dennoch kündigte die Stadt ein Sonderinvestitionsprogramm für den Radverkehr an. Gespräche zwischen der Initiative und der Stadt finden statt und werden teils vom ADFC moderiert.

Wandel nicht verschlafen

Ludger Koopmann machte deutlich, dass eine Verkehrswende nicht ohne schmerzhafte Einschnitte gelingen kann – und diese müssten beim Autoverkehr stattfinden. Es geht um mehr Platz fürs den Radverkehr, weil er die meiste Entlastung für die Städte verspricht.

Mehr Platz fürs Rad ist auch das Motto der Kampagne, die der ADFC 2019, 40 Jahre nach seiner Gründung, starten wird. „Der ADFC hat lange nach der Devise seines Gründers Jan Tebbe agiert und lieber in den Rathäusern für bessere Radverkehrsbedingungen gearbeitet, als vor ihnen demonstriert. Jetzt ist es an der Zeit, mit unseren Ideen an die Öffentlichkeit zu gehen, und den Menschen auf den Straßen zu zeigen, was zu verbessern ist“, so Ludger Koopmann. Es geht dabei nicht um das Fahrrad, sondern um unsere Städte.

Überall ist spürbar, dass Menschen einen Wandel in den Städten wollen und sich nicht länger mit einer autozentrierten Politik in den Verwaltungen zufrieden geben. Diesen Wandel will der ADFC vorantreiben und die Verkehrswende mit dem Fahrrad im Mittelpunkt durchsetzen.

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Häufige Fragen von Alltagsfahrern

  • Was macht der ADFC?

    Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) setzt sich mit seinen mehr als 170.000 Mitgliedern mit Nachdruck für die Verkehrswende in Deutschland ein. Wir sind überzeugt davon, dass eine gute, intuitiv nutzbare Infrastruktur, gut ausgearbeitete Radverkehrsnetze und vor allem Platz für Rad fahrende Menschen auch dazu einlädt, dass Fahrrad als Verkehrsmittel zu benutzen. Wir möchten eine sichere und komfortable Infrastruktur für den Radverkehr, damit sich junge und junggebliebene Fahrradfahrende sicher und zügig fortbewegen können.

    Die Förderung des Radverkehrs ist nicht zuletzt auch ein politischer Auftrag, für den sich der ADFC stark macht. Unser Ziel ist es, alle Menschen, gleich welchen Alters und unabhängig von ihren Wohnorten, für das Radfahren und damit für die Mobilität der Zukunft zu gewinnen. Lesen Sie in unserem Grundsatzprogramm mehr über die Ziele und Forderungen des ADFC – und werden Sie Mitglied in der weltweit größten Zweiradgemeinschaft.

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  • Was bringt mir eine ADFC-Mitgliedschaft?

    Radfahren muss sicherer und komfortabler werden. Wir nehmen dafür – auch dank Ihrer Mitgliedschaft – nicht nur Einfluss auf Bundestagsabgeordnete, sondern setzen uns auf Landes- und Kommunalebene für die Interessen von Radfahrenden ein.

    Für Sie hat die ADFC-Mitgliedskarte aber nicht nur den Vorteil, dass wir uns für einen sicheren und komfortablen Radverkehr einsetzen: Sie können, egal wo Sie mit Ihrem Fahrrad unterwegs sind, deutschlandweit auf die ADFC-Pannenhilfe zählen. Außerdem erhalten Sie mit unserem zweimonatlich erscheinenden ADFC-Magazin Radwelt Informationen zu allem, was Sie als Rad fahrenden Menschen politisch, technisch und im Alltag bewegt. Nutzen Sie als ADFC-Mitglied außerdem vorteilhafte Sonderkonditionen, die wir mit Mietrad- und Carsharing-Anbietern sowie Versicherern und Ökostrom-Anbietern ausgehandelt haben. Sie sind noch kein Mitglied? Hier gelangen Sie zum Anmeldeformular.

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  • Wo finde ich die nächste ADFC-Vertretung in meiner Nähe und wie kann ich mitmachen?

    Mit dem ADFC-Bundesverband, den Landesverbänden und den Kreisverbänden in mehr als 450 Städten und Ortschaften in ganz Deutschland finden Sie mit Sicherheit auch in Ihrer Nähe den passenden Ansprechpartner. Um die 400 Ortsgruppen und Ortsverbände sind darüber hinaus für den ADFC aktiv.

    Einen besonderen Dienst leisten die vielen ehrenamtlich Engagierten im ADFC: Sie organisieren Radtouren, kommen mit Politikern ins Gespräch und tragen mit unzählige Aktionen dazu bei, dass die Bedingungen für Rad fahrende Menschen zunehmend besser werden.

    Sie möchten erst später Mitglied werden, aber sich schon jetzt für das Radfahren engagieren? Hier bekommen Sie die Infos dazu, wie das im ADFC möglich ist.

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  • Was muss ich beachten, um mein Fahrrad verkehrssicher zu machen?

    Wie ein verkehrssicheres Fahrrad auszustatten ist, legt die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) fest. Sie schreibt u. a. zwei voneinander unabhängige Bremsen vor, damit ein Fahrrad sicher zum Stehen kommt. Ebenso vorgeschrieben ist eine helltönende Klingel. Auch zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale mit je zwei nach vorne und nach hinten wirkenden gelben Rückstrahlern sind Pflicht.

    Am wichtigsten für die Verkehrssicherheit ist neben den Bremsen die Beleuchtung. Ein rotes Rücklicht und ein weißer Frontscheinwerfer sind vorgeschrieben. Die Beleuchtung kann batteriebetrieben sein und muss tagsüber nicht mitgeführt werden. Sie muss aber dann einsatzbereit sein, wenn die Sichtverhältnisse Licht erforderlich machen. Für den Straßenverkehr zugelassen ist Beleuchtung nur mit dem Prüfzeichen des Kraftfahrtbundesamts (eine Wellenlinie, Großbuchstabe K und fünfstellige Zahl). Damit Radfahrenden auch seitlich gesehen werden, sind Reflektoren in den Speichen oder Reflexstreifen an Reifen oder Felge vorgeschrieben. Hinzu kommen ein weißer Reflektor vorne und ein roter Großrückstrahler hinten, die laut StVZO vorgeschrieben sind. Ausführlichere Informationen finden Sie hier.

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  • Worauf sollte ich als Radfahrer achten?

    Menschen, die Rad fahren oder zu Fuß gehen, gehören zu den ungeschützten Verkehrsteilnehmern. Sie haben keine Knautschzone – deshalb ist es umso wichtiger, sich umsichtig im Straßenverkehr zu verhalten. Dazu gehört es, selbstbewusst als Radfahrender im Straßenverkehr aufzutreten, aber gleichzeitig defensiv zu agieren, stets vorausschauend zu fahren und mit Fehlern von anderen Verkehrsteilnehmern zu rechnen.

    Passen Sie Ihre Fahrweise der entsprechenden Situation an und verhalten Sie sich vorhersehbar, in dem Sie beispielsweise Ihr Abbiegen durch Handzeichen ankündigen. Halten Sie Abstand von Lkw, Lieferwagen und Kommunalfahrzeugen. Aus bestimmten Winkeln können Fahrer nicht erkennen, ob sich seitlich neben dem Lkw Radfahrende befinden. Das kann bei Abbiegemanövern zu schrecklichen Unfällen führen.

    Beachten Sie immer die für alle Verkehrsteilnehmer gültigen Regeln – und seien Sie nicht als Geisterfahrer auf Straßen und Radwegen unterwegs. Weitere Tipps, wie Sie zu Ihrer und der Sicherheit anderer beitragen, finden Sie hier.

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  • Was ist der Unterschied zwischen Schutzstreifen und Radfahrstreifen? Und was ist ein Radweg?

    Die Infrastruktur für das Fahrrad nicht einheitlich und selten uneingeschränkt gut nutzbar. Radfahrstreifen und Schutzstreifen verlaufen beide auf der Fahrbahn und damit im direkten Blickfeld von Autofahrenden. Schutzstreifen haben eine gestrichelte Markierung und dürfen daher mit dem Auto befahren werden. Radfahrstreifen hingegen sind mit einer Linie durchgängig auf der Fahrbahn markiert und dürfen von Autofahrenden nicht befahren werden. Der ADFC macht sich für geschützte Radfahrstreifen stark, bei denen Poller, Kübel und markierte Schutzzonen Radfahrende vor dem Autoverkehr, achtlos aufgerissenen Autotüren und unerlaubten Parken schützen.

    Ein Radweg ist durch ein blaues Radwegschild gekennzeichnet und muss in dem Fall von den Radfahrenden genutzt werden. Eine Benutzungspflicht darf aber nur angeordnet werden, wenn es die Verkehrssicherheit erforderlich macht. Behindern Blätter, Schnee oder andere Hindernisse Radfahrende auf Radwegen, dürfen sie auf die Fahrbahn ausweichen. Mehr zur Infrastruktur für den Radverkehr erfahren Sie hier.

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  • Was ist der Unterschied zwischen Pedelecs und E-Bikes?

    Das Angebot an Elektrofahrrädern teilt sich in unterschiedliche Kategorien auf: Es gibt Pedelecs, schnelle Pedelecs und E-Bikes. Pedelecs sind Fahrräder, die durch einen Elektromotor bis 25 km/h unterstützt werden, wenn der Fahrer in die Pedale tritt. Bei Geschwindigkeiten über 25 km/h regelt der Motor runter. Das schnelle Pedelec unterstützt Fahrende beim Treten bis zu einer Geschwindigkeit von 45 km/h. Damit gilt das S-Pedelec als Kleinkraftrad und für die Benutzung sind ein Versicherungskennzeichen, eine Betriebserlaubnis und eine Fahrerlaubnis der Klasse AM sowie das Tragen eines Helms vorgeschrieben. Ein E-Bike hingegen ist ein Elektro-Mofa, das Radfahrende bis 25 km/h unterstützt, auch wenn diese nicht in die Pedale treten. Für E-Bikes gibt es keine Helmpflicht, aber Versicherungskennzeichen, Betriebserlaubnis und mindestens ein Mofa-Führerschein sind notwendig. E-Bikes spielen am Markt keine große Rolle. Dennoch wird der Begriff E-Bike oft benutzt, obwohl eigentlich Pedelecs gemeint sind – rein rechtlich gibt es große Unterschiede zwischen Pedelecs und E-Bikes. Mehr Informationen bekommen Sie hier.

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  • Gibt es vom ADFC empfohlene Radtouren für meine Reiseplanung?

    Wir können die Frage eindeutig bejahen, wobei wir Ihnen die Auswahl dennoch nicht leicht machen: Der ADFC-Radurlaubsplaner „Deutschland per Rad entdecken“ stellt Ihnen mehr als 165 ausgewählte Radrouten in Deutschland vor. Zusätzlich vergibt der ADFC Sterne für Radrouten. Ähnlich wie bei Hotels sind bis zu fünf Sterne für eine ausgezeichnete Qualität möglich. Durch die Sterne erkennen Sie auf einen Blick mit welcher Güte Sie bei den ADFC-Qualitätsradrouten rechnen können. Mehr Informationen zu den Bewertungskriterien unserer Radtouren erhalten Sie im Menüpunkt Auf Tour.

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  • Wo bekomme ich Radkarten?

    Mit fast 3 Mio. verkauften Exemplaren gehören die ADFC-Radtourenkarten weltweit zu den Bestsellern unter den Fahrradkarten. Sie haben einen praktischen Maßstab (1:150.000) und sind mit Hilfe von versierten ADFC-Scouts entstanden, die die Bedürfnisse von Radreisenden verstehen und die Strecken buchstäblich erfahren haben. Die 27 ADFC-Radtourenkarten für Deutschland haben wir durch besonders spannende und beliebte Radregionen wie den Gardasee oder Mallorca ergänzt. Außerdem finden Sie eine Vielzahl von ADFC-Regionalkarten (Maßstab 1:75.000) im Buchhandel, in vielen ADFC-Infoläden und direkt beim Bielefelder Verlag BVA (Tel.: 0521/59 55 40, E-Mail: bestellung@bva-bielefeld.de) oder bequem auf www.fahrrad-buecher-karten.de.

  • Wo finde ich vom ADFC empfohlene Musterkaufverträge für Fahrräder?

    Ganz gleich, für welches Fahrrad Sie sich entscheiden: Ein schriftlicher Kaufvertrag kann vor dem Hintergrund eventueller Reklamationsansprüche oder sonstiger Gewährleistungsfragen hilfreich sein. Das gilt umso mehr, wenn Sie sich für ein Gebrauchtrad entscheiden sollten. Deshalb haben wir hier eine Vorlage für einen Musterkaufvertrag für Gebrauchträder zusammengestellt, die Ihnen helfen, böse Überraschungen zu vermeiden.

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