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Nationaler Radverkehrskongress / ADFC: Schluss mit Fake-Infrastruktur, mehr Platz für Radverkehr - jetzt!

Dobrindt verfehlt NRVP-Ziele / Radverkehr stagniert

Datum: 30. März 2017

Nr. 009/17

Am Montag beginnt der Nationale Radverkehrskongress des Bundesverkehrsministeriums. Gleichzeitig bricht die zweite Laufzeit-Hälfte des „Nationalen Radverkehrsplans 2020“ an. Der ADFC zieht eine kritische Zwischenbilanz. Wichtige Maßnahmen der Radverkehrsförderung wurden vernachlässigt, der Radverkehrsanteil stagniert, der Fahrrad-Boom droht zu versanden. Als Grund sieht der ADFC ein falsches Verständnis von Fahrradförderung und politische Mutlosigkeit.

ADFC-Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork sagt: „Praxis der ‚Fahrradförderung‘ in Deutschland ist immer noch, schmale Streifen und Piktogramme auf die Kfz-Fahrbahn zu pinseln – und dann zu hoffen, die Menschen würden darauf gerne und massenhaft Radfahren. Das tun sie nicht! Farbe ist keine Infrastruktur! Es geht um echte Umverteilung des Straßenraums zugunsten der Auto-Alternativen, nicht um kosmetische Lösungen. Wir brauchen großzügig angelegte, top-ausgebaute Radverkehrswege, um die Menschen raus aus dem Auto und rauf auf das Rad zu locken. Dafür muss der Bund mehr Schub und mehr Geld zur Verfügung stellen!“

Der ADFC kritisiert konkret:

  • Fehlendes politisches Engagement pro Fahrrad des Bundesverkehrsministers – Verantwortung für die Steigerung des Radverkehrsanteils wird allein Ländern und Kommunen überlassen
  • Fehlendes Monitoring über Radwege sowohl in Bundesverantwortung als auch auf Länder- und Kommunalebene – Netzlücken und unzumutbare Wege-Qualität bleiben unentdeckt
  • Keine Verbesserung der Verkehrssicherheit: Das Ziel, die Verkehrstoten von 2011 bis 2020 um 40 Prozent zu reduzieren, wird verfehlt werden, besonders beim Radverkehr (2016 wird fast wieder das Ausgangsniveau von 2011 mit 399 getöteten Radfahrern erreicht)
  • Keine Verbesserung beim Fahrradparken – es fehlt ein Bundesprogramm für Radabstellanlagen an Bahnhöfen
  • Keine Unterstützung für Kommunen: Angekündigtes „Einsteiger-Paket“ mit Handreichungen für Kommunen fehlt
  • Unzureichende Kommunikation: Angekündigte Dachmarke und bundesweite Kampagne zur Förderung des Radverkehrs nicht umgesetzt
  • Forschungsdefizit: Fehlende Grundlagenuntersuchung zum Radverkehr, fehlende sozialwissenschaftliche Forschung z.B. zu „Motivation und Hemmnissen bei der Fahrradnutzung“

Stork: „Die fahrradfreundlichste Persönlichkeit in Deutschland sollte der Bundesverkehrsminister selbst sein! US-Verkehrsminister Foxx hat in der Vorgängerregierung eindrucksvoll gezeigt, dass ein autodominiertes Land charismatische politische Leitfiguren braucht, um den Wandel einer ganzen Mobilitätskultur einzuleiten. Unser Verkehrsminister besucht noch nicht mal seinen eigenen Fahrradkongress, und verpasst damit den Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 200. Jubiläum des Fahrrads - enttäuschend!“

Radverkehrsanteil stagniert…
Fünfzehn Prozent Radverkehrsanteil
hat sich die Bundesregierung bis 2020 vorgenommen, derzeit stagniert er bei unter zwölf Prozent. Stork: „Beim aktuellen Entwicklungstempo erreicht Deutschland das anvisierte Ziel frühestens 2043!“ Zum Vergleich: Die Niederlande liegen bei siebenundzwanzig Prozent. Der Bund fordert zwar von den Kommunen (8 - 19 Euro pro Einwohner p.a.) und den Landkreisen (1 - 6 Euro) kräftige Investitionen in den Radverkehr, liegt aber selbst mit seinem Bauprogramm weit zurück. So sind nur etwa 44 Prozent der Bundesstraßen mit Radwegen ausgestattet. Der Radwege-Etat ist mit 100 Millionen Euro im Verhältnis zu 6 Milliarden Euro Straßenbau-Etat deutlich unterdimensioniert.

…obwohl das Fahrrad boomt!
50 Millionen Menschen fahren regelmäßig Fahrrad
, etwa 11 Millionen davon täglich. 73 Millionen Fahrräder gibt es in Deutschland – etwa doppelt so viele wie Autos – und jedes Jahr geben die Bundesbürger mehr Geld für Fahrräder und Pedelecs aus. Kaum eine Lifestyle-Werbung kommt mehr ohne ein Fahrrad aus, immer mehr Fahrrad-Magazine drängen auf den Markt. Der Fahrradtourismus wächst jedes Jahr zweistellig. Und auch im Wirtschaftsverkehr ist das Fahrrad angekommen, immer mehr Paketdienstleister nutzen Lastenräder statt Transporter auf der letzten Meile. Stork: „Die Menschen in Deutschland wollen mehr Radfahren – aber die schlechte Infrastruktur und der dominante Autoverkehr halten sie davon ab.“

Der ADFC fordert vom Bund

  • 800 Millionen Euro Bundesetat u.a. für Ausbau und Sanierung des Radwegenetzes an Bundesfernstraßen, Radschnellwege und Abstellanlagen an Bahnhöfen
  • Verbindliche Qualitätsvorgaben für hochwertige Fahrrad-Infrastruktur
  • Vorrang von Radschnellwegen vor urbanem Autobahnausbau
  • Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit innerorts
  • Vision Zero (null Verkehrstote) in die Straßenverkehrsordnung
  • Abkehr vom Leitbild der autogerechten Stadt – Vorrang für aktive Mobilität und ÖPNV
  • Radverkehrsbeauftragte/n auf Regierungsebene
  • Mehr Leidenschaft für das Thema Fahrrad!

Von Ländern und Kommunen

  • Mehr Platz für das Rad zulasten des ruhenden und fließenden Pkw-Verkehrs
  • Erprobung neuer Infrastrukturformen, wie geschützte Radfahrstreifen und geschützte Kreuzungen nach US- und niederländischem Vorbild
  • Programme für überregionale Radschnellwege in Landesverantwortung, Vorbild NRW
  • Konsequente Verfolgung und höhere Bußgelder für Falschparken auf Radwegen

Hinweis an Redaktionen: Themenfotos „Radfahren in Städten“ und ein Porträt von ADFC-Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork finden Sie in unserem Pressebereich.

Über den ADFC
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit mehr als 160.000 Mitgliedern die größte Interessenvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Er berät in allen Fragen rund ums Fahrrad: Recht, Technik und Tourismus. Politisch engagiert sich der ADFC auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene für die konsequente Förderung des Radverkehrs.

Kontakt:

Stephanie Krone
Pressesprecherin ADFC-Bundesverband
Telefon: 030 2091498-65
E-Mail: presse@adfc.de


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