Hier bitte die letzten 8 Stellen Ihrer Mitgliedsnummer eingeben.

Codierung

Interview mit Alfred Linder

Portrait Alfred Linder
Radwelt: Herr Linder, Sie sind einer der ersten, die im ADFC Fahrräder codiert haben. Wie kamen Sie dazu?

Alfred Linder: Ich hatte 1995 in der Zeitung gelesen, dass die Polizei in Friedberg neben Fahrrädern auch Baufahrzeuge mit einem speziellen Code, dem heutigen EIN-Code, kennzeichnet. Da hatte ich gedacht, das System könnte der ADFC doch übernehmen. In Hessen bin ich wohl so etwas wie ein Pionier auf dem Gebiet. Anfangs brauchte ich viel Überzeugungsarbeit, heute gehört der Service bei vielen ADFC-Gliederungen bundesweit zum festen Repertoire.

Was hatte Sie vom EIN-Code überzeugt?
Der Code ist universell einsetzbar. Wie gesagt, es lassen sich nicht nur Fahrräder, sondern auch Baumaschinen, Kameras oder Mobiltelefone damit codieren. Ein großer Vorteil ist, dass das System keine personenbezogene Datenbank im Hintergrund braucht, die Steuergelder kostet und auf die erst zurückgegriffen werden muss. Jeder Polizist kann bei Kontrollen schon beim Abgleich der Initialen, die im Code enthalten sind, mit den Initialen des Radfahrers prüfen, ob diesem das Rad gehört.

Wie viele Räder haben Sie bislang codiert?
Circa dreitausend

Der Code ist praktisch eine verschlüsselte Adresse. Was verbirgt sich hinter den Zahlen und Buchstaben?
Der vom ADFC empfohlene Code setzt sich zusammen aus dem Kfz-Kennzeichen, einer Ortskennung, dem amtlichen Straßenschlüssel beziehungsweise einer Namensabkürzung, der Hausnummer, den Initialen des Eigentümers sowie dem Codierjahr. Von Bundesland zu Bundesland gibt es dabei kleine Unterschiede. So hat sich Berlin dafür entschieden, stattdessen das Geburtsdatum + Initialen einzugravieren.

Ein wesentlicher Bestandteil des Codes ist die Straße - entweder als Abkürzung oder als Straßennummer - sowie die Hausnummer des Eigentümers. Was passiert, wenn er oder sie umzieht?
Das ist kein Problem, wenn am Ende des Codes auch noch das Codierjahr zweistellig angeführt wird, wie es der ADFC empfiehlt. Die Polizei kann die Person, die damals in dem Haus gewohnt hat, über das Melderegister herausfinden.

Wer kann alles den Code entschlüsseln?
Das kann eigentlich nur die Polizei oder eine Behörde, die den Straßenschlüssel erstellt hat. Die Landeskriminalämter bieten über das Polizei-Intranet den Beamten vor Ort eine Möglichkeit zur Dechiffrierung der Adresse.

Inwiefern schreckt der Code Diebe ab?
Von der Polizei gibt es immer wieder Meldungen, dass bei Diebstählen aus Fahrradkellern die codierten Räder stehen gelassen werden, der Rest aber weg ist. Die Codierung wirkt am besten als vorbeugende Maßnahme - und natürlich, um ein aufgefundenes Rad dem Eigentümer wieder zurückzugeben.

Was sollte ich tun, wenn mein codiertes Rad dennoch gestohlen worden ist?
Auf jeden Fall eine Verlustanzeige aufgeben und dabei die Codierung und auch Rahmennummer nennen. Damit ist die Polizei schon einmal informiert. Zusätzlich zur Codierung sollten Radbesitzer auch einen Fahrradpass ausfüllen, in dem Details über ihr Fahrrad stehen. Meiner Erfahrung nach kann nur eine Minderheit der Bestohlenen ihr Rad richtig beschreiben.

Reicht die Rahmennummer nicht aus?
Je nach Hersteller kann ein Rad bis zu drei verschiedene Nummern haben, zu finden oder nicht zu finden an zehn verschiedenen Stellen. Aber auch die richtige Rahmennummer kann von Komponenten oder von Lack überdeckt und damit fast unleserlich sein. Das erschwert die Fahndungsarbeit der Polizei. Der Code steht in der Regel auf der rechten Seite des Sitzrohres, den kann man nicht übersehen.

Offensichtlich auch Fahrraddiebe nicht. Warum werden codierte Fahrräder stehen gelassen?
Sie lassen sich nicht so gut verkaufen, weil sie ja praktisch einen Eigentumshinweis mit sich führen. Da kann auch ein unbedarfter Käufer auf dem Flohmarkt schnell misstrauisch werden. Und, wie schon angesprochen, bei Kontrollen lässt sich schnell prüfen, ob dem Fahrer das Rad gehört oder nicht.

Wenn alle Fahrräder codiert wären, dann...?
... dann gäbe es bestimmt viel weniger Fahrraddiebstähle und zufriedenere Fahrradbesitzer. Und die Flohmärkte wären frei von gestohlenen Rädern. Wichtig ist bei dem System Fahrradcodierung, dass die Polizei, codierende Stellen wie der ADFC, Fundämter und auch die Händler zusammenarbeiten, um die gestohlenen Fahrräder ihrem Besitzer wieder zuzuordnen. Wenn Fahrraddiebstahl stark rückläufig würde, kauften sich die Menschen auf Dauer auch hochwertigere Fahrräder - und hätten damit auch noch viel mehr Freude am Fahrradfahren.

Weiterführende Links


© 2017 - Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club e. V. (ADFC)