Satellitennavigation am Lenker
Orientierungshilfe aus dem All
Wer im Auto den Komfort der kleinen GPS-Geräte einmal kennengelernt hat, möchte ihn auch am Fahrrad erleben. Doch die Outdoor-Navigation funktioniert anders als die Kfz-Variante. Wie sich GPS am Rad erfolgreich anwenden lässt, erläutert der GPS-Experte des ADFC, Thomas Froitzheim.
Fahrrad-Navis können inzwischen auch spezielle Routen fürs Rad auf Knopfdruck ausrechnen und per Sprache ans Ziel führen – das Resultat sind aber nicht immer die besten Radrouten. Wer auf seiner individuellen Wunschtour geleitet werden möchte, kommt um eine detailliertere Planung nicht herum.
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Ein gutes GPS-Gerät muss nicht teuer sein, aber erst mit geeigneter Software, digitalen Karten oder Radroutenplanern aus dem Internet lassen sich sämtliche Touren planen und orientierungssicher durchführen. Nach der Tour können die Daten ausgewertet, bearbeitet und mit Gleichgesinnten ausgetauscht werden.
Was leisten GPS-Geräte?
Was muss der Anwender können?
Was braucht man noch?
Wo gibt es Touren?
Welches Gerät ist das Richtige?
Wie viel Speicher braucht der GPS-Anwender?
Strom für unterwegs
Gut trainiert
GPS ersetzt weder Karte noch Wegweisung
Probieren und studieren
Praktische Tipps für Einsteiger
Weiterführende Links
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Was leisten GPS-Geräte?
Unschlagbar ist die präzise Wegweisung des Global Positioning Systems (GPS), das eine weltweite Ortung auf etwa zehn Meter genau erlaubt - Verfahren ist mit den GPS-Geräten fast unmöglich. Radfahrer lassen sich von der Anzeige auf dem Display oder per Sprachführung leiten, so sind sie zügig unterwegs, ohne immer wieder auf die Karte schauen oder auf Wegweisung achten zu müssen.
Zwar sollen die 30 Satelliten des neuen europäischen Galileo-Systems mit etwa einem Meter Genauigkeit eine noch präzisere Wegweisung erlauben, aber es wird voraussichtlich noch bis 2017 dauern, bevor das System einsatzbereit ist. Darauf zu warten, lohnt sich nicht. Bereits die heutigen Outdoor-GPS-Geräte und -Systeme sind präzise, zudem sind sie stabil und wetterfest. Und sie lassen sich dank der erweiterten Speicher- und Stromversorgungsmöglichkeiten mittlerweile auch auf mehrtägigen Radreisen einsetzen.
Was muss der Anwender können?
Bevor sich der Fahrspaß entfalten kann, muss ein GPS-Neuling mindestens drei Hürden nehmen: Erstens muss er mindestens etwa 150 Euro investieren, zweitens sollte er mit der Computer- und Internetnutzung nicht auf
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Kriegsfuß stehen und drittens - und das wird für viele Interessierte wohl die größte Hürde sein – muss er sich mit der Bedienung des Geräts vertraut machen, meist auch mit weiterer Software und digitalen Karten, also einige Zeit investieren.
Denn im Gegensatz zur Kfz-Navigation fehlt es Outdoor-Geräten an Inhalten. Digitale Rad- oder Wanderrouten sind noch lange nicht flächendeckend verfügbar, sodass der Nutzer seine gewünschten Touren entweder aus dem Internet herunterlädt oder am PC-Bildschirm selbst zeichnet und dann per Kabel auf das Gerät überträgt. Auch spezielle Fahrradkarten der Navis zeigen leider noch nicht sämtliche geeigneten Radverbindungen auf oder können den individuellen Wünschen der Nutzer (Steigung, Oberflächenbelag, ausgeschilderte Routen) gerecht werden.
Für digitale Karten und auch GPS-Software gibt es verschiedene Lösungen – da fällt die Entscheidung nicht leicht. Hier gilt: gönnen, nicht geizen.
Was braucht man noch?
GPS-Geräte werden meist mit Karten ihres Herstellers ausgestattet, die zwar sehr präzise, aber auch teuer sein können. Einige Geräte können kostenlose Karten aus dem Internet (OpenStreetMap) verwenden. Viele Geräte erlauben inzwischen auch das Übertragen von „klassischen“ Karten in digitaler Form – also zum Beispiel amtlicher topografischer oder selbst eingescannter Karten, häufig aber nur in kleinen Ausschnitten.
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Für das Planen und Auswerten am Computer sollten sich GPS-Nutzer gute digitale und kompatible Karten anschaffen. Besonders beliebt bei Radfahrern ist die TOP 50-Serie der deutschen Landesvermessungsämter. Jeweils ein Bundesland ist auf einer DVD mit Karten im Maßstab 1:50.000 dargestellt, dazu gibt es Ortsverzeichnisse und Höheninformationen. Pro Bundesland werden bei der Anschaffung etwa 40 bis 80 Euro fällig. In Einzelfällen gibt es die Karten auch in anderen Maßstäben, beispielsweise die DVD Bayern im Maßstab 1:10.000 oder Baden-Württemberg im Maßstab 1:25.000. Ihre beigefügte Software, der Geogrid-Viewer, enthält ein einfaches Zeichenprogramm, mit dem die Dateien auch ins GPS-Gerät gelangen können.
Die Firma MagicMaps bietet Karten für Deutschland, die Schweiz, Österreich, Luxemburg und Südtirol Karten im Maßstab von 1:25.000 und 1:50.000 an. Auch Verlage wie Kompass oder der Alpenverein bieten ihre Karten auf DVD an, teilweise direkt mit GPS-Schnittstelle. Google Earth eignet sich zwar sehr gut zum Anschauen von fertigen Touren, aber nicht zur Tourenplanung. Auf den Luftbildern sind die für Radfahrer wichtigen Waldwege kaum verlässlich nachzuvollziehen.
Die digitalen Karten bringen immer auch geeignete Software mit, lassen sich aber untereinander kaum kombinieren. Für GPS-Liebhaber empfiehlt sich ein Programm wie Touratech QV (TTQV). Es kostet zwar etwa 170 Euro, aber dafür lassen sich zahlreiche andere digitale Karten wie MagicMaps, Kompass – oder OpenStreetMap-Karten kombinieren, Straßenvektorkarten und auch eigene gescannte Karten darstellen. Zudem kann man mit den hochkarätigen Programmen die GPS-Daten sehr gut verwalten, bearbeiten und vom GPS-Gerät herunterladen beziehungsweise aufspielen. Eine 3D-Darstellung ermöglicht eine gute Vorausschau auf die Höhenverhältnisse der kommenden Tour.
Wo gibt es Touren?
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Tourenvorschläge können sich GPS-Nutzer inzwischen auch über spezielle GPS-Portale aus dem Internet herunterladen. So bietet das ADFC-Tourenportal mehr als 220.000 Kilometer Radrouten in Deutschland, die sich durch ihre Vernetzung auch miteinander verknüpfen lassen und damit routingfähig sind. Andere kostenlose Tourenportale bieten zwar eine Vielzahl von Tourenvorschlägen an, die durch Nutzer hochgeladen wurden, aber die Qualität schwankt naturgemäß sehr stark. So sollte man die heruntergeladenen Daten vor der Tour mit einer guten Karte vergleichen.
Auf den ADFC-Bett+Bike-Seiten www.bettundbike.de werden inzwischen die Geokoordinaten jedes Gastbetriebs angezeigt. Wenn Sie die Werte in ein GPS-Gerät übertragen, können Sie auch diese Ziele, die häufig etwas abseits der Radroute liegen, punktgenau erreichen. Sämtliche Betriebe stehen auch als Sammeldatei (POIs) zur Verfügung und können einfach in ein Garmin-Gerät neuerer Bauart übertragen werden. In den komfortablen GPS-Geräten der neuesten Generation wie Falk Ibex sind sie bereits als POIs integriert.
Welches Gerät ist das Richtige?
Outdoor-GPS-Geräte sind sehr robust und funktionssicher, sie trotzen dem Regen und sind auch bei Sonnenlicht gut ablesbar. Einfache Geräte haben nur ein Schwarzweiß-Display, sind aber gut abzulesen und besitzen inzwischen einen hervorragenden Empfang. Für mehrwöchige Touren, vor allem im Ausland, eignen sich Geräte mit Kartendarstellung, Farbdisplay und größerem Speicher.
Eine Kartendarstellung erleichtert die Orientierung in Städten und an Wegekreuzungen in der Natur. Zwar bringen einige GPS-Geräte wie Falk Ibex, Xplova, Lowrance Sierra oder VDO GP7 bereits gute geländetaugliche Karten im Lieferumfang mit, doch für andere Geräte müssen diese fein auflösenden Karten – also mit dem Feld- und Waldwegenetz –zusätzlich gekauft werden. Sie belasten zwar mit etwa 150 bis 300 Euro zusätzlich das Portemonnaie, zeigen jedoch z.B. Deutschland in einer hohen Auflösung im Maßstab von etwa 1:25.000 – inklusive vieler Details und in Städten sämtlicher verfügbarer Straßennamen.
Erst mit einer solchen Karte ist Routing, also die Berechnung einer Strecke von A nach B - auf dem GPS-Gerät
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möglich. Geräte wie der VDO GP7, der Xplova G5 oder der Falk Ibex beherrschen auch das „dynamische Routing“, also die spontane Neuberechnung einer Strecke, wenn der alte Streckenvorschlag verlassen wurde. Gerade beim Routing ist aber Vorsicht geboten, denn die Navis führen zwar zum Ziel, aber längst nicht immer auf den besten oder den gerade gewünschten Wegen. Dies liegt insbesondere an den verwendeten digitalen Karten, die leider noch zu wenig Informationen über die Wegequalitäten beinhalten. Zwar sind die Radfernwege wie Weser- oder Donauradweg vorhanden, aber es mangelt noch an regionalen und lokalen Radrouten.
Zusätzliche Funktionen wie ein barometrischer, also Luftdruck abhängiger Höhenmesser oder ein elektronischer Kompass sind für den Gebrauch auf Radtouren im Flachland nicht unbedingt notwendig. Der elektronische Kompass lässt sich zudem leider vom Fahrradmetall ablenken. Die aktuellen hochempfindlichen GPS-Geräte ermitteln die Höhe inzwischen relativ genau. Geräte mit barometrischer Messung zeigen auch weitere Informationen wie Höhenprofile oder die zurückgelegten Höhenmeter an.
Wie viel Speicher braucht der GPS-Anwender?
Selbst die kleinsten Geräte reichen aus, um zehn Radtouren als Tracks mit etwa 80 bis 100 Kilometern Länge in der Präzision einzuspeichern, wie sie eine Karte im Maßstab 1:50.000 besitzt. Dazu kann dann die gefahrene Tour noch über mehrere Tage im Gerät aufgezeichnet werden. Einzelne Ziele, zum Beispiel Ortszentren, Bahnhöfe oder auch Übernachtungsmöglichkeiten, lassen sich als „Waypoints" eintragen, auch unterwegs.
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Wenn die Akkus leer sind, nutzt das beste GPS-Gerät nichts mehr. Ladeschaltungen wie das E-Werk von Busch und Müller, das Zzing oder ToutTerrains „The Plug“ stellen den Strom des Fahrraddynamos zum Aufladen von GPS-Geräten, Digitalkameras und Handys bereit. Manche GPS-Geräte schalten allerdings während des Ladevorgangs die Bedienmöglichkeiten ab – also vorher ausprobieren, bevor es auf die große Reise geht. Solarladegeräte haben es in unseren Breiten zuweilen schwer, die notwendige Kapazität zu entwickeln.
Gut trainiert
Wer sich mit dem Rad sportlich betätigt, kann seine Pulswerte und die Trittfrequenz auch über spezielle GPS-Geräte wie den Garmin Edge, den Xplova G5 oder den VDO GP7 messen und aufzeichnen lassen. Die notwendigen Brustgurte und Signalgeber gibt es häufig gegen Aufpreis, ihre Daten lassen sich durch mitgelieferte Trainingssoftware auslesen und dokumentieren.
PDAs oder Smartphones
Das sind kleine Westentaschencomputer, inzwischen meist mit Telefonfunktion – erhalten zunehmend
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GPS-Chips und Navigationsfunktionen. Diese sind derzeit meist auf KFZ- oder Fußgängernavigation ausgerichtet, zudem sind die Gerätedisplays bei Sonnenlicht in der Regel schwer abzulesen und kaum ausreichend wasser- und stoßfest für den Fahrradlenker. Dennoch gibt es auch hier erste fahrradtaugliche Ausführungen, die vor allem die Möglichkeit bieten, weitere digitale Karten wie beispielsweise die amtlichen topografischen Karten darzustellen.
„ADFC mobil", eine Anwendung für das iPhone, stellt die ADFC-Qualitätsradrouten über eine interaktive Karte und in einer ausführlichen Beschreibung mit nützlichen Infos vor. Mit der GPS-Funktion zeigt das iPhone den jeweiligen Standort auf der Karte an und ermöglicht die Navigation zur nächsten Fahrradwerkstatt oder zum gewählten Bett+Bike-Gastbetrieb.
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GPS ersetzt weder Karte noch Wegweisung
Ein GPS-Gerät kann niemals eine so gute Übersicht wie eine großflächige Karte bieten. Deswegen beginnt die Planung einer Radtour immer mit einer Karte – und auch unterwegs sollte die Papierkarte nicht fehlen. Die schnellste und eindeutigste Orientierung, insbesondere an Kreuzungen, bietet nach wie vor die Wegweisung. Was liegt näher, als alle Orientierungssysteme gemeinsam zu nutzen?
Probieren und studieren
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Satellitennavigation lässt sich nicht am Schreibtisch oder im Katalog erfahren – sie muss ausprobiert werden. Wer mit dem Gedanken spielt, sich ein Gerät anzuschaffen, sollte sich Wirkungsweisen, Stärken und Schwächen dieser Wegweisung unverbindlich anschauen. Vielleicht verfügt Ihr ADFC vor Ort über Leihgeräte! Auch einige Touristeninformationen vermieten GPS-Geräte. Der Vorteil: Die Routen sind hier schon eingespeichert. Handhabung und Nutzung der Geräte lassen sich auch in Seminaren erfahren, ob nun als Einsteiger oder Fortgeschrittener. Also rauf aufs Rad und leiten lassen.
Praktische Tipps für Einsteiger
Zum Einstieg in die Satellitennavigation gibt es ein ADFC-Praxisbuch für GPS-Radtouren. Welche aktuellen
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GPS-Geräte eignen sich für Touren- und Rennradfahrer oder Mountainbiker? Welche digitalen Karten bieten die meisten Möglichkeiten? Welche Internetportale haben die besten Touren? Der GPS-Experte Thomas Froitzheim beantwortet diese Fragen in leicht verständlicher Weise und gibt zahlreiche Tipps für Anfänger und Fortgeschrittene. Das Buch „GPS für Biker" ist im Bruckmann-Verlag erschienen (ISBN 978-3-7654-5016-7) und kostet 19,95 Euro.






















