Bett, Bike, Boom
Alles über Bett+Bike
Pünktlich zur Urlaubssaison 2012 erscheint die neue Gesamtausgabe des Bett+Bike-Verzeichnisses – mit neuen Extras, im neuen Format, aber mit der bewährten Garantie: die erfolgreiche Suche nach einem fahrradfreundlichen Übernachtungsbetrieb.
Die mehr als 5.000 Bett+Bike-Gastbetriebe setzen alles daran, dass sich Fahrrad fahrende Gäste bei ihnen wohl fühlen. Doch was ist überhaupt das Besondere an Bett+Bike? Warum wollen die Gastbetriebe dabei sein? Und was sagen die Gäste?
Das Segelschulschiff Deutschland in Bremen-Vegesack hat 15 Kabinen mit je zwei übereinanderliegenden Kojen. Es ist das wohl einzige Segelschulschiff der Welt, das auch ein Bett+Bike-Gastbetrieb ist – eine von mittlerweile gut 5.000 fahrradfreundlichen Unterkünften in ganz Deutschland mit dem Prädikat „Bett+Bike". Verliehen wird es vom ADFC – vorausgesetzt, die Betriebe erfüllen die vorgeschriebenen Kriterien, die Radurlaubern den Aufenthalt so angenehm wie möglich machen sollen.
So empfangen die Betreiber ihre Gäste auch nur für eine Nacht, sie bieten ihnen eine abschließbare Unterstellmöglichkeit für das Fahrrad und einen Trockenraum oder Ähnliches für nasse Kleidung und Ausrüstung. Sie stellen Infomaterial wie regionale Radwanderkarten sowie Bus- und Bahnfahrpläne in der Umgebung bereit und haben Adressen nahegelegener Werkstätten und das nötigste Werkzeug für kleinere Reparaturen am Rad griffbereit. Und ganz wichtig: In Bett+Bike-Betrieben bekommen Radfahrer ein gutes Frühstück.
Appartements, Bauern- oder Biohöfe, Campingplätze, Ferienhäuser und -wohnungen, Gasthäuser, -höfe und Heuhotels, Hotels, Jugendherbergen und Privatpensionen oder aber Winzer – unter den Bett+Bike-Betrieben ist für jeden Geschmack etwas dabei. Eben auch ausgefallene Unterkünfte wie das Segelschulschiff Deutschland.
Geburtsstunde
Ins Rollen gebracht hatte das Projekt „Bett+Bike" Anfang der 1990er-Jahre Wolfgang Reiche. Der 64-Jährige fährt leidenschaftlich gerne Fahrrad, macht oft auch Mehrtagestouren, die Übernachtungen erfordern. Viel zu häufig hatte er früher in mürrische Gesichter von Pensionsbetreibern schauen müssen, die ihm mitteilten, kein Zimmer sei mehr frei, und seine Suche nach einer Bleibe fortsetzen müssen. Wolfgang Reiche hatte genug: „Es hat mich einfach gewurmt, als Fahrradfahrer immer wieder abgelehnt zu werden." Er wollte etwas ändern.
Über drei Jahre lang hatte er mit dem Fachausschuss Tourismus über bestimmte Kriterien diskutiert, die fahrradfreundliche Betriebe erfüllen sollten. Besonders wichtig war ihnen, dass die Betriebe Radfahrer auch nur für eine Nacht bei sich aufnehmen.
Nach und nach sind so sieben Kriterien entstanden, von einem ausgewogenen Frühstück über ein Werkzeugset bis hin zum Infomaterial. Parallel zu seiner Arbeit im Fachausschuss hatte Reiche damit begonnen, die Adressen der Betriebe zu sammeln, die ihn und andere Radfahrer freundlich empfangen hatten.
1995 war schließlich ein bedeutendes Jahr für das Projekt „Rad & Bett", wie es damals noch hieß. Denn die Null-Nummer des ersten Übernachtungsverzeichnisses mit allen Anschriften und den Kriterien wurde auf der Internationalen Tourismus Börse (ITB) in Berlin erstmals öffentlich präsentiert. 217 Betriebe waren hier aufgelistet, das Projekt "Bett & Bike", wie es zwei Jahre später genannt wurde, war geboren.
In den folgenden zwei Jahren sammelte Wolfgang Reiche die Adressen der fahrradfreundlichen Gastbetriebe aus ganz Deutschland und spürte neue auf. „Ich habe alle Adressen und Daten der radlerfreundlichen Häuser selbst erfasst, sie dann ausgedruckt, kopiert, geheftet und geschnitten", sagt er.
Das Projekt wächst
Über 15 Jahre ist das jetzt her, und seitdem hat sich Einiges geändert: 1997 sind erste ADFC-Landesverbände in
das Projekt eingestiegen. Nach und nach wurden dann auch Projektleiter eingestellt, die Wolfgang Reiche bei der Dokumentation und Akquise von Gastbetrieben unterstützten. 1997 übernahm zudem der Bielefelder Verlag den Druck der Ausgabe, noch immer unter dem Titel „Rad & Bett". Außerdem wurde ein Arbeitskreis mit den Projektleitern der nach und nach entstandenen Landesprojekten gegründet.
Bis heute werden hier Struktur und das äußere Erscheinungsbild von „Bett+Bike" abgestimmt. „Oberstes Ziel ist es, dem Projekt ein einheitliches Gesicht zu geben, mit einheitlichen Kriterien zu arbeiten und nach außen einheitlich aufzutreten", so Wolfgang Reiche, auch wenn die Arbeit jetzt vor allem auf Landesebene stattfinde. Heute betreut der ehemalige Gesamtprojektleiter nur noch die Bundesländer Brandenburg und Berlin. Doch die wird er in wenigen Monaten auch an das letzte noch zu gründende Regionalprojekt abgeben. Dann steht er für neue Aufgaben rund um Bett+Bike zur Verfügung oder betätigt sich als Qualitätskontrolleur auf Radtouren kreuz und quer durch Deutschland.
1998 wieder etwas Neues: Neben der Gesamtausgabe kamen erstmals Übernachtungsverzeichnisse für die einzelnen Bundesländer heraus. Den Druck übernahm der Verlag Esterbauer.
Und nun, 2012, erscheint schließlich die neueste, komplett überarbeitete Gesamtausgabe des Nachschlagewerks. Darin hat jeder Gastbetrieb die Möglichkeit, sich mit einem Foto zu präsentieren. Außerdem werden für die Nutzer wichtige Daten wie Zimmerzahl, Ortslage, Service für Radtouristen, Entfernungen zu Radfernwegen und Preise aufgeführt.
Der Serviceteil gibt Tipps zur Reiseplanung, Kombination von Fahrrad und Bahn oder der Navigation per Karte und GPS. Übersichtskarten zeigen die Lage der rund 5.200 Gastbetriebe und erleichtern die Reiseplanung.
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