Dicke Luft
Wie groß ist die Schadstoffbelastung für Radfahrer durch Abgase?
Abgase sind im Innenstadtbereich ein leidiger Begleiter aller Verkehrsteilnehmer – und für so manchen sind sie ein Argument, das Auto im Berufsverkehr gar nicht erst zu verlassen. Ein Trugschluss, denn: Autofahrer, so zeigen Studien, setzen sich bis zu sechsmal höheren Schadstoff-Belastungen aus.
Jeden Morgen steht der Radler an der Ampel, neben ihm dampfen die Auspuffrohre der wartenden Pkw-Kolonnen. Ein vorbeiflitzender Fahrradkurier mit Mundschutz gemahnt an einen unangenehmen Begleiter auf den täglichen Wegen durch die Stadt: Auto-Abgase. Nicht alle Emissionen des motorisierten Verkehrs – wie etwa Kohlendioxid (CO2), Dieselruß, Reifenabrieb oder aufgewirbelter Straßenstaub – werden dabei von Rußfiltern oder Katalysatoren abgefangen. Kein Zweifel: Die „verkehrsbedingten Luftschadstoffe" sind kein Segen für die Gesundheit und sollten so weit als möglich vermieden werden.
Vor allem die „ungeschützten" Radler müssten im besonderen Maße unter der Luftbelastung – vor allem durch CO2, Ruß oder Benzol – leiden. Im Auto hingegen, so die gängige Vermutung, sei man vor den Abgasen am sichersten. Niederländische Wissenschaftler haben die durchschnittlichen Schadstoffhöchstkonzentrationen gemessen. Ergebnis: Der Autofahrer ist 1,5- bis 6-fach höheren Konzentrationen ausgesetzt als ein Fußgänger oder Radfahrer. Nimmt der Radfahrer etwa 2.670 µg/m3 Kohlenmonoxid auf, atmet der Autofahrer 6.730 µg/m3 auf der gleichen Fahrtstrecke ein.
Schadstoffe reichern sich im Auto an
Grund hierfür ist, dass die Schadstoffe in der Außenluft sehr viel besser verdünnt werden, während sie sich im Inneren des Autos anreichern. Besonders hohe Konzentrationen treten im Fahrzeuginnenraum durch Stoffe auf, die auch aus dem Tank oder dem Motorraum durch Verdunsten freigesetzt werden – wie Benzol.
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Hinzu kommt, dass Radfahrer durch ihre Bewegungsarbeit bereits mehr Luft einatmen als die im "Ruhezustand" befindlichen Autofahrer: Verbraucht ein wenig trainierter Radler etwa 40 bis 50 Liter Luft pro Minute, sind es beim Autofahrer lediglich 10 bis 15 Liter. Trotzdem schneiden die Radfahrer bei der Schadstoffaufnahme besser ab – nicht zuletzt, weil sie dank des körperlichen Trainings die Auswirkungen der Luftverschmutzung besser verkraften können.
Besonders hoch sind die Emissionen eines Autos übrigens bei Kurzstreckenfahrten. Der Kraftstoffverbrauch steigt, solange der Motor erst noch warm werden muss. Dies ist umso interessanter, wenn man bedenkt, dass jede zweite Pkw-Fahrt weniger als sechs Kilometer beträgt. Viele dieser Fahrten ließen sich ohne große Probleme aufs Velo verlagern, die Experten des Umweltbundesamtes (UBA) gehen hier von einer möglichen CO2-Reduzierung zwischen vier und 13 Millionen Tonnen bundesweit aus. Und jeder, der aufs Fahrrad umsteigt, entlastet den Straßenverkehr von Abgasen, trägt damit zum Klimaschutz bei – sorgt aber auch für gesündere Atemluft. Vor allem für sich selbst.
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