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Der Sattel als Gesundheitsrisiko?

Radfahrer auf Sattel

Radfahrer auf Sattel

Nicht nur männliche Radfahrer haben es nach einer längeren Tour schon mal erlebt – dieses Taubheitsgefühl im Genitalbereich. Schuld daran kann ein falsch eingestellter, ein zu schmaler oder zu harter Sattel sein.

Denn durch die Last des Körpergewichtes werden die zum Genitalbereich führenden Blutgefäße an der Unterseite des Beckenbodens zusammengedrückt. Entlastung tut manchmal Not – doch von Meldungen über Langzeitfolgen wie etwa drohende Impotenz sollten sich Alltags-Radler nicht beunruhigen lassen.

In einer norwegischen Studie von 1997 klagten 22 Prozent der Befragten – männliche Langstreckenradler – über Taubheitsgefühle. Einige Wissenschaftler zogen daraus radikale Schlüsse, wie etwa der Bostoner Urologe Irwin Goldstein. Er kam zu dem Schluss, dass in den USA rund 100.000 Männer ihre Impotenz dem Radfahren verdanken – und riet Männern generell von der Velo-Benutzung ab. Die Massenmedien griffen solche kühnen Statements bereitwillig auf – doch die Problematik ist sehr viel differenzierter zu betrachten.

Fakt ist: Ein “unpassender” Sattel kann schnell unangenehm werden, wenn der Druck des Körpergewichts falsch verteilt wird – und der Radler etwa zuviel Last vom hinteren Sattelbereich, auf dem die “Sitzhöcker” seines Beckens ruhen, nach vorne verlagert – also in den Genitalbereich.

Fakt ist – nach Testreihen von Medizinern – auch: Bereits nach einer halben Stunde auf dem Sattel kann die Durchblutung im Genitalbereich um bis zu 70 Prozent abnehmen. Folge: Der Sauerstoffdruck sinkt – erst 15 Minuten nach der Fahrt konnten die Ärzte wieder eine vollständige Durchblutung der Genitalien messen.

„Schlechte Sättel können durch zuviel Druck auf Arterien und Venen die Sauerstoffversorgung stark einschränken“, sagt Dr. Frank Sommer. Der Kölner Urologe betreut eine Studie, in der Probanden auf unterschiedlichen Sätteln Platz nehmen müssen. „Einige Modelle“, sagt Sommer, „lassen während der Fahrt sogar nur 18 Prozent des normalen Blutflusses zu.“

Breite Sättel fördern die Durchblutung

Meistens ist dies aber nicht weiter schlimm – das bekannte Taubheitsgefühl stellt sich zumeist erst nach längeren Touren ein und lässt sich durch kurze Pausen oder durch regelmäßige Entlastung während der Fahrt weitgehend vermeiden.

Erst wer kontinuierlich mehr als 300 bis 400 Kilometer pro Woche im Sattel sitzt und dies über mehr als fünf Jahre betreibt – also vor allem als Radprofi oder sehr ambitionierter Amateur – dem kann ein Langzeiteffekt drohen: Die so genannte „Kollagenose“. Das Penisgewebe wird in diesem Fall durch einen dauerhaften O2-Mangel immer fettreicher und kann deshalb weniger Blut aufnehmen – dies wiederum können erste Anzeichen für eine drohende Impotenz sein.

Ergebnis der Studien an der Uniklinik Köln: Breitere Sättel wirken positiv auf den Blutfluss. Sie unterstützen die Beckenknochen und ermöglichen so eine bessere Durchblutung. Auf einem zwar gepolsterten, aber sehr schmalen Satteltyp verringerte sich die gemessene Penisdurchblutung der Probanden um etwa 80 Prozent.

Nur rund 20 Prozent waren es hingegen bei breiten Damensätteln, die – im Gegensatz zu typischen Herrensätteln – meist gut gepolstert sind und selten eine Sattelnase haben. Ein ergonomisch geformter Sattel kann eine deutliche Verbesserung sein. Auch ein häufiges Wechseln zwischen sitzendem und stehendem Fahren ist empfehlenswert.

Tipps: Gesündere Sättel

Das „richtige“ Modell: Grundsätzlich ist nicht die Art der Polsterung (z. B. Gel) entscheidend, sondern die Breite der Sitzfläche: Je schmaler der Sattel, desto mehr Druck lastet auf den Blutgefäßen, die die Genitalien versorgen. Einige Fachleute empfehlen auch ergonomisch geformte Satteltypen mit einer „Entlastungszone“, also einer Aussparung im Genitalbereich – dies ist jedoch in der Fachwelt umstritten, weil der Druck rund um die „Lochkanten” dieser Aussparungen sogar noch erhöht sein kann.

Einstellung:
Der Sattel sollte in einer komfortablen Höhe angebracht werden, bei der die Beine nie ganz gestreckt sind – und nicht nach oben zeigen, sondern zumindest waagerecht oder noch besser leicht nach unten geneigt sein. Manchmal führt auch eine leichte Erhöhung des Lenkers zu einer entlastenden Sitzhaltung.

Sitzhaltung:
Bei der „Freeride“-Position mit senkrechtem Oberkörper ist die Durchblutung der unteren Körperregionen am besten – im 30-Grad-Winkel (bei Renn- oder Mountainbikes) hingegen ist sie am schlechtesten. Körperhaltung deshalb möglichst oft ändern und oft – mindestens alle 10 Minuten – das Gesäß vom Sattel heben. Auf schwere Rucksäcke sollte man verzichten – und dafür öfter mal Pausen ein- und nahtlose Radhosen anlegen.

© 2012 - Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club e. V. (ADFC)

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