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"Radfahren macht sexy"

Datum: 25. November 2009  //  Kategorie: Über Uns

BHV 2009 Abstimmung

Der ADFC hat in seinen ersten 30 Jahren viel erreicht, fasste der Bundesvorsitzende Karsten Hübener auf der Bundeshauptversammlung des ADFC vom 7. bis 8. November in Hameln zusammen. „Nun stellt sich die Frage, wo will der ADFC in Zukunft hin?" In einem Leitantrag fordert der ADFC von der neuen Bundesregierung, den Nationalen Radverkehrsplan (NRVP) mit klaren Zielen fortzuschreiben, den Radverkehr als Querschnittsaufgabe zu begreifen und Mittel für die Radverkehrsförderung bereit zu stellen, um mit innovativen Modellen wie City Maut oder Shared Space die Weichen für eine Abkehr von der Auto-dominierten Politik zu stellen.

Auch Kopenhagen spielt im Leitantrag des ADFC eine Rolle: Die dänische Hauptstadt mit einem Radverkehrsanteil von über 35 Prozent müsse das Vorbild für Stadt- und Verkehrsplaner werden, so Hübener, vor allem im Punkt Lebensqualität. Der ADFC müsse die persönlichen Vorteile des Radfahrens vermitteln – sei es der Geldbeutel durch Einsparungen beim Benzin oder

Karsten Hübener BHV Hameln
Der ADFC-Bundesvorsitzende
Karsten Hübener.

der knackige Hintern, denn „Radfahren macht sexy", betont Hübener. Er wünscht sich, dass der ADFC weiter wächst und in zehn Jahren 200.000 Mitglieder zählt.

Denn nur mit einer starken Lobby im Rücken, so Hübener weiter, könne der ADFC die Vorteile des Radfahrens durch Qualität sichern, die über die Zertifizierung von Abstellanlagen, Radfernwegen und fahrradfreundlichen Gastbetrieben hinausgeht und Warenhäuser, aber auch Städte und Gemeinden mit einschließt.

BHV 2009 erfolgreiche Kreisverbände

Die dynamischen Fünf: Ulrich Patzer vom ADFC  Leipzig,
stellvertretend für den ADFC Nürnberg Gianantonio
Altissimo, Sabine Kluth aus Braunschweig, Carsten Kramer
vom ADFC Lübeck und Falk Mölle aus Dresden gaben
die Geheimnisse ihres Erfolges preis
.

Beim Mitgliederwachstum ist der ADFC auf einem guten Weg: In seinem Jahresrückblick feierte der ADFC-Bundesvorstand 4,5 Prozent Mitgliederwachstum im ADFC und ehrte die Kreisverbände, die ein überdurchschnittlich hohes Wachstum zwischen 8,5 und knapp 13 Prozent haben. Die Kreisverbände Nürnberg, Braunschweig, Lübeck, Dresden und Leipzig verrieten die recht unterschiedlichen Gründe für ihren Erfolg, doch Pressearbeit, Familienrallyes und die Teilnahme an Aktivenfortbildungen des ADFC und am Forum wurden häufiger genannt – besonders glaubhaft und lebendig stellte dies Michael Meiser dar: „Die Leute müssen nur mit dem ADFC-Virus infiziert werden", sagte der Vorsitzende des ADFC-Kreisverbands Lahn-Dill-Kreis, der von 151 auf 241 Mitglieder gewachsen ist und damit eine Steigerung von 60 Prozent hinlegte.

Doch der Vorstand konnte auch weitere Erfolge vermelden, wie bei den ADFC-empfohlenen Abstellanlagen, die sogar in öffentlichen Ausschreibungen Kriterium sind, wie eine extrem hohe Medienresonanz, wie den Preis Best for Bike für das ADFC-Projekt Fahrradfreundlicher Kirchentag, wie neue zertifizierte Radfernwege und wie vieles mehr.

Dass der Radtourismus weiter an Gewicht gewinnt, erfährt auch Hamelns Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann, wie sie in ihrer Rede an die Delegierten der 30. Bundeshauptversammlung sagte. Sie stellte nicht nur fest, dass der ADFC in 30 Jahren eine starke Lobby geschaffen habe, sondern auch, dass „das Wort der Fahrradexperten Gewicht hat." Andere Städte seien zwar fahrradmäßig besser aufgestellt als die Rattenfängerstadt, dafür punkte Hameln mit dem Weserbergland und natürlich mit dem Weserradweg. Und mit dem habe man noch viel vor, kündigte Rüdiger Butte an, Landrat des Landkreises Hameln Pyrmont, um den Weserradweg wieder an die Spitze der beliebtesten Radfernwege in Deutschland zu katapultieren.

BHV 2009 M. Cramer
Michael Cramer (Die Grünen/EFA): "Der
Radverkehr ist zu billig."

Der Europa-Parlamentarier Michael Cramer (Die Grünen/EFA) gratulierte dem ADFC zu seinem 30-jährigen Bestehen. 2009 sei auch für ihn ein besonderes Jahr, denn seit 1979 ist er autofrei mobil. Er gab den rund 150 ADFC-Delegierten einen Einblick in die EU-Politik und sagte: „Der Radverkehr ist zu billig, aber ohne eine Änderung in der Politik werden wir dem Klimawandel nicht entgegentreten können. Der Umschwung steht noch aus, aber wir werden alle dafür kämpfen."

Von einer nachhaltigen Politik könne nicht gesprochen werden, wenn EU-Fördermittel zu 60 Prozent in die Straße, zu 20 Prozent in die Schiene und nur zu 0,9 Prozent in den Radverkehr fließen. Aber Cramer macht auch Hoffnung – auf eine parlamentarische Radverkehrsgruppe im Europäischen Parlament: „Die Chancen stehen gut."

BHV 2009 G. Lucks
Der niedersächsische ADFC-Landesvorsitzende
Gernot Lucks kritisierte die niedersäch-
sische Landesregierung wegen mangelnder
Radverkehrsförderung.

Gernot Lucks, der Vorsitzende des ADFC-Landesverbands Niedersachsen, räumte ein, dass Niedersachsen zwar radtouristisch attraktiv sei und mit einem Radverkehrsanteil von 13 Prozent über dem Bundesdurchschnitt – derzeit zehn Prozent – liege, aber eine Radverkehrsförderung gebe es nicht. Er sprach von einem „Totalausfall der Landesregierung". Das ADFC-Projekt „Mit dem Rad zur Arbeit" werde nicht ausreichend gefördert, es gebe keinen Fahrradbeauftragten, keine Runden Tische mehr und für die für die Fahrradcodierung wichtigen Straßenlisten nähmen die Behören nun richtig viel Geld und machten damit eine Codierung unmöglich.

Die Grußworte beendete ADFC-Veteran Rudi Schröder, dem ADFC-Gründer Jan Tebbe vor 30 Jahren das Versprechen abnahm, in Dortmund einen ADFC zu gründen. Schröder organisierte große Fahrraddemonstrationen, um den Stadtplanern zu zeigen, dass es die Radfahrer tatsächlich gab, für die er sich einsetzen wollte. Er forderte die ADFC-Delegierten auf, jüngere Menschen für den ADFC zu gewinnen.

BHV 2009 Tautscher
Manfred Tautscher, Geschäftsführer von
Sinus, stellte den ADFC-Montior vor.
 

Wie diese Zielgruppe angesprochen werden kann, stellte Manfred Tautscher, Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstituts Sinus Sociovison vor, als er die Studie „Fahrradland Deutschland – ADFC-Monitor 2009" erläuterte. Auch er brachte gute Nachrichten mit, denn laut Studie wollen 38 Prozent der Bürger häufiger Rad fahren – auch weil Rad fahren eben sexy macht.


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