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Velo-city Global 2010: Selbstverständlich per Rad!

Datum: 26. Juni 2010  //  Kategorie: Verkehr und Recht

Abschlussplenum: Für den dänischen Verkehrsplaner Jan Gehl, zählen Städte, in denen Begegnungen zwischen <br> den Menschen möglich sind, zu den schönsten der Welt. Kopenhagen hat dies <br>während der Velo-city-Konferenz eindrucksvoll bewiesen. (Fot

Eine organisch gewachsene „Fahrrad-Kultur“, gepaart mit einem klaren politischen Bekenntnis zu nachhaltiger Mobilität – das ist das Erfolgsrezept der Fahrradstadt Kopenhagen – und die Botschaft der diesjährigen Velo-city-Konferenz, die am Freitag dort zu Ende ging. Ihren Ideen-Austausch wollen die Experten, Politiker und Aktivisten auch nach dem viertägigen Treffen fortsetzen, in neu geschaffenen Netzwerken. Und  die nächste Velo-city folgt schon im kommenden Frühjahr. Aus Kopenhagen berichtet Christoph Rasch.

Am letzten Tag der Velo-city blickte Konferenz-Moderator Andy Clarke noch einmal zurück auf die „Cykelparade“, die Fahrrad-Demo mit vielen hundert Teilnehmern am Vorabend: „Besonders gefreut“, sagt Clarke, „habe ich mich dort über die Kopenhagener Radfahrer, die wegen dieser Demo plötzlich im Fahrrad-Stau standen – und sich darüber beschwerten.“  Das zeige doch, so der Chef der American Cyclists‘ League, wie normal und selbstverständlich flüssiger Radverkehr in einer Stadt sein könne: „Die müssen nicht mehr demonstrieren, die wollten einfach schnell nach Hause kommen, so wie sie es in Kopenhagen gewohnt sind.“

Jan Gehl: "Eine Stadt sollte nicht versuchen, ihre Bürger zum Radfahren zu
zwingen – sondern sie einladen, die täglichen Wege am besten mit dem Rad
zu erledigen.
" (Foto: ADFC/K.Klama)

Diese Selbstverständlichkeit dürfte auch eine wesentliche Botschaft sein, die die mehr als 1.000 Konferenz-Teilnehmer und 50 akkreditieren Journalisten aus aller Welt mit nach Hause nehmen. Eine Stadt“, sagte der Architekt Jan Gehl in seiner vielbeachteten Rede zum Abschluss, „sollte nicht versuchen, ihre Bürger zum Radfahren zu zwingen – sondern sie einladen, die täglichen Wege am besten mit dem Rad zu erledigen. Und dafür dann auch die Infrastruktur bereitstellen.“ Ähnlich das Fazit von Manfred Neun, dem Präsidenten des Europäischen Radfahrer-Dachverbandes ECF, der die Velo-city-Konferenzen ausrichtet: „Viele Länder haben in Sachen Fahrrad-Kultur noch großen Nachholbedarf“, so Neun, „da haben wir in den letzten vier Tagen viel von Kopenhagen gelernt.“

„Charmant und professionell“ organisiert

Gelegenheit dazu gab es reichlich: Ein Dutzend Vorträge prominenter Redner aus Politik, Organisationen und Wissenschaft, mehr als 60 Einzel-Workshops, Treffen mit 70 dänischen Velo-Institutionen sowie mehrere Exkursionen luden – oft spielerisch und kreativ – zu Diskussionen und Ideen-Austausch ein. Und das soll weitergehen, auch über die regelmäßigen Velo-city-Konferenzen hinaus: Zwei neue Netzwerke wurden in Kopenhagen gegründet, in denen sich sowohl Fachleute und Wissenschaftler als auch engagierte Städte und Kommunen künftig kontinuierlich bei ihren Rad-Projekten gegenseitig unterstützen sollen.

Die Kopenhagener Velo-city – die zweite nach 1989 und die erste  mit „globalem“ Anspruch – wird deutlich positiv im Gedächtnis der internationalen Fahrrad-Gemeinde hängen bleiben. Hörte man sich unter den Teilnehmern um, lobte fast jeder eine fast perfekte Organisation – vor allem aber die lockere und kreative Atmosphäre der Konferenz, diese „charmante Professionalität der Dänen“, wie es ADFC-Mitarbeiter György  Meszaros auf den Punkt bringt.

Über Europas Grenzen hinaus – auch 2011

Hatten viele spannende Kontakte am gut besuchten ADFC-Stand:
ADFC-Mitarbeiter György Meszaros (l.) und der stellvertretende
ADFC-Bundesvorsitzende Bertram Giebeler.  (Foto: ADFC/ K.Klama)

Auch der Stand des ADFC auf der begleitenden Konferenz-Expo war gut besucht, das dortige Team führte täglich zwischen 20 und 30 intensive Gespräche mit interessierten Besuchern. „Da haben sich wichtige Kontakte auch nach Kanada, Mexiko oder Australien ergeben“, berichtet Bertram Giebeler aus dem ADFC-Bundesvorstand. Informationen zum Rad-Tourismus in Deutschland  stießen dabei ebenso auf großes Interesse wie die hier präsentierte ADFC-Filmdokumentation über den „fahrradfreundlichen“ Kirchentag in Bremen.

Am Freitag nun ist die Stafette der Velo-city-Konferenzen weitergegeben worden: Im März 2011 wird Sevilla Gastgeberstadt sein – wo man mit 7,5 Prozent Radverkehrsanteil noch weit von Kopenhagener Verhältnissen entfernt ist. Über Europas Grenzen hinaus wirken soll auch diese kommende Radverkehrs-Konferenz: Die alte spanische Stadt will sich 2011 unter anderem als rad-kultureller Brückenkopf nach Übersee präsentieren - nach Südamerika und Nordafrika.

Den ausführlichen Bericht über die Velo-city 2010 in Kopenhagen lesen Sie in der kommenden Ausgabe des ADFC-Magazin Radwelt.

Weiterführende Links

» Alle Artikel zur Velo-City Global 2010
» Offizielle Website zur Velo-city Global 2010

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