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Parlamentarischer Abend: Radschnellwege haben riesiges Potenzial

Datum: 31. Mai 2016  //  Kategorie: Verkehr und Recht

Parl. Abend 5.16

Am 30. Mai fand in Berlin ein Parlamentarischer Abend des ADFC-Bundesverbands zum Thema Radschnellwege statt. Der ADFC-Bundesvorsitzende Ulrich Syberg konnte über 100 Gäste aus Politik, Wissenschaft und Verbänden begrüßen. Sie waren der Einladung des ADFC gefolgt, um sich anhand mehrerer Vorträge und einer Podiumsdiskussion über das Potenzial und die Finanzierungsmöglichkeiten von Radschnellwegen zu informieren.

Der Verkehrsminister von Nordrhein-Westfalen, Michael Groschek, referierte über den RS 1, den Radschnellweg quer durchs Ruhrgebiet, und die Bedeutung dieser für Deutschland neuen Infrastrukturform. "Radschnellwege sind ein wichtiger Teil vernetzter Mobilität mit überregionaler Bedeutung", so der  Minister.

Entsprechend habe man in Nordrhein-Westfalen Radschnellwege auch per Gesetz den Landesstraßen gleichgestellt, um die Finanzierung von Landesseite zu vereinfachen und den Kommunen bei der Baulast unter die Arme zu greifen. Dass Radschnellwege eine lohnende Investition sind, sei zweifellos klar, denn: "100 Kilometer Radschnellweg Ruhr kosten weniger als der dreispurige Ausbau der A 43." Radschnellwege könnten effektiv Staus bekämpfen.

Sehr positives Kosten-Nutzen-Verhältnis
Dass die positiven Wirkungen des RS 1 sich in konkreten Zahlen ausdrücken lassen, legte auch Dr. Wolfgang Röhling von der TCI Röhling Transport Consultation International dar. Er war federführend an der Kosten-Nutzen-Analyse des Radschnellwegs beteiligt und kam zu eindeutigen Ergebnissen.

"Konservativ gerechnet ist der RS1 in seinem wirtschaftlichen Nutzen vergleichbar mit einem Autobahnprojekt. Mit etwas optimistischeren Grundannahmen ist der Nutzen sogar noch deutlich höher," so Röhling. Schon bei einem Kosten-Nutzen-Verhältnis über Eins, so Röhling, könne die Politik nichts falsch machen. Beim RS1 liegt das Verhältnis mit einem konservativ gerechenten Radverkehrsanteil von 14 Prozent bei 1,86. Mit einem optimistischen Radverkehrsanteil von 20 Prozent steigt das Kosten-Nutzen-Verhältnis auf 4,80.

Stauvermeider
Verkehrsplaner Stefan Bendiks beschrieb, welche Wirkung Radschnellwege in den Niederlanden haben. Hier konnte auf einen Autobahnausbau verzichtet werden, der für die Belastungsspitzen während des Berufsverkehrs nötig gewesen wäre. Doch der Radschnellweg habe genug Entlastung auf der Straße gebracht, um den Ausbau einsparen zu können. Die Frage ist, welche Anforderungen ein Radschnellweg erfüllen soll.

Die niederländischen Radschnellwege zeigen auch, dass über die Effekte auf den Verkehr hinaus auch andere Aspekte betrachtet werden müssen. Auch auf das soziale Leben nehme ein Radschnellweg Einfluß, denn um ihn herum entwickele sich ein ganzer Lebensraum mit hoher Aufenthaltsqualität und auch Angebotsstrukturen..

Hitzige Diskussion
An der abschließenden Podiumsdiskussion nahmen NRW-Verkehrsminister Groschek (SPD), die Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, Rita Schwarzelühr-Sutter MdB (SPD), der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Norbert Barthle MdB (CSU), der stellvertretende ADFC-Bundesvorsitzenden, Ludger Koopmann, und Prof. Dr. Stefan Klinski von der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin teil (siehe Foto v.l.n.r.).

Einig war sich die Runde über die Vorteile und den Nutzen von Radschnellwegen. Um die Möglichkeiten zur Finanzierung entspann sich ein reges Streitgespräch. Während sich Norbert Barthle auf die Position zurückzog, dass aufgrund der Gesetzeslage eine direkte Finanzierung vom Bund kaum möglich sei, wiesen die anderen Diskussionsteilnehmer darauf hin, dass gerade die Regierung in der Lage sei, Gesetze entsprechend zu ändern, und dass es viele Beispiele gebe, wo der entsprechende Wille auch Wege gefunden habe. So stand auch am Ende der Veranstaltung die Hoffnung, dass in Zukunft auch der Bund eine größere Rolle spielen könne.

ADFC-Forderungen und Vorträge zum Thema
 Radschnellwege ADFC-Forderungen
 Vortrag Kosten-Nutzen RS1_TCI Röhling (12 MB)
 Vortrag Radschnellwege Stefan Bendiks Artgineering (11 MB)

Fotogalerie

Foto: Die Podiumsdiskussion beim Parlamentarischen Abend des ADFC.


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