ADFC-Beleuchtungschecks
Interview mit Welf Stankowitz vom DVR
Welf Stankowitz ist Referent beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) in Bonn. Mit dem Technik- und Sicherheitsexperten sprach Christoph Rasch.
Frage: Herr Stankowitz, auch der DVR appelliert regelmäßig an Radfahrer, ihre Beleuchtung zu verbessern. Wie gut oder schlecht setzen sich Radler derzeit ins Licht?
Stankowitz: Wir beobachten, dass das Bewusstsein der Radfahrer, sich selbst durch eine gut funktionierende Beleuchtung an ihrem Fahrrad zu schützen, in den letzten Jahren gewachsen ist. Dazu haben auch die Diskussionen um die nun leider nicht eingeführte Fahrradverordnung, die unter anderem das Standlicht vorsah, beigetragen. Neue Fahrräder sind heute fast durchgängig mit Standlicht nach hinten ausgerüstet, leider noch nicht alle mit einem entsprechenden Frontscheinwerfer.
Eine stärkere Sensibilität ist also inzwischen vorhanden?
Stankowitz: Bei erwachsenen Fahrradfahrern sehen wir keine so großen Probleme, denn die sind oft auch Autofahrer und wissen genau, dass man am Steuer eines Pkw in der dunklen Jahreszeit Radler nur mit Mühe erkennen kann. Besonders dann, wenn durch Regen, schlechte Scheibenwischer oder blendende Scheinwerfer die Sicht ohnehin eingeschränkt ist. Die erwachsenen Fahrradfahrer sind in der Regel nicht nur mit einer guten Beleuchtung, sondern auch mit heller oder reflektierender Kleidung unterwegs. Und sie wissen besser, wo die Gefahren lauern, nämlich an Einmündungen und Kreuzungen.
Bei welchen Radfahrer-Gruppen liegt das größte Unfall-Risiko?
Stankowitz: Sobald der morgendliche und abendliche Berufsverkehr im Dunkeln verläuft, schnellen die Unfallzahlen nach oben. Für die Radfahrer insgesamt gilt dies nicht im gleichen Maße, das deshalb nicht, weil sie bei schlechtem Wetter und im Dunkeln eher auf den ÖPNV oder das Auto umsteigen. Allerdings zeigt die Verteilung der verunglückten Kinder im Tagesverlauf betrachtet laut Statistischem Bundesamt ein stärkeres Unfallaufkommen zu Schulbeginn zwischen 7 und 8 Uhr sowie in der Zeit von 16 bis 18 Uhr.
Kinder und Jugendliche sind also besonders gefährdet?
Stankowitz: Ja, denn zum einen fahren viele mit Mountainbikes, die leider keine feste Beleuchtung haben, und zum andern können sie sich nicht in die Rolle eines Autofahrers versetzen. Hier müssen die Eltern darauf achten, dass die mittlerweile sehr günstigen und gut funktionierenden mobilen Lampen im Hellen zumindest mitgenommen und im Dunkeln unbedingt montiert werden.
Empfehlen Sie im Herbst und Winter trotzdem den Schul- und Arbeitsweg per Rad?
Stankowitz: Wir sollten hier nicht nur auf die Statistik schauen. Radfahren ist auch im Dunkeln gesund und umweltverträglich. Man muss nur darauf achten, dass die Beleuchtung möglichst mit einem Standlicht für hinten und vorne gut funktioniert. Darüber hinaus sollte man sich mit möglichst vielen retroreflektierenden Teilen sichtbar machen. Gerade in der dunklen und nassen Jahreszeit muss man mit noch mehr Rücksicht fahren, weil Autofahrer dann wesentlich schlechter sehen können.
Mehr Infos: www.dvr.de
« vorherige ǀ Seite 3 von 3


