Hier bitte die letzten 8 Stellen Ihrer Mitgliedsnummer eingeben.

Ilmtal-Radweg

Goethes Weg

Zunächst fällt an dem 125 Kilometer langen, mit vier Sternen ausgezeichneten ADFC-Qualitätsradroute, eines auf: die würzig-gute Luft. Kein Wunder, die Quelle der Ilm liegt in Allzunah, mitten im Thüringer Wald. Ganz in der Nähe der anerkannten Luftkur- und Erholungsorte Stützerbach und Manebach. Aber vor allem Goethe prägt den Radweg.

Kaum ein Ort hier an der Ilm, an dem sich der Dichter nicht herumtrieb, deshalb dürfte sich der Ilmtal-Radweg mit Fug und Recht auch Goetheradweg nennen. Stützerbach hat ein „Goethe-Haus“, denn 13 Mal soll Johann Wolfgang Goethe im Gundelachschen Haus gewohnt haben. Und ein Goethe-Wanderweg führt vom Goethe-Haus in Stützerbach über Manebach, wo er auf dem Schwalbenstein den vierten Akt von „Iphigenie auf Tauris“ dichtete, bis zum Amtshaus in Ilmenau, wo er wohnte. Doch wir nutzen für diese Etappe den Ilmtal-Radweg. Ein Radfahrer vor einer grünen und einer blauen Welle auf weißem Grund und die Aufschrift „Ilmtal“ weisen uns die Richtung.



 

Goethe in Ilmenau
Goethe in Ilmenau

Himmelblau in Ilmenau
Im ehemaligen „Wenzelschen Haus“ in
Ilmenau sind heute ein Café untergebracht und ein Schoko-Laden mit ungemein stärkenden Angeboten wie heiße Schokolade mit Sahne. Weiter die Lindenstraße entlang treffen wir auf den Ziegenbrunnen, dessen Aufschrift verspricht: „In Ilmenau, da ist der Himmel blau, da tanzt der Ziegenbock mit seiner Frau“. Der blaue Himmel sei der Kessellage der Stadt zu verdanken, erklärt uns ein Passant. Und tatsächlich: Mitten im Nieselregen reißt der Himmel plötzlich auf und zeigt sich in Ilmenau von seiner schönsten Seite: himmelblau.  Die größte Sehenswürdigkeit in Ilmenau ist sicherlich das Goethe-Stadtmuseum im Amtshaus.Noch immer sitzt Goethe als Dauergast auf einer Bank davor. Der Blick aus seiner Wohnung heraus auf den Marktplatz soll ihn zu „Wilhelm Meisters Lehrjahren“ inspiriert haben. 1776 war Goethe das erste Mal in Ilmenau zu Gast, insgesamt zählte man ganze 28 Besuche. Der Dichter bewohnte die herzoglichen Räume in der ersten Etage des Amtshauses, wo sich heute das Museum befindet. Durch das führt uns Carola Heymel gut und gerne. Sie verrät, dass „Die neuen Leiden des jungen Werther“ in der untersten Schublade der Kommode liegen, die unter der schneeweißen Büste des Urhebers steht. Wer auf eigene Faust durchs Museum ziehen möchte, kann sich von einem Audioguide durch die Ausstellung führen lassen: „Vielleicht lesen Sie einmal wieder darin“, fordert er die Besucher auf. Lesen könnte man auch die Ode „Der Wanderer“, die Goethe 1772 schrieb, als er in Ilmenau und in der Umgebung spazieren ging und seine Naturerlebnisse notierte: „Natur! Du ewig Keimende, Schaffst Jeden zum Genuss des Lebens.“Goethe war auch Graffitikünstler: Auf dem Gipfel des 861 Meter hohen Kickelhahns vor den Toren Ilmenaus entstand „Wanderers Nachtlied“. Er ritzte es am 6. September 1780 mit Bleistift in die Bretterwand einer Schutzhütte. Heute steht das Gedicht in zahlreichen Sprachen auf einer Tafel im Goethe-Häuschen auf dem Gipfel.

Klappernde Mühlen
Auch die irdischen Genüsse kommen nicht zu kurz: Spezialitäten wie Thüringer Rostbratwürste mit Senf oder Thüringer Klöße lassen sich in den meisten Gaststätten probieren. Wir machen nun einen Abstecher – markiert durch ein gelbes Schild am Radweg – zur idyllischen Museumsbrauerei Schmitt in Singen. Es ist die kleinste noch produzierende Brauerei Thüringens. Seit 115 Jahren braut man hier nach dem Reinheitsgebot, dies tat die urige Brauerei zu DDR-Zeiten als Einzige. Verkosten lässt sich der Gerstensaft hier auch direkt.

Die Ilm ist schmal, aber reißend, so gibt es viele Mühlen an ihrem Ufer wie die Kunst- und Senfmühle in Kleinhettstedt, die die in Thüringen angebaute Senfsaat verarbeitet. Sie ist ein Kleinod, das man unbedingt besuchen sollte. Allerdings ist das Mühlengehöft aus Fachwerk nicht wirklich klein: Es besteht aus einem Restaurant „Zum Mühlenwirt“, einem Café, einem Museum, einem Laden namens „Senfmühlentenne“ und einem Raum für die Senfprobe – und der bietet Senf in einer ungeahnten Vielfalt: Orangen-, Feigen-, Bärlauch-, Tomaten-Oliven-Senf und dergleichen mehr. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt und flugs erstehen wir drei braune Steinguttöpfchen. Später erfahren wir im Deutschen Bienenmuseum in Oberweimar alles über die fleißigen Immen und holen uns einen Bienenstich – im Hofladen beziehungsweise in der angeschlossenen Gastwirtschaft.

Logo ADFC-Qulitätsradlogo 4 SterneGoethes Weimar

Der Ilmtal-Radweg führt uns an dichten Wäldern und der gluckernden Ilm entlang. Meist radeln wir auf Asphalt- oder Betondecken, manchmal auf Schotter oder Waldwegen durch schmucke Dörfer mit Fachwerkhäusern. In der Zweiburgenstadt Kranichfeld locken uns das weithin sichtbare Oberschloss und die Niederburg aus dem Sattel. Goethe holt uns in Bad Berka wieder ein: Im Kurpark plätschert ein Goethe-Brunnen. Die Naturlandschaft geht in Weimar in den wohlgestalteten Ilmpark über.
Da Goethe teilweise bei der Gestaltung mitwirkte, heißt er auch Goethe-Park. Und weil der Dichter hier nach Anbruch der Dunkelheit und des Tages Mühen spazieren ging, verdient der Park seinen Namen gleich doppelt. Goethes Gartenhaus liegt direkt am mäandernden Radweg. Nun wird es ganz privat: Wir besuchen das Wohnhaus des Dichters in Weimar am Frauenplan. Da man ungehindert durch die Räume spazieren kann, keine Vitrinen oder Schilder den Blick verstellen oder daran erinnern, dass man sich in einem Museum befindet, fühlt man sich wie ein Gast. „Salve“, sei gegrüßt, ist im oberen Treppenhaus vorm Eingang zum gelben Saal zu lesen. Dann findet man sich im kleinen Esszimmer der Familie wieder und steht vor der Bibliothek mit rund 7.000 Büchern.

Künstler im Café
Da in Weimar viele berühmte Persönlichkeiten weilten wie der Dichter Friedrich Schiller, der Aufklärer Christoph Martin Wieland, der Maler Lionel Feininger oder die Musiker Johann Sebastian Bach und Franz Liszt, stellt sich den Besuchern die quälende Frage, wessen Spuren sie durch die vielen Ausstellungen und Sehenswürdigkeiten folgen möchten. Ein Tipp: Viele Weimarer Künstler gingen im heute 160 Jahre alten Kaffeehaus Residenz-Café ein und aus. Das „Resi“ ist immer noch Szenetreff und bei Auswärtigen und Weimarern beliebt. Auf dem Marktplatz wird die Thüringer Rostbratwurst auf Englisch, Russisch und Japanisch beworben, und es gibt einen Laden mit Goethe-Devotionalien. Ein Plätzchen-Ausstecher mit Goethes Profil passt noch in die Satteltasche. Dann zieht es uns in die Schillerstraße, ins Café Frauentor, das etwa 20 Kuchensorten und Torten aus eigener Konditorei anbietet.
Dem Aufklärer Wieland begegnen wir in Oßmannstedt wieder. Das Wieland-Gut gehört zum Besitz der Klassik Stiftung Weimar und ist heute Bildungsstätte und Museum. Im Park befindet sich die Grabstätte Wielands, wo neben ihm seine Frau und auch seine Muse Sophie Brentano begraben liegen. „Liebe und Freundschaft umschlangen die verwandten Seelen im Leben. Und ihr Sterbliches deckt dieser gemeinsame Stein“ lautet die Inschrift auf dem gemeinsamen Grabstein am Ilmufer.
In Niederroßla führt der Radweg zu einem Elefantendenkmal. Alle 25 Jahre, zuletzt 2007, feiert man hier das Elefantenfest zu Ehren von Miss Baba. Die indische Elefantendame stand in Diensten einer Wandermenagerie und soll in Niederroßla 1857 gestorben sein. In Eberstedt fährt man auf eine Radfahrer-Kirche und eine begehbare Sonnenuhr mit Miniwasserfall zu. Sein Wasser hilft, die Schlammspuren des vorherigen Waldstücks an den Rädern zu beseitigen.
Reinigende Entspannung verspricht die Toskana-Therme in Bad Sulza. Hier badet man nicht nur in Wasser, sondern auch in Musik und Licht. Bad Sulza hat zudem eine Ölmühle, ein schwimmendes Feriendorf und eine Kopie von Goethes Gartenhaus in Weimar zu bieten. Das Ende des Ilmtalradwegs führt schließlich hinein in veritable Weinberge und zu den Weingütern der Saale, in die die Ilm mündet. „Salve, Saale“ hätte Goethe wohl gemurmelt. Wir hingegen könnten unsere Fahrt noch auf dem Saale-Radweg fortsetzen.

© Judith Weibrecht
Dieser Text unterliegt dem Urheberrecht. Jegliche Verwendung des Textes, auch auszugsweise, oder die Speicherung in Datenbanken erfordert die vorherige schriftliche Erlaubnis der Autorin:
www.judith-weibrecht.homepage.t-online.de

 


Routenlogo

Logo Ilmtal-Radwanderweg

Routenplanung

  • Radwanderkarte Ilmtal-Radwanderweg, 1:50.000, Public Press
  • Lutz Gebhardt: Der Ilmtal-Radwanderführer, Verlag Grünes Herz, Karten im Maßstab 1:50.000
  • ADFC-Radtourenkarte Thüringer Wald/Rhön (Blatt 17), 1:150.000
  • ADFC-Radtourenkarte Saale/Westliches Erzgebirge (Blatt 13), 1:150.000

 

Bahnhöfe (Auswahl)

Ilmenau, Stadtilm, Kranichfeld, Bad Berka, Weimar, Apolda, Bad Sulza, Großheringen


© 2012 - Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club e. V. (ADFC)

ADFC-ReisenPLUS

Informationen

Fremdenverkehrsverband
Weimarer Land e. V.
Bahnhofstraße 28
99510 Apolda
Tel. +49 3644 540676

 

 

Fahrradfreundliche Gastbetriebe

zum Online-Katalog „Bett+Bike" »

Rund 5.200 Hotels, Pensionen, Jugendherbergen, Naturfreunde- häuser und Campingplätze haben sich auf die besonderen Bedürfnisse von radelnden Gästen eingestellt.

zum Online-Katalog „Bett+Bike" »

Routenfinder

mehr zu „Routenfinder“ »

Der Routenfinder bietet komfortable Suchfunktionen für alle Routen aus „Deutschland per Rad entdecken“. Ob sportlich oder gemütlich – hier findet jeder die passende Radtour.

mehr zu „Routenfinder“ »

Geschenkmitgliedschaft

mehr zu „Geschenkmitgliedschaft“ »
Eine Mitgliedschaft im ADFC bringt das ganze Jahr über Spaß und Geselligkeit. Verschenken Sie ein gutes Gefühl an ihre Freunde, Verwandten oder auch den Nachbarn von nebenan!

mehr zu „Geschenkmitgliedschaft“ »