Überlebenstechnik
ADFC-Forderungen zur Fahrzeugtechnik
Die Zahl der Verkehrstoten geht seit Jahren zurück. Zum großen Teil ist das auf verbesserte technische Schutzmaßnahmen in Kraftfahrzeugen zurückzuführen: Airbag und ABS gehören inzwischen zur Standardausstattung.
Radfahrern und Fußgängern ist dieser Fortschritt bisher aber nicht zugute gekommen. Doch neuere Entwicklungen in der Kfz-Sicherheitstechnik machen es möglich, ungeschützte Verkehrsteilnehmer künftig besser vor schweren Verletzungen zu bewahren oder typische Unfälle ganz zu verhindern.
1. Abbiege- und Bremsassistent für Lkw
Zusammenstöße mit rechts abbiegenden Lkw führen selbst bei langsamer Fahrt häufig zum Tod von Radfahrern und Fußgängern, wenn sie vom Lkw überrollt werden. Zusätzliche Rückspiegel gegen den toten Winkel oder seitliche Verkleidungen hatten nicht die erhoffte Wirkung. Aus Untersuchungen der Bundesanstalt für Straßenwesen ist bekannt, dass der Lkw-Fahrer beim Abbiegen häufig damit überfordert ist, alles im Blick zu behalten. Der Abbiege- und Bremsassistent warnt ihn, wenn er beim Rechtsabbiegen einen Radfahrer oder Fußgänger im rechten Seitenraum übersehen könnte, und bremst bei Gefahr den Lkw bis zum Stillstand ab.
ADFC-Forderungen
zur Fahrzeugtechnik
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Der ADFC fordert die generelle Ausstattung von Lkw mit solchen Assistenzsystemen. Nach einer aktuellen Studie des niederländischen Verkehrsministeriums reicht eine Warnung des Lkw-Fahrers allein nicht aus, um die Kollision oder das Überrollen zuverlässig zu verhindern. Da solche Unfälle sich bei geringen Geschwindigkeiten ereignen, oft sogar beim Anfahren, ist ein automatisches Bremsen bei Gefährdung von ungeschützten Verkehrsteilnehmern vertretbar.
2. Warnung vor sich öffnenden Autotüren
Radfahrer sind durch unvorsichtig geöffnete Autotüren stark gefährdet. Auch durch vorausschauendes Fahren und Sicherheitsabstand können sie solche Unfälle mit oft folgenschweren Stürzen nicht vermeiden. Schon heute lassen sich Türkontakte und Rückleuchten oder Blinker von Pkw über den Bordcomputer so miteinander verknüpfen, dass sie beim Öffnen der Tür ein für Radfahrer sichtbares Warnsignal erzeugen. Sensoren an den Türgriffen können der Elektronik bereits die Absicht des Türöffnens anzeigen. An modernen Pkw verwendete Abstandssensoren lassen sich ebenfalls einbeziehen und würden den Insassen z. B. durch ein fühlbares Signal melden, dass Radfahrer in den Gefahrenbereich kommen. Eine automatische Türverriegelung im Notfall ist ebenfalls möglich.
3. Außenairbag
Mit einem neu entwickelten Außenairbag könnte die Automobilindustrie die Zahl der getöteten Radfahrer in Europa deutlich verringern. Derzeit entwickelt ein internationales Konsortium ein Luftkissen, das sich beim Frontalcrash auf Höhe der Windschutzscheibe explosionsartig aufbläst – wie die bekannten Airbags im Innenraum. Radfahrer und Fußgänger prallen so bei einem Unfall mit deutlich weniger Wucht auf die Windschutzscheibe. Ohne diesen Schutz fügt der starre Rahmen der Frontscheibe ihnen bei einem Zusammenstoß schwerste Verletzungen zu. Dieser Airbag ist in Deutschland bereits mit positivem Ergebnis für den Schutz von Fußgängern untersucht worden.
Das niederländische Forschungsinstitut TNO erwartet die Marktreife des Außenairbags bis 2015 und erprobt die auslösenden Sensoren zurzeit in Feldversuchen im realen Stadtverkehr.
Der ADFC hält diese Schutzmaßnahmen für Erfolg versprechend und verlangt, dass sie als Sicherheitsausstattung von Kraftfahrzeugen verbindlich eingeführt werden.








