Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club e. V. (ADFC)

Radfahrerin im dichten Straßenverkehr und in kritischer Kreuzungssituation. © ADFC / April Agentur

Nationale Verkehrssicherheitskonferenz: ADFC fordert sichere Radwege

Nächste Woche beginnt die Nationale Verkehrssicherheitskonferenz. Die Bundesregierung hat sich vorgenommen, die Zahl der getöteten Radfahrenden um 40 Prozent zu reduzieren. Doch der Bund verfehlt seine eigenen Verkehrssicherheitsziele drastisch.

Nächste Woche beginnt die Nationale Verkehrssicherheitskonferenz. Die Bundesregierung hat sich mit dem Nationalen Radverkehrsplan vorgenommen, die Zahl der getöteten Radfahrenden von 2019 bis 2030 um mindestens 40 Prozent zu reduzieren. Die Verkehrssicherheit für Radfahrende hat sich allerdings nicht verbessert: 2024 starben 12 Prozent mehr Radfahrende im Straßenverkehr als noch 2014. Der ADFC fordert, die Sicherheit ungeschützter Verkehrsteilnehmer zu priorisieren und den Ausbau der Radwegenetze konsequenter voranzutreiben.

ADFC-Bundesgeschäftsführerin Dr. Caroline Lodemann sagt: „Die Zwischenbilanz beim Radverkehr ist in zweierlei Hinsicht alarmierend: Zum einen stagniert der Fahrradanteil am Gesamtverkehr – anstatt dynamisch zu wachsen, wie von der Bundesregierung angestrebt. Zum anderen verschlechtert sich die Unfallbilanz. Damit steht der Erfolg gleich zweier Programme des Bundes auf dem Spiel: der Nationale Radverkehrsplan und die Nationale Verkehrssicherheitsstrategie. Das ist bitter! Denn im Radverkehr steckt viel Potenzial für Gesundheit, Stauentlastung, Lebensqualität und Klimaschutz. Wir erwarten von Bundesverkehrsminister Schnieder, dass dieses Potential konsequent genutzt wird.“

Unfallzahlen entgegen der Zielsetzung gestiegen

2014 gab es laut Destatis 78.865 polizeilich erfasste Unfälle mit Personenschaden mit Fahrrad oder Pedelec, 2024 waren es rund 18 Prozent mehr (93.279). Auch die Zahl der getöteten Radfahrenden ist nicht gesunken, im Gegenteil: 2014 gab es 396 Getötete, 2024 waren es laut des endgültigen Ergebnisses des Statistischen Bundesamtes 12 Prozent mehr (445). Häufigster Unfallgegner ist das Auto, Hauptunfallorte sind Kreuzungen und Einmündungen. Trotz politischer Ziele für mehr Radverkehr stagnierte der Radverkehrsanteil laut „Mobilität in Deutschland“ bei 11 Prozent. Die auf dem Rad zurückgelegten Personenkilometer sind nur leicht von 40 (2017) auf 43 Milliarden pro Jahr (2023) gestiegen.

Achillesferse Infrastruktur

Studien belegen, dass mangelhafte Radwegeinfrastruktur – einschließlich schlechten Zustands, fehlender Trennung vom Autoverkehr oder ungünstiger Führung – maßgeblich zu Unfällen mit dem Rad beiträgt. Trotz Förderprogrammen des Bundes gibt es hier weiterhin erhebliche Defizite. In den meisten Städten und Gemeinden sind die Radwegenetze lückenhaft und unzureichend ausgebaut. Auf dem Land fehlen Radwege oft ganz. Problematisch gestaltete Kreuzungen und Einmündungen schaffen ernste Sicherheitsprobleme für Radfahrende. Lodemann: „Die hohe Konfliktquote zwischen Rad- und Autoverkehr zeigt grundlegende Defizite und Fehler in der Verkehrsplanung. Radfahrende brauchen eigene, geschützte Infrastruktur. Und die Knotenpunkte zwischen beiden Verkehrsarten müssen so umgestaltet werden, dass sie auch für ungeschützte Verkehrsteilnehmer sicher sind.“ 

Mehr Engagement für sicheren Radverkehr gefordert 

Konkret fordert der ADFC zur Verbesserung der Verkehrssicherheit von Radfahrenden:

  • Beschleunigter Ausbau von Qualitätsradwegenetzen in den Städten und auf dem Land

  • Tempo 30 als Standard innerorts, Tempo 50 als Ausnahme

  • Beschleunigter Umbau gefährlicher Kreuzungen

  • Gezielte bundesweite Kampagnen zum Mindestüberholabstand (1,5 Meter innerorts / 2 Meter außerorts) und gegen gefährliches Falschparken auf Radwegen

Um diese Ziele zu erreichen und den Ausbau der Radinfrastruktur zu beschleunigen, fordert der ADFC einen Bund-Länder-Vertrag, einen Plan für ein Alltags-Radnetz Deutschland, fahrradfreundliche technische Regelwerke und eine nachhaltige Finanzierung des Bundes für den Radwegebau. Lodemann: „Oberste Priorität hat die Verbesserung der Radinfrastruktur. Sicherer Radverkehr ist nur auf sicheren Radwegen möglich.“ 

Hinweise an Redaktionen: Die zitierten endgültigen Unfalldaten stammen von Destatis: Hier finden sich die Zahlen zu 2014 (Achtung: Die dort für 2024 genannten Zahlen waren vorläufig und sind nicht mehr aktuell), hier die aktuellen Zahlen der getöteten Radfahrenden zu 2024 und der Fahrradunfälle 2024 (vierter Absatz). Die Verkehrsdaten stammen aus der Erhebung Mobilität in Deutschland. Studien zur mangelhaften Radinfrastruktur als Ursache von Fahrradunfällen gibt es bei der Unfallforschung der Versicherer. Das Nationale Verkehrssicherheitsprogramm und den Nationalen Radverkehrsplan gibt es auf den Seiten des Bundesverkehrsministeriums. 

Über den ADFC

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit rund 240.000 Mitgliedern die größte Interessenvertretung für Radfahrende in Deutschland und weltweit. Zusammen mit seiner Jugendorganisation Junger ADFC setzt er sich für sichere, komfortable Radwege und fahrradfreundliche Rahmenbedingungen als Basis einer nachhaltigen und gesunden Mobilität ein. Der ADFC ist bekannt für Auszeichnungen wie „Fahrradfreundlicher Arbeitgeber“ und Bett+Bike, zertifiziert touristische Qualitätsradrouten und stärkt mit Trainings und Aktionen – etwa zu sicheren Schulwegen – die Verkehrssicherheit von Menschen jeden Alters. 

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Foto mit Lastenrad von Caroline Lodemann, politische Bundesgeschäftsführerin des ADFC

Caroline Lodemann, politische Bundesgeschäftsführerin des ADFC

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Geisterrad erinnert an Unfallopfer

In vielen Städten erinnern weiße Geisterräder an getötete Radfahrer

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