
Lieferdienst-Fahrer:innen arbeiten oft unter prekären Bedingungen © ADFC Berlin
ADFC Berlin fordert Direkteinstellung von Lieferdienst-Fahrer:innen
Die Fahrer:innen von Lieferdiensten arbeiten oft unter prekären Bedingungen. Berlin braucht gute Arbeitsbedingungen im Fahrrad-Dienstleistungsbereich und mehr Verkehrssicherheit durch weniger Zeitdruck. Der ADFC Berlin unterstützt ihre Forderungen.
Wenn die einen bei Regen und Dunkelheit das Haus nicht mehr verlassen wollen, beginnt für andere die Arbeit: Im Auftrag von Lieferando, Wolt, Uber Eats und Co. fahren sogenannte Rider:innen auf ihren Rädern Essen durch die Stadt. Die Lieferung mit dem Fahrrad ist schnell, günstig und klimafreundlich. Die Arbeitsbedingungen hingegen sind prekär.
Für bessere Arbeitsbedingungen fordern die Fahrer:innen mithilfe der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) eine Pflicht zur Direkteinstellung. Auch der ADFC Berlin fordert den Berliner Senat in seinem verkehrspolitischen Forderungskatalog #NeustartFürsRad zur Berlin-Wahl am 20. September 2026 auf, sich auf Bundesebene für bessere Regulation einzusetzen. Berlin braucht gute Arbeitsbedingungen im Fahrrad-Dienstleistungsbereich und mehr Verkehrssicherheit durch weniger Zeitdruck. Aktuell wird auf Bundesebene verhandelt. Der ADFC Berlin unterstützt die Forderungen der Fahrer:innen.
Ziel ist es, Lieferdienst-Fahrer:innen einen festen Beschäftigtenstatus zu sichern und die Anbieter für die Verkehrssicherheit von Personal und Ausrüstung in die Pflicht zu nehmen.
Hintergrund
Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass das Risiko von Arbeitsunfällen bei den Fahrer:innen viermal so hoch ist wie in verwandten Berufsfeldern. Die Bezahlung der Fahrer:innen erfolgt aktuell in der Regel nach Bestellung und Aufträge werden mit undurchsichtigen Algorithmen vergeben. So entsteht ein diffuser und omnipräsenter Zeitdruck. Viele Fahrer:innen sind bei Sub(sub…sub)Unternehmen eingestellt, teils ohne Arbeitsvertrag oder in Schein-Selbstständigkeit. Die großen Unternehmen Lieferando, Wolt und Uber Eats stellen außerdem keine Arbeitsmittel. Für die Fahrräder und sonstige Arbeitsmittel müssen die Fahrer:innen selbst aufkommen. Die Plattformen übernehmen so keine ausreichende Verantwortung für die soziale Absicherung und die Verkehrssicherheit ihrer Fahrer:innen.
Der aktuelle Fairwork-Bericht zeigt außerdem eine deutliche Verschlechterung der Arbeitsbedinungen in den vergangenen Jahren. In den ersten Geschäftsjahren hatte beispielsweise Lieferando noch einen großen Anteil direkt eingestellter Mitarbeitender mit passablen Arbeitsbedingungen. Die Entwicklung der vergangenen Jahren geht hingegen in der gesamten Branche durch Preisdruck in Richtung mehr Subunternehmen, unklare Arbeitsverträge, weniger Arbeitsschutz und fehlende Arbeitsmittel. Einige Fahrer:innen erhalten weniger als den gesetzlichen Mindestlohn. Die Bezahlung erfolgt pro Lieferung, was Zeitdruck und damit Risiken im Verkehr befördert. Bei Krankheit und Arbeitsunfällen sind die Fahrer:innen nicht abgesichert.
Das Problem ist lange bekannt. Die Europäische Union hat vor zwei Jahren eine Plattform-Richtlinie beschlossen, um die Arbeitsrechte und die soziale Absicherung von Beschäftigten von Online-Plattformen zu verbessern. Bis zum 2. Dezember 2026 muss die Bundesrepublik diese EU-Richtlinie in nationales Recht umsetzen. Aus Berlin und anderen Bundesländern gibt es Bundesratsinitiativen für ein Direkteinstellungsgebot, doch die Umsetzung hängt weiter in der Luft.
Vorbild Fleischindustrie
Die Forderung der Fahrer:innen ist ein Direktanstellungsgebot orientiert an den 2021 beschlossenen Reformen in der Fleischindustrie. Direkteinstellung nimmt Arbeitgeber in die Verantwortung für die Sicherheit ihrer Angestellten und wirkt der Verantwortungsdiffusion in Subunternehmen entgegen. Fahrer:innen von Lieferdiensten müssen sozial abgesichert werden mit regulären Arbeitsverträgen. Die Fahrer:innen brauchen eine Bezahlung nach Zeit, nicht nach Auftrag, sowie geeignete Arbeitsmittel, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten.
In der nächsten radzeit-Ausgabe 2/2026 erscheint ein ausführlicher Bericht über die Thematik Arbeitsbedingungen und Verkehrssicherheit von Lieferdiensten.








