
32.000 Menschen demonstrierten im September 2026 für ein besseres Berlin mit einer gerechten Verkehrspolitik © ADFC Berlin / Annegret Krüger
Radwege-Rückbau und Baumfällungen stoppen!
Der Radweg an der Kantstraße und die Bäume an der Torstraße und Ollenhauerstraße sind bis Anfang 2027 vorerst geschützt. Der ADFC Berlin fordert den dauerhaften Erhalt von Stadtbäumen und Radwegen.
Betroffen sind folgende Straßen:
Kantstraße: Sicherheit hat Vorrang
Die Berliner Kantstraße ist ein Symbol geworden - erst für Fortschritt, nun für Rückbau. Während Corona wurde hier einer der ersten und längsten Pop-Up-Radwege eingerichtet. Seitdem ist das Radfahren an der Kantstraße sicherer und entspannter geworden. Mehr Menschen fahren dort Fahrrad. Anwohnende erzählen von weniger Lärm und weniger Stress.
Im ADFC-Fahrradklima-Test 2024 berichtete eine Person von ihrem Erleben: „Die 'temporäre' Einrichtung von Fahrradwegen entlang der Kantstraße während der Pandemie war und ist von unschätzbarem Wert. Der Weg wird enorm stark genutzt. Ohne Fahrradweg musste man um sein Leben fürchten, es starben auch immer wieder Fahrradfahrer:innen auf der Kantstraße. Ein Rückbau wäre eine Katastrophe.“
Der CDU war dieser Radweg von Beginn an ein Dorn im Auge. Mal argumentierte sie mit Belangen der Feuerwehr, mal mit dem Busverkehr. Im August 2026 hat der Senat einen Umbau augeschrieben, der vorallem die Priorität von Parkplätzen zeigt. Diese wiegen für die scheidende Senatorin Bonde wichtiger als die Sicherheit von Radfahrenden. Seit November 2024 demonstriert der ADFC Berlin im breiten Bündnis gegen den Rückbau. Auch ein Rechtgutachten der Deutschen Umwelthilfe zeigte 2025, dass der Rückbau rechtswidrig ist.
Für den Rückbau des Radwegs setzt der Senat Gelder, die im Haushalt zu Förderung des Radverkehrs einstellt wurden. Ob dies haushaltsrechtlich zuverlässig ist, dürfte zumindest fragwürdig sein. 2,4 Millionen Euro für Radwege-Rückbau bedeuten auch 2,4 Millionen Euro weniger für sichere Kreuzungen oder geschützte Radwege.
Infolge eines Eilverfahrens wurde der Erhalt des Radwegs bis Ende 2026 zugesichert. Die Akteneinsicht der Deutschen Umwelthilfe belegt zudem die Vermutung, dass der Rückbau des Radwegs durch Senatorin Bonde politisch und nicht fachlich motiviert ist.
Der ADFC Berlin fordert einen berlinweiten Stopp von Radwege-Rückbauten, unter anderem an der Kantstraße und an Unter den Eichen. Die künftige Regierung muss eine Planung für die Kantstraße umsetzen, die die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmenden und Anwohnenden berücksichtigt.
Torstraße und Ollenhauer Straße: Hitzeschutz ist Pflicht
Bäume sind die Klimaanlage einer Stadt. Dennoch hat der scheidende Senat Planungen an Torstraße und in der Ollenhauerstraße angekündigt, für die dutzende alte Stadtbäume gefällt werden sollen. Aufgrund des breiten Protests sind die Fällungen in beiden Fällen auf Januar 2027 verschoben. Das bietet eine Atempause, aber sichert noch nicht den Erhalt der Bäume.
In Zeiten von Hitzewellen schadet das Fällen von Bäumen direkt der Gesundheit der Berlinerinnen und Berliner. Es verstößt außerdem gegen das Bäume-Plus-Gesetz, das auf Initiative des Baumentscheids beschlossen wurde. Der Protest gegen die Fällungen ist groß und Jahrzehnte alte Bäume können von einem neuen Senat nicht einfach nachgepflanzt werden, daher fordert der ADFC Berlin von einem künftigen Senat, die Planungen für Torstraße und Ollenhauer Straße erneut zu prüfen und den Erhalt von Stadtbäumen sowie die Verkehrssicherheit zu priorisieren.
Im Fall der Torstraße fehlt außerdem eine schlüssige Gesamtplanung, die die Verkehrssicherheit an den Kreuzungen (Rosenthaler Platz) einschließt. Verkehrssicherheit und auch die “Flüssigkeit” des Verkehrs entscheidet sich an Kreuzungen. Es ist kurzsichtig, im westlichen Teil der Torstraße gesunde Bäume zu fällen, solange keine Planung für die gesamte Achse der Torstraße besteht.
Berlin braucht den #NeustartFürsRad
Andere europäische Städte zeigen, was möglich ist: Paris, Warschau und Barcelona setzen auf echten Hitzeschutz durch mehr Grün in der Stadt. Amsterdam und Kopenhagen zeigen seit Jahrzehnten, dass gute Radwege Menschen fürs Fahrradfahren begeistern und die Verkehrssicherheit verbessern. Wir brauchen mehr Paris für Berlin, mehr Berlincelona. Mehr Mut und Konzept für den Umbau zu einer zukunftsfähigen Stadt.
Bis zur Bildung einer neuen Regierung braucht Berlin den Stopp für den Rückbau von Radwegen und das Fällen von Bäumen. Eine künftige Regierung muss die Verkehrssicherheit und den Hitzeschutz aller Berlinerinnen und Berliner in ihren Entscheidungen priorisieren.
Zu den Forderungen des ADFC Berlin an die neue Regierung geht es hier: Neustart fürs Rad - Das Fahrrad als Schlüssel für eine gute Stadt für alle
Wie fahrradfreundlich ist Berlin?
Alle Radfahrer:innen rufen wir auf, bei der großen Umfrage mitzumachen:
- Wie viel wird in Berlin bereits fürs Radfahren getan?
- Was hat sich in den letzten Jahren verbessert?
- Sind die Radwege in einem guten Zustand?
- Kurz: Macht Radfahren Spaß – oder ist es Stress?
Beim Fahrradklima-Test 2026 des ADFC zählt deine Stimme.








